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IAA und Taxi

Was Taxifahrer einem zurufen, ist noch nicht Gesetz, aber gesetzt

Ende September in Frankfurt. Der Sommer nimmt noch mal Fahrt auf. Es sind die Wochen, in denen sich die Stadt aufbrezelt. Heiße Schlitten, sogar um diese Jahreszeit. Wie aber muss man das verstehen, denn wieso sollten Schlitten heiß sein? Langsam! In diesem Modus geht einem Schritt für Schritt auf, dass das Automobil Widersprüche in die Welt zu setzen vermag, so dass ein beträchtlicher Teil der Welt unbedingt an das Erstaunliche im Auto glaubt, an heiße Schlitten halt auch!

Diese müssen nicht auf öffentlichen Wegen in der Stadt zu sehen sein, um mitten in die Stadt zu finden, auf Lkw-Ladeflächen zur IAA, auf die Internationale Automobilausstellung. Es ist eine Form des Transports, auf dem Autos sogar den Augen auf der Straße verborgen bleiben. Auf der Straße? Wer möchte schon über sich hören, er komme wohl direkt von der Straße. Eine solche Herkunft hat immer etwas Unzivilisiertes. Allein gut in diesem Milieu, und wir sprechen von einer Ausnahme, kann sich das Automobil auf der Straße bewegen.

Doch kein nagelneues Automobil, das die Straße auf direktem Wege erreichte, es geht (funktioniert!) nur über den Umweg Frankfurt, IAA, den Standort, an dem die heißen Schlitten funkelnd inszeniert werden. Sie teilen sich die Showrooms auf der IAA mit weiteren offensichtlich heißen Verbrennungsöfchen. Das Automobil hat immer schon in Metaphern sprechen und träumen lassen. Wie selbstverständlich, wie von selbst. Wie auf Autopilot. Aber wenn gar ein Roboter Ende der Woche durch eine Kultursendung führen soll, „ziemlich schlau“, wie es in der Ankündigung heißt, sollte man sich über gar nichts mehr wundern.

Es musste so kommen! Schlau war ja auch der Gedanke, aus Frankfurt, immer schon ein Inbegriff der Mobilität, nun, durch den Abschied der IAA, den Standort einer Neugründung zu machen, einer „Mobilitätsmesse“. Sicher, der heiße Schlitten war immer schon ein Paradoxon, ein Anachronismus. Aber war die IAA nicht immer auch so etwas wie eine Allegorie der Mobilität? Doch, doch, sie war ein Sinnbild!

Nun Abschied von einem Anachronismus, Lebewohl Allegorie: Jedermann in Frankfurt, jede Bürgerin sieht, wie groß der Schaden ist, der Frankfurt dadurch entsteht, dass die IAA nicht mehr in der Stadt stattfindet. Eine Stadt trauert, nur die Taxifahrer nicht. Sie werden zitiert: IAA? Kein nennenswerter Umsatz. Die Taxivereinigung sagt: „Wir hatten viel Verkehr, aber wenige Fahrgäste.“

Was Taxifahrer einem zurufen, ist noch nicht Gesetz, aber gesetzt (repräsentativ). Ihr Wort nimmt in der Stadt Fahrt auf, naheliegenderweise auf Autopilot.

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