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Der Morgen danach: Paula und Rolf gehen zum Du über.
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Der Morgen danach: Paula und Rolf gehen zum Du über.

TV-Kritik

Tatort „Wo ist Mike?“ (ARD): Wenn das Licht im Keller flackert

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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„Wo ist Mike?“ fragt der neue Franken-Tatort, indessen ist Paula Ringelhahn schwer verliebt und abgelenkt.

Paula Ringelhahn wacht auf und lächelt, wie nur jemand lächeln kann, der mindestens im sechsten Himmel ist. Beim Frühstück will sie: alles. Die beiden Spiegeleier. Das ganze Rührei, auch nicht gerade wenig. Das Ei im Glas. Zwar lebt sie also keineswegs von Luft, trotzdem muss das Liebe sein. Paula, Dagmar Manzel, und Rolf, Sylvester Groth, strahlen sich an. „Darf ich Ihnen das Du anbieten?“ ist dann im neuen Franken-Tatort von Thomas Wendrich, Buch, und Andreas Kleinert, Regie, einer von einer ganzen Reihe feiner, weil unerwarteter Sätze. Kommissarin Ringelhahn ist verliebt, ohne Zweifel, und sie scheint nicht zu jenen zu gehören, die auf einem gründlichen Kennenlernen bestehen, bevor ...

Manche werden im Franken-Tatort „Wo ist Mike?“ (ARD) von der Wolke purzeln

Aber rundum frohe Menschen in einem TV-Krimi? Auch Paula und Rolf, das ahnt man, werden von der Wolke purzeln. Und schon steht Ringelhahns Kollege Felix Voss, Fabian Hinrichs, vor der Tür, er ist sachlich und korrekt, aber ein Kind ist verschwunden und Lehrer Rolf Glawogger wurde kürzlich von zweien seiner Schüler angezeigt, wegen sexueller Belästigung. Ringelhahn glaubt zuerst kein bisschen, dass der Mann an ihrer Seite etwas Böses getan hat. Dann weiß sie irgendwann nicht mehr, was sie glauben soll. Dagmar Manzel zeigt mit allen Blicken und in allen Nuancen, wie der Zweifel in ihr wühlt und arbeitet. Sylvester Groth ist indessen mit ebenso großer Kunst der Mann, der nicht nur sein frisches Glück, der sein ganzes Leben zerbröckeln sieht: „Jetzt steht alles aufm Spiel für mich“, sagt er. Und später: „Das ist ja eigentlich mein Part, das Heulen.“

Aber dieser ARD-Tatort heißt nicht „Die Kommissarin ist verliebt“, er heißt „Wo ist Mike?“ Das Kind, fünf, ist seit Freitagabend verschwunden, die Mutter, Linda Pöppel, behauptet, den Jungen beim Vater gelassen zu haben, der Vater, Andreas Pietschmann, beteuert, sie habe Mike nach einem Streit wieder mitgenommen. Allerdings, so wie der ein Videospiel spielt, als die Kommissare eintreffen (herumbrüllend, völlig weggetreten), traut man ihm alles zu.

RolleDarsteller:in
Felix VossFabian Hinrichs
Paula Ringelhahn\tDagmar Manzel
Rolf Glawogger\tSylvester Groth
TitusSimon Frühwirth
Mikes Vater\tAndreas Pietschmann
Mikes Mutter\tLinda Pöppel
Titus’ Mutter\tBettina Hoppe

Franken-Tatort (ARD) „Wo ist Mike?“ schwankt wie ein Schilfrohr im Wind

Und das sind die zwei Seiten dieses Tatorts, der zwischen dem eindrucksvoll Schattierten, Zarten, und dem Überzeichneten und dem auch völlig Unglaubwürdigen schwankt wie ein Schilfrohr im Wind. Teenager Titus (Simon Frühwirth) fliegt allein nach Amsterdam, schmeißt dort sein Handy ins Wasser, als nächstes liegt er in Deutschland nackt mitten auf einem großen Platz – aber, möchte man den Autor fragen, wer hat denn heutzutage kein elektronisches Flugticket?

Und würde tatsächlich erst am Morgen jemand auf einen splitterfasernackten Jungen aufmerksam werden? (Hier ist es eine Touristengruppe, ein kleiner Coronazeit-Scherz am Rande wohl.) Dann wiederum wird man für diesen Unsinn entschädigt, indem dem psychisch kranken Titus eine so handfest liebende wie überforderte Mutter zur Seite gestellt wird; Bettina Hoppe spielt sie hinreißend.

Zur Sendung

„Tatort: Wo ist Mike?“, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

Franken-Tatort in der ARD: „Wo ist Mike?“ hätte abgenutzte Bildsprache nicht nötig

Titus sieht Menschen, die es gar nicht gibt. Da halten die Kommissare mit: Voss mit Mike-Visionen, Ringelhahn mit rolf-induzierten Alp- oder Tagträumen. Ganz dick wird schließlich Gruselatmosphäre aufgetragen – fahles Lila, eine flackernde Leuchtstoffröhre, eine, ächz, große Tiefkühltruhe –, wenn Paula Ringelhahn grundlos in einen Keller spaziert.

Dabei hätte der Tatort „Wo ist Mike?“* eine so abgenutzte Bildsprache, auch manche Überkandideltheit der Handlung gar nicht nötig. Man hätte sich für ein ruhiges Kammerspiel entscheiden können, es wäre nicht langweilig geworden, diesen Menschen zuzusehen. (Sylvia Staude) *giessener-allgemeine.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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