Irgendwann war sie Modeikone: Lady Di.
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Irgendwann war sie Modeikone: Lady Di im Tanz mit John Travolta.

Lady Diana

Der Stoff, aus dem Ikonen sind

  • vonKatrin Pribyl
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Von der Märchenprinzessin im rauschenden Ballkleid zur selbstbewussten Frau im smarten Businesskostüm: Die modische Transformation Lady Dianas prägt die Mode bis heute – gerade in diesem Sommer.

Alles begann mit einer jungen Frau, die nur ein einziges Kleid, eine Bluse und ein schickes Paar Schuhe besessen haben soll, bevor sie sich mit dem Prinzen verlobte. Den Rest, so jedenfalls will es die Legende, borgte sich die schüchterne Aristokratentochter von Freundinnen.

Es ist die angebliche Geschichte von Lady Diana Spencer, die nach ihrer Heirat mit Thronfolger Prinz Charles 1981 zur Modeikone wurde. Und bis heute als solche gilt. Mehr noch, sie ist auch 23 Jahre nach ihrem Unfalltod Inspirationsquelle und Ideal von Millionen von Frauen.

Und auch von unzähligen Modemarken, Designerinnen und Designern. Der spanische Konzern Mango etwa bietet für den Sommer 2020 eine Leinenhose in Pastellgelb an, für die Prinzessin Diana als Vorbild diente. Sie trug während eines Urlaubs auf Mallorca ein Outfit im selben Ton.

Die Macherinnen und Macher der Sommerkollektion der anderen großen spanischen Kette Zara hatten ebenfalls die legendäre Prinzessin im Sinn, als diese die Inspiration für ein smaragdgrünes Hemdkleid lieferte. Es handelt sich um eine Variante jenes Kleids mit diskretem Tupfenmuster und übergroßem Kragen, in dem sich Diana 1983 während einer offiziellen Reise in Neuseeland an der Seite von Ehemann Charles im Park mit ihrem Sohn Prinz William spielend zeigte.

Auch die überaus erfolgreiche US-Designerin Tory Burch widmete ihre aktuelle Kollektion Diana. Schluppenblusen, Plisseeröcke, kastige Blazer, Blümchenprints – die Stücke erinnern mehr an die frühe „Shy Di“ als an die selbstbewusste Frau, zu der sie sich über die Zeit wandelte.

Vor allem in den ersten Jahren glich ihr Erscheinungsbild dem der Märchenprinzessin. Viele Schleifen und Rüschen, Tüll und Spitze – Diana verkörperte die romantisierte Fantasie vieler Mädchen. „Die ‚Bürgerliche‘, die einen Prinzen heiratet: Das ist der Stoff, aus dem Disney-Filme geschaffen werden“, sagt die britische Stylistin Susie Hasler, Gründerin des Styling-Services „Styled By Susie“.

Voller Bewunderung verfolgten die Menschen die Transformation. „Sie wurde zur globalen Sensation und zog sich dementsprechend an“, so Hasler. Zahlreiche Kleider von Diana wurden zur Legende, etwa jenes mitternachtsblaue Samtkleid von Designer Victor Edelstein, mit dem die damals 24-Jährige bei einem Staatsbankett im Weißen Haus 1985 mit Schauspieler John Travolta tanzte.

Aber es waren nicht nur die eleganten Roben, die an der meistfotografierten Frau der Welt faszinierten. Auch ihr Freizeitlook oder ihre schicken Anzüge bei Arbeitseinsätzen wurden angehimmelt. „Wir alle wollten so gut aussehen wie die ‚Volksprinzessin‘“, sagt Hasler. Warum aber wird ihr Stil auch heute immer wieder Trend? „Dianas Stil ist nie wirklich verschwunden, sondern wurde von Modestylisten auf vielfältige Weise immer wieder aufgenommen.“ Er funktioniere noch immer und werde sich auch weiterhin fortentwickeln, glaubt Hasler.

