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Lädiert ist er zuletzt auch: Devid Striesow als Stellbrink.

Tatort: „Der Pakt“

Frühmorgens von der Polizei abgeholt werden

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Der letzte Tatort mit Devid Striesow erzählt von Angst und Erpressbarkeit der Migranten.

Devid Striesow hat an diesem Sonntag seinen achten und auch schon letzten Auftritt als Hauptkommissar Jens Stellbrink und Thomas Kleist, Intendant des Saarländischen Rundfunks, ruft ihm noch schnell hinterher, dass die Zeit mit ihm und seinem Team „eine Erfolgsgeschichte“ gewesen sei: „Wir verdanken der Striesow-Zeit die stärksten Zuschauerzahlen in SR-Tatorten seit 1992.“ 

Die Figur des Kommissars Stellbrink habe anfangs einige Kritiker irritiert. Aber sie habe sich von Tatort zu Tatort weiterentwickelt, sei erwachsen geworden und gereift. „Erwachsen geworden“ freilich bedeutet, dass Stellbrink vom Kauz aus, der er in der ersten Folge zu sein schien, in eine langweiligere Mitte gerückt wurde. Inzwischen treibt er kein Yoga mehr und reißt auch nicht die blauen Augen auf wie ein reiner Tor. 

Geschäftsmäßig geht er nun die Ermittlungen an, reagiert diesmal nicht einmal auf die aufdringlichen Flirtversuche einer Verdächtigen. Ach ja, neben ihm gibt es immer noch Kommissarin Marx, Elisabeth Brück, die so gar keine Persönlichkeit entwickeln durfte (bestimmt werden die meisten Stiefkinder besser behandelt als es diese Figur acht Folgen lang wurde). 

Dafür wird im Stellbrink-Abschied mit dem Titel „Der Pakt“ noch schnell Sandra Maren Schneider von der Polizeihauptmeisterin zur „Frau Kommissarin“ befördert. Vielleicht wird sie ja zu dem Quintett gehören, das in Zukunft im Saarland ermitteln soll. Namen wurden noch nicht genannt. 

„Der Pakt“ jedenfalls ist nach einem Buch von Michael Vershinin und Zoltan Spirandelli, in der Regie Wolf Siegelmanns offenbar einer mit dem Teufel und der hat die Gestalt eines Angestellten der Ausländerbehörde. Er erpresst einen jungen Migranten, Illegale zu verraten, damit sie abgeschoben werden können. Man sieht ihn glücklich beim Grillen mit seiner Familie, mit einem reizenden blonden Jungen. 

Die Bilder wollen natürlich den Vergleich zwischen dem unsicheren Migrantenleben und der deutschen Mittelstandsidylle heraufbeschwören, aber dieser Tatort bleibt dabei knapp und unaufdringlich. Überhaupt neigt „Der Pakt“ nicht dazu, plakativ zu sein. Auch nicht, die Dinge, Verwicklungen, Abläufe über Gebühr erklären zu wollen. Ermordet wird eine Schwesternschülerin, es geschieht nach einer fidelen Abschlussparty im Schwesternschülerinnen-Wohnheim. 

Dubios erscheint sogleich der ungeheuer kooperative Hausmeister. Aber es gibt auch den Arzt mit iranischen Wurzeln, mit dem sie just noch Sex hatte. Allerdings nicht in ihrem Zimmer, so dass auch eine Verwechslung vorliegen könnte. Oder es war gar die Besitzerin des Zimmers, denn hat die nicht nach ihrer Rückkehr mit verdächtiger Verspätung (nach drei Minuten oder eher sieben?) geschrien? Alles geht also, was die Handlung betrifft, den gewohnten TV-Krimi-Gang. 

Ein Verdächtiger flieht, man sieht es regelrecht kommen, eine Verdächtige ist dafür zu offensichtlich verdächtig, als dass sie es sein könnte. Aber Regisseur Siegelmann hängt diese Routine eben auch angenehm niedrig, richtet das Augenmerk der Zuschauerin mehr auf die Menschen, die „IIlegalen“, die diskret bis angstvoll bei „MEFA“, „Mediziner für Asyl e. V.“ Hilfe suchen müssen, die in einem „christlichen“ Kinderheim gemobbt und frühmorgens von der Polizei abgeholt werden, die in ihrer „Heimat“ verschwinden und tot wieder auftauchen. 

Außerdem auf die, die es gut meinen, Ausstellungen für Künstler organisieren unter dem Motto „Neue Heimat Deutschland“ oder eingewachsene, entzündete Zehennägel behandeln. „Der Pakt“ ist ein recht würdiger Abschied für Jens Stellbrink; und dass der Täter am Ende hopplahopp aus dem Hut gezogen wird, das kommt schließlich in den besten Tatorts vor. „Tatort: Der Pakt“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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