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Zurück auf Neo: Benjamin von Stuckrad-Barre .
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Zurück auf Neo: Benjamin von Stuckrad-Barre .

Benjamin von Stuckrad-Barre

„Stuckrad Late Night“ zurück auf ZDF Neo

Benjamin von Stuckrad-Barre fordert in seinem Spät-Talk Politiker mit anderen Mitteln heraus. Im Gespräch erklärt er, wieso er das Führen von Interviews eigentlich vermeidet und „Wetten, dass ..?“ auch ohne Moderator funktionieren würde.

Benjamin von Stuckrad-Barre fordert in seinem Spät-Talk Politiker mit anderen Mitteln heraus. Im Gespräch erklärt er, wieso er das Führen von Interviews eigentlich vermeidet und „Wetten, dass ..?“ auch ohne Moderator funktionieren würde.

An diesem Donnerstag meldet sich Benjamin von Stuckrad-Barre mit „Stuckrad Late Night“ auf dem Digitalkanal ZDFneo zurück.

Herr von Stuckrad-Barre, geben oder führen Sie lieber Interviews?

Führen ist wahnsinnig schwer, das kann ich eigentlich gar nicht. Wenn ich über jemanden schreibe, versuche ich ein regelrechtes Interview auch unbedingt zu vermeiden. Stattdessen beobachte ich, gucke mir ganz viel Material über die Person an, spreche mit Menschen um sie herum. Dann bin ich so oft wie möglich dort, wo sie öffentlich auftritt, sodass es wirklich schon nervt. Wenn die Person dann sagt „Sie schon wieder!“, dann ist es gerade gut.

Und Sie kommen dann völlig ohne Frage-Antwort aus?

Für den Notfall proviantiere ich mich mit ein paar kleinen Fragen, die ich abfeuere, wenn ich merke, es ist jetzt sozial erwünscht, dass ich noch so ein Interview führe. Doch für die Porträts, die ich schreibe, ist das überhaupt nicht ergiebig, sondern vielmehr das, was uneigentlich gesagt wird. Nebenbei. Was Leute in realen Situationen sagen und tun, wie sie sich verhalten, da ist für mich viel mehr drin, als in so klassischen Journalistenschulen-Fragen. Ich habe auch kaum den Ehrgeiz, Leuten eine Frage zu stellen, die noch nie jemand gestellt hat. Das ist ja eine wahnsinnige Eitelkeit anzunehmen, dass man jetzt etwas auf dem Notizblock hat, was noch niemand vorher gefragt hat.

Ist doch aber durchaus möglich.

Es kann mal gelingen. Ich glaube sogar, mir ist es bei Angela Merkel geglückt.

Mit welcher Frage?

Ich habe sie einmal gefragt, warum sie ihre Hände immer zu so einer Raute formt. Ich glaube, wenn es dermaleinst an die Grabrede geht, kann man sagen, dass ich der Erste war, der sie das gefragt hat. Ihre Antwort war herrlich: Sie mache das, sagte die Kanzlerin, weil dadurch gewährleistet sei, dass sie gerade stehe, weiter bedeute das nichts. Diese prosaische Auskunft erklärte mir eine Menge über das Wesen der Angela Merkel.

Am Donnerstag startet nun die zweite Staffel von „Stuckrad Late Night“, in der Sie regelmäßig Gäste aus der Politik begrüßen. Was genau reizt Sie an Politikern?

Erst mal habe ich großen Respekt davor, wenn sich jemand für diesen Beruf entscheidet, weil es, glaube ich, der härteste Beruf der Welt ist – und gleichzeitig liegt wahnsinnig viel Komik darin, automatisch. Es geht in der Politik permanent um Verstellung, weil die Leute nicht die Wahrheit, oder zumindest nicht die ganze Wahrheit, sagen dürfen, oder zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht, wo sie sich dann herumwinden müssen. Da entsteht eine absolut seltsame Sprache, die ganz gezielt am Eigentlichen vorbeigeht, das ist einfach sofort komisch.

Das heißt, die Politik kommt in Ihre Sendung aufgrund des Komikpotenzials?

Auch weil es mich wirklich interessiert. Ich sehe zum Beispiel überhaupt keinen Anlass, mich mit einem Schauspieler, einem Sänger oder einem Model zu unterhalten, die gerade ein Buch über eine Gemüse-Diät geschrieben haben oder so, das gibt es meiner Meinung nach schon in ausreichendem Maße. Für uns war immer klar, dass wir dieses reale Politik-Personal mit unseren Mitteln konfrontieren wollen, mit einer normaleren Form des Gesprächs, normaler als in den Pseudo-Ersatzparlamenten der anderen politischen Talkshows.

Wissen Ihre Gäste vorher, was auf sie zukommt?

Inzwischen wissen die Leute es etwas genauer. Am Anfang der ersten Staffel war das noch schwierig, weil man die Sendung noch nicht kannte. Doch mittlerweile wissen ein paar Politiker, oder zumindest ihre Referenten, dass man da ruhig hingehen kann, dass es unterhaltsam ist, aber kein bloßes Geblödel, sondern im Kern schon mit ernstem Ansinnen, nämlich einem Verstehenwollen seitens des Gastgebers und dass sie dort auch einem Publikum begegnen, das sie sonst vielleicht nicht haben – und natürlich gibt es auch einige, die genau aus diesen Gründen auf gar keinen Fall kommen werden. Es ist jetzt, da wir in die zweite Staffel gehen, viel leichter geworden, Zusagen von Politikern zu bekommen. Es hat sich herumgesprochen, wie diese Sendung abläuft.

Auf die Gefahr hin, dass der erste Teil der Frage doof klingt, aber mal angenommen, Sie werden Moderator von „Wetten, dass ..?“, wen würden Sie in Ihre erste Sendung einladen?

Das klingt in der Tat doof.

Ich weiß, mir ging es darum: Was würden Sie diesem in Deutschland größtem TV-Publikum vor die Nase setzen wollen?

Keine Ahnung. Für so eine Art Show bin ich nicht zuständig. Ich verstehe gar nichts davon. Ich habe es immer wahnsinnig gern geguckt, und ich finde, man sollte es jetzt mal ohne Moderator probieren. Mal sehen, ob’s jemand merkt. Die Sendung hat ja eigentlich sehr starke Abläufe. Einfach mal gleich in Mallorca starten, ohne Moderator. Müsste gehen.

Sie schreiben heute für den Springer-Verlag, unter anderem für die B.Z. Ist das für Sie immer noch eine „Pitbull-Zeitung“?

Das habe ich mal geschrieben, ja, über Franz Josef Wagner, das passte zu ihm und der Art, wie er die Geschicke des Blattes gelenkt hat. Inzwischen macht das jemand anderes, auf eine Art, die mir sehr viel angenehmer ist.

Die Zeitung ist also nicht mehr wie ein Kampfhund?

Nein, definitiv nicht mehr. Gleichzeitig muss Boulevard natürlich immer auch mal Kampfhund sein, wobei das dosiert stattfinden muss, sonst verliert es an Kraft. Ich lese wirklich gern Boulevard-Zeitungen, allein schon, weil mich diese Hysterie-Grammatik interessiert.

Und grenzenlos populistisch darf der Boulevard auch sein?

Na, aber hallo! Das ist Boulevard, die Zeitung muss einen am Kiosk so anschreien, dass es quietscht überm Knick.

Ohne Rücksicht auf Verluste?

Natürlich nicht. Die Menschenwürde gilt es durchweg zu achten. Das ist eine ganz einfache Regel.

Interview: Jakob Buhre

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