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Istanbul

Straßenschlacht ums Emek-Kino

  • Frank Nordhausen
    VonFrank Nordhausen
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In der Nacht zum Montag haben mehrere tausend Istanbuler noch einmal versucht einen der berühmtesten alten Kinopaläste der Stadt zu beschützen. Doch ihre Chancen stehen schlecht.

Am Tag nach der Schlacht halten gelangweilte Wachmänner auf der Istanbuler Fußgängerzone Istiklal Caddesi Ausschau nach verspäteten Aktivisten. Die Inschrift „Emek Sinemasi“ ist auf der ergrauten Jugendstilfassade kaum erkennbar, und die vorbeischlendernden Touristen werden es gar nicht bemerken. Aber genau um das Emek-Kino im alten Cercle d’Orient-Gebäudekomplex ging der Kampf, hier haben in der Nacht zum Montag mehrere tausend Istanbuler noch einmal versucht zu beschützen, was schon verloren scheint: einen der berühmtesten alten Kinopaläste der Stadt, eine Ikone der türkischen Kinematographie. Der Uraufführungsort unsterblicher türkischer Filme soll in der alten Form zerstört und in ein Einkaufszentrum integriert werden. „Emek ist die Hagia Sophia der Istanbuler Kinos – der Filmpalast sollte künftigen Generationen erhalten bleiben“, schrieb die liberale Zeitung Milliyet.

Unter den Demonstranten, die der Bürgermeister des Szene- und Vergnügungsviertels Beyoglu nun mit Wasserwerfern und Tränengas auseinandertreiben ließ, waren bekannte türkische Filmschauspieler und -regisseure und auch der große französisch-griechische Filmemacher Konstantin Costa-Gavras. Doch ihr Protest wirkt anachronistisch angesichts der Macht des Kapitals und der auch in Istanbul herrschenden religiös-neoliberalen Regierungspartei AKP. Das Kino gehört der staatlichen Sozialversicherung, die es an den privaten Investor verpachtet.

Dabei ist es keine Nostalgie, wenn eine zunehmend größere Gruppe von Istanbulern dagegen protestiert, wie rücksichtslos die AKP mit dem historischen Erbe der Metropole umgeht. Drei Hochhäuser verschandeln seit einem Jahr die weltberühmte Skyline der byzantinisch-osmanischen Altstadt. Eine neue Betonbrücke über das Goldene Horn verstellt den Blick auf die Süleymaniye-Moschee, das Meisterwerk des osmanischen Architekten Sinan. In Beyoglu sind weitere Monumente der jüngeren Istanbuler Kulturgeschichte gefährdet.

Wie das alte Cercle d’Orient-Haus vermutlich einmal aussehen wird, kann man am gründerzeitlichen Nachbargebäude besichtigen, das ebenfalls in ein Einkaufszentrum verwandelt wurde und dessen Kitschfassade der renommierte Istanbuler Architekt Ahmet Vefik Alp als „städtebaulichen Alptraum“ bezeichnet. Zum Start des Istanbuler Filmfestivals vor einer Woche hatten Aktivisten der Initiative „Emek gehört uns“ das Kino noch einmal kurzzeitig besetzt, um gegen die Zerstörung zu protestieren. Doch ihre Chancen stehen schlecht. Der Gebäudekomplex ist eingerüstet. Am Montag demolierten Bauarbeiter bereits ein Nachbargebäude.

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