Frankfurt

Mit Symbolcharakter

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"Die Zukunft der Oper" zwischen Zeitgenossenschaft und Kulinarik: Eine Gesprächsrunde in Frankfurt kann auch nicht der Frage nach dem neuen Domizil ausweichen.

„Ich mache, das was mir gefällt.“ Das ist natürlich ein starker Satz – und offensichtlich eine Erfolgsformel. Gesagt hat das Bernd Loebe, der Intendant der Frankfurter Oper, und die ist gerade mal wieder in der Kritikerumfrage des Magazins „Opernwelt“ zum Opernhaus des Jahres gewählt worden. Ebenjene Zeitschrift hatte im Zuge ihrer neuen Gesprächsreihe „Dialog“ ins Holzfoyer eingeladen, „Die Zukunft der Oper“ lautete der Titel der Podiumsrunde.

Die Oper als Gegenort zum materialistischen Denken oder als einer des kulinarischen Genusses – mit Blick auf die „oder“-Frage, die der moderierende Redakteur Jürgen Otten in den Raum stellte, herrschte Einigkeit darüber, dass Oper beides zugleich vermag. Überleben freilich, so die Regisseurin Brigitte Fassbaender, werde sie nur, wenn sie ein Publikum erreiche; eine Leitung müsse sich dessen bewusst sein, für welche Stadt sie Oper mache. Um Instinkt gehe es, so ihr Regiekollege Barrie Kosky, Intendant an der Komischen Oper in Berlin. Darum, nicht anonym zu bleiben. Nicht als rituellen Ort, nicht als Tempel will er sie verstanden sehen, vielmehr solle sie mittels Musik und Text die Frage stellen: Wer sind wir und warum sind wir hier?

Bernd Loebe dagegen könnte sich gut ein zeitgenössisches Thema wie den Prozess der Erderwärmung auf einer Opernbühne vorstellen. Die Komponisten freilich wollten alle „Kunst machen“ und würden abwinken. Oper mache man, so Loebe, nur für einen kleinen Ausschnitt der Gesellschaft; Versuche mit Vorstellungen mit türkischen Untertiteln hatten nur einen mäßigen Anklang gefunden. 

Dabei, so Bernd Loebe, könnten etwa türkische oder italienische Mitbürger doch einmal darüber nachdenken, was die Kultur dieses Landes ausmacht. Dass allerdings Flüchtlinge ihrer ganz anderen Probleme wegen beispielsweise für ein Stück über Flucht nicht gerade das Opernhaus stürmen dürften, könne er bestens verstehen. Mit Crossoverprojekten zu den Jugendlichen in die Stadt zu gehen, davon hält die Nürnberger Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz nichts. Da begebe man sich von vornherein in eine Verteidigungshaltung und die Klassik könne nur aussehen wie die unsexy große Schwester.

Die in Frankfurt gegenwärtig drängendste Frage, jene nach der baulichen Zukunft des Hauses, hat sich in der Publikumsrunde natürlich nicht umgehen lassen, auch wenn Moderator Otten zunächst darauf verwies, dass dies an diesem Sonntagvormittag einmal nicht das Thema sein solle. Zwar könne man sich, holte Intendant Loebe aus, die Oper in Frankfurt eigentlich ohne das Haus am Willy-Brandt-Platz kaum vorstellen. Gleichwohl sehe er die Chance, dass die Stadt es schaffe, eine „Architektur mit Symbolcharakter“ zu bekommen und plädierte für den Verbleib einer Sparte am alten Ort und ein neues Domizil für die andere – wie derzeit diskutiert wäre das die Oper – an einem innenstadtnahen Ort. 1600 bis 1700 Plätze brauche ein solches Haus, die vorhandenen 1371 seien für eine Stadt wie Frankfurt nicht mehr zeitgemäß. Mit Blick auf die prognostizierten Kosten möge man bedenken, dass es um zwei Theater gehe.

Damit steht der Intendant im Einklang mit jüngsten Äußerungen aus der Politik, jedoch im Widerspruch zum gerade bekannt gewordenen Votum der Mitarbeiter für einen Neubau an gleicher Stelle ohne Aufteilung der Bühnen. Eine – breit geführte, mit Blick auf das Ergebnis offene – öffentliche Debatte ist vonnöten.

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