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Verbraucherschützer warnen: HDTV sei ein Rohrkrepierer.
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Verbraucherschützer warnen: HDTV sei ein Rohrkrepierer.

Privatsender starten HDTV

Stirb langsam

Die Privatsender starten HDTV, den Versuch fürs Bezahlfernsehen durch die Hintertür. Experten bezweifeln, dass der Vorstoß ein Erfolg wird. Von Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Es ist ein böses Omen. Ausgerechnet mit dem düsteren Hollywood-Kracher "Stirb langsam 4.0" startet RTL am Sonntag sein hochauflösendes Fernsehen in High Definition (HD). Filmstar Bruce Willis bekommt es diesmal pikanterweise mit Datenräubern zu tun, die ganze Computernetzwerke lahmlegen. Natürlich geht Actionheld John McClane wieder als Sieger vom Platz, allerdings nach einigem Flurschaden. Solch ein glückliches Ende wird das umstrittene neue Geschäftsmodell der Privatsender, der Satellitenplattform Astra und einiger Gerätehersteller kaum erleben.

Erstmals sollen Zuschauer für werbefinanzierte Privatprogramme von RTL über Sat1 bis Pro 7 bezahlen. Nach einem Jahr Probezeit werden die HD-Sendungen über die neue Astra-Plattform "HD+" nur noch mit Abokarte zum Jahrespreis von mindestens 50 Euro zu sehen sein - andernfalls bleibt die Glotze schwarz. Experten bezweifeln, dass der Vorstoß ein Erfolg wird.

Intransparente Standards

"Die Vermarktungsstrategie der Privaten ist total daneben und schafft überall nur riesige Verunsicherung", klagt Michael Bobrowski, Fachmann für digitales Fernsehen beim Dachverband der Verbraucherzentralen (Vzbv). Sein Rat: "HDTV ist ein toller Fortschritt - doch so lange die Standards nicht eindeutig und transparent sind, sollte man abwarten und kein Geld in teure neue Geräte investieren." Verbraucherschützer werfen den "HD+"-Protagonisten Irreführung vor.

"Privatsender und Gerätehersteller wollen den Zuschauern eine absolut verbraucherfeindliche Technik unterjubeln", warnt Rolf Dahlmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Kein Plus, sondern ein Minus drohe. Denn das TV-Publikum soll nicht nur extra bezahlen, sondern sich auch noch der Willkür der Programmanbieter ausliefern. Die neuen Satellitenboxen, die zum Empfang der Astra-Plattform der Privaten nötig sind, sind nämlich reine Spaßverderber.

Grund: der technische Standard "CI+". Damit können die Sender nicht nur Mitschnitte und das Überspringen von Werbung verhindern, sondern auch die Speicherung auf der Festplatte zeitlich begrenzen und Aufnahmen löschen. Per Sendesignal und Datenbefehl kann bei Missbrauchsverdacht der Festplattenrekorder sogar komplett stillgelegt werden. Bei Astra und Tochterfirma "HD+" werden die technischen Eingriffsmöglichkeiten bestätigt. "Was die Sender tun, hängt natürlich vom Einzelfall ab", sagt eine Sprecherin.

Auf jeden Fall könne die Nutzung jeder einzelnen HD-Sendung bei "CI+"-Empfangsgeräten vom Sender genau reglementiert werden. Das schütze die Rechte der Lizenzinhaber. Ob die Zuschauer das wollen, steht auf einem anderen Blatt. Längst hat sich das Publikum beim Digital-TV in Standardqualität an Festplattenrekorder gewöhnt, mit denen Sendungen beliebig mitgeschnitten, zeitversetzt angeschaut und archiviert werden können.

Kritiker der Verschlüsselungspläne bekommen viel Gegenwind. Mächtige Wirtschaftsinteressen stehen hinter den Privaten, darunter Medienriese Bertelsmann, zu dem neben der RTL-Gruppe ein Zeitschