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Der Kampf gegen Terror zieht immer größere Kreise. Das Militärprojekt Anti-Terror-Experten für Afghanistan und Pakistan auszubilden schreckt unsere Besten eher ab.

Immer wenn Supermann seine Kreise am Himmel zog, riefen die Leute: "Es ist ein Vogel. Es ist ein Flugzeug. Nein - es ist Supermann!" Als nun Umar Farouk Abdulmutallab seine Bahn am Himmel zog, um einen Anschlag auf Detroit zu verüben, schrien die Leute: "Es ist ein Versagen unserer Geheimdienstagenten! Nein! Es ist ein Versagen unserer Geheimdienstanalysten! Nein - es ist der Geheimdienstbürokratensumpf!"

Am 11. September 2001 führte das Außenministerium auf einer Liste der Top-Verdächtigen um die 61.000 Namen. Nur zwölf Namen fanden sich auf einer "No fly"-Liste der Bundesluftfahrtbehörde (der Federal Aviation Administration). Heute listet sie immerhin 4000 Namen auf, einen gewissen Umar Farouk Abdulmutallab allerdings nicht.

Wie bekommen wir nur solche Effizienz hin? Schauen wir uns nur einmal ein ambitioniertes Militärprojekt an, das Anti-Terror-Experten für Afghanistan und Pakistan ausbilden sollte. Der Plan war, Freiwilligen die Kultur und Sprache beizubringen, so dass sich nach einer gewissen Zeit auch ein entsprechendes Wissen über diese strategisch bedeutsame Region ausbilden könnte, das dann wiederum unseren Politikern zur Verfügung stehen würde, damit die auch wissen, was sie da eigentlich tun.

Die USA sind 2001 in Afghanistan einmarschiert, dieses Programm wurde 2009 auf den Weg gebracht - was bedeutet, wenn ich mich nicht irre, dass unsere Politiker sich bislang nicht von ausgewiesenen Experten haben helfen lassen und also nicht wussten, was sie da eigentlich tun.

Bisher haben sich 72 Freiwillige für das Anti-Terror-Kulturprogramm gemeldet. Darunter sind allerdings nur wenige, die, wie Projektleiter, Admiral Mike Mullen sich ausdrückte, auch zu den "Besten und Klügsten" gehören. Der große Rest, sagte der Militär öffentlich, werde sich wohl kaum für die anspruchsvolle Aufgabe qualifizieren.

Das Problem, gute Leute zu finden, dürfte damit zusammenhängen, dass das Anti-Terror-Programm auf fünf Jahre angelegt ist und damit junge, hoffnungsvolle Menschen von ihrer eigentlichen, vor allem auch finanziell einträglichen Karriere abhält: Wer an dem Programm teilnimmt, schmälert seine Karrierechancen. Das heißt: Dem Militär zu dienen ist keine Karriereoption, sondern schreckt unsere Besten ab. Warum aber denken wir, dass Menschen, die unsere Besten abschrecken, in der Lage sind, die Suchfunktion für eine Liste mit 61.000 Namen zu bedienen?

Übersetzung: Christian Schlüter

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