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Der Beuys-Granitkopf im Museum Insel Hombroich bei Neuss.
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Der Beuys-Granitkopf im Museum Insel Hombroich bei Neuss.

Düsseldorf

Streit um Beuys-Denkmal

Ein Hinkelstein mit Gesicht. Kann das ein Denkmal für den Künstler Joseph Beuys sein? Ist Düsseldorf der richtige Ort, um das Gebilde auszustellen?

Düsseldorf (dpa) - Das Kunstwerk kann ruhig klobig genannt werden und bringt stolze zwölf Tonnen vom besten Granit auf die Waage.

Ob der riesige Kopf, mit dem der Bildhauer Anatol Herzfeld an seinen Lehrer Joseph Beuys (1921-1986) erinnern will, dem weltbekannten Ausnahmekünstler angemessen ist und der Wackerstein wirklich in Düsseldorf aufgestellt werden soll, darüber streiten derzeit Bürger und Beuys-Freunde, Künstler und Kommunalpolitiker. Noch steht der Stein des Anstoßes neben dem Atelier des Bildhauers vor den Toren der Stadt: Wenn es nach dem Willen des mehrmaligen Documenta-Teilnehmers Anatol geht, soll sein massiger Hinkelstein mit eingemeißeltem Gesicht, das allerdings kaum an den Filzhut-Professor Beuys erinnert, direkt am Rheinufer gegenüber Düsseldorfs Altstadt aufgestellt werden.

Genau von diesem Punkt aus, unweit der Beuys-Wohnung im linksrheinischen Stadtteil Oberkassel, hatte der schnauzbärtige Verkehrspolizist und Kunststudent Anatol seinen Meister am 20. Oktober 1973 in einem selbst geschnitzten Einbaum über den Rhein gerudert und am Ufer vor der Kunstakademie abgesetzt. Die Paddel- Aktion "Heimholung des Joseph Beuys" war Höhepunkt des Studenten- Protestes gegen den Rausschmiss, mit dem sich Johannes Rau (SPD) als damaliger Wissenschaftsminister Nordrhein-Westfalens gegen die dauernden Widerborstigkeiten des Hochschulprofessor Beuys gewehrt hatte. Heute ist der künstlerische Einbaum-Einsatz längst als mythenumwobene Fluxus-Aktion in die deutschen Nachkriegs- Kunstgeschichte eingegangen.

Doch hiervon hat sich ein 16-köpfiger "Beirat für Bildende Kunst", der die NRW-Landeshautpstadt auch bei der Platzierung von Skulpturen auf Straßen und Plätzen berät, überhaupt nicht beeindrucken lassen. Die künstlerische Qualität sei "nicht ausreichend", das Werk werde weder Beuys noch dem Ruf der Kunststadt gerecht, urteilten die Experten einstimmig. Vehemente Befürworter findet Anatols Beuys- Hommage jedoch bei dem ein oder anderen örtlichen Verein und Politiker. Der unlängst gestorbene Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) habe das Beuys-Erinnerungsmal noch zugesagt, gab der einflussreiche Handwerkskammer-Präsident und Anatol-Freund Wolfgang Schulhoff den Lokalmedien zu Protokoll.

"Ob es überhaupt so geschickt ist, dem Beuys ein Denkmal zu setzen?", fragt sich Beiratsmitglied Robert Hartmann, Vorsitzender des angesehenen Künstlerverbandes "Malkasten" und selbst ebenfalls ehemaliger Beuys-Student. Der international hoch geschätzte Aktionskünstler ist schließlich mit verschlüsselten Fluxus-Aktionen, mit rätselhaften Objekten und seinen sensiblen Zeichnungen international bekanntgeworden. Alles Steinern-Starre dürfte dem anthroposophisch gestimmten Kunst-Magier vom Niederrhein wohl kaum entsprechen.

Rheinisch geschmeidig war dann rasch der Plan geboren, den Beuys- Stein zunächst auf Zeit am Rheinufer aufzustellen. "Ich kann mir vorstellen, dass man das in der Tat mal umsetzt", erklärt Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe diplomatisch vorsichtig. "Wir haben viel in Düsseldorfs öffentlichem Raum stehen, da würde der Kopf auch nicht stören", kommentierte der Vorsitzende des kommunalen Kulturauschusses, Friedrich G. Conzen, süffisant und plädiert ebenfalls für das Beuys-Denkmal auf Probe. Er schätze Anatol durchaus: "Aber ob das eines seiner besten Werke ist? Es ist aber sicher sein schwerstes."

Am Ende, so spekuliert der erfahrene Unions-Kommunalpolitiker, komme es möglicherweise sowieso alles ganz anders und der Hochwasserschutz siege über die Kunst. Vielleicht dürfe man den Zwölf-Tonnen-Beuys ohnehin nicht in der sensiblen Zone des Rheindeiches aufbauen.

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