Dazu tragen auch die Herzogin von Cambridge und die Herzogin von Sussex bei, die ihrer Schwiegermutter mit ihren Outfits regelmäßig Tribut zollen. Insbesondere Catherine, selbst royale Mode-Ikone, würdigt den Stil von Williams Mutter und übernimmt Ideen von Diana – ob in sanften Blumenkleidern, Tweed-Jackets, Midi-Dresses in auffälligen Farben oder in Anzügen mit einem prägnanten schwarzen Gürtel, darunter ein Rollkragenpullover

Die frühe „Shy Di“: Hütchen, Schleifchen und melancholischer Blick.

Die Frau des künftigen Königs Großbritanniens offenbart einen ähnlichen Geschmack für die royale Garderobe sowie dasselbe Talent, perfekte Outfits aus einfachen Kleidungsstücken zu kombinieren. Und sie nutzt wie Diana Mode auch als diplomatisches Werkzeug, etwa bei Staatsvisiten, wenn die Kleider in Form von eingestickten Verzierungen oder durch die Farbwahl Bezüge zum besuchten Land aufweisen.

Aber auch Herzogin Meghan wird immer wieder mit Diana verglichen, vor allem wegen ihrer glamourösen Hüte, glitzernden Roben und unkonventionellen Auftritte. So ging Diana damals ebenfalls – zumindest nach royalen Standards – modische Risiken ein und testete Grenzen aus. Bei Abendveranstaltungen tauchte sie in Hosen auf und erschien manchmal in schwarzen Outfits, was die royale Familie in der Regel nur im Trauerfall tut.

Zudem verzichtete Prinzessin Diana oft auf Handschuhe und verstieß damit gegen das Protokoll. „Sie bevorzugte den Hautkontakt, wenn sie anderen die Hand schüttelte“, erklärt Libby Thompson, die vor einigen Jahren im Kensington-Palast die Ausstellung „Diana: Her Fashion Story“ co-kuratierte, mit der der Prinzessin anlässlich ihres 20. Todestags gedacht wurde. Bei Krankenhausbesuchen habe Diana zudem keinen Hut aufgesetzt, „weil sie meinte, man könne so kein Kind umarmen“.

Es heißt außerdem, dass Diana oft klobige Schmuckstücke getragen habe, damit Kinder mit diesen spielen konnten. „Lady Diana hat gelernt, wie sie ihre Outfits relevant für ihre Sache oder ihr Engagement machen konnte“, sagt Stylistin Susie Hasler. Als Diana und Charles im Dezember 1992 dann ihre Trennung bekanntgaben, änderte sich auch der Kleidungsstil hin zu einer Arbeitsgarderobe.

Diana erschien bei Wohltätigkeitsaktivitäten in eng geschnittenen Kostümen und kreierte ein moderneres Image von sich. Sie zeigte sich als selbstbewusste Frau, vermittelte Eigenständigkeit und Macht auch durch ihre noch gewagteren Outfits, mit denen sie endgültig aus dem royalen Käfig auszubrechen schien. „Ihre Unabhängigkeit wuchs und sie wollte, dass diese sich in ihrem Stil reflektiert – um sicherzustellen, dass wir das auch sehen“, sagt Hasler über das sorgfältig inszenierte Bild der Prinzessin.

Einfluss übte Diana außerdem mit ihren lässigen Alltagskleidern aus. Unvergessen das legendäre Foto, auf dem Diana kurze Radlerhosen, Turnschuhe, Socken und ein Oversized-Sweatshirt trägt. Im Zuge eines generelleren 80er-Trends erlebt auch dieser Stil jetzt ein Comeback, teilweise mit klaren Bezügen auf Diana. „Sie ist ihrer Zeit voraus gewesen“, sagt Hasler. Aber trifft das auch auf ihre ikonische Frisur zu?

Der Kurzhaarschnitt, der zu ihrem Markenzeichen wurde, habe sich ebenfalls weiterentwickelt – von einem stumpfen Schnitt zu weicheren Lagen. „Gegenwärtig haben die Leute zunehmend genug von ihren Frisuren, insbesondere während des Lockdowns, sodass wir mehr kürzere Stile beobachten“, sagt Hasler. „Es steht also keineswegs außer Frage, dass auch ihre Frisur wiederkommt.“

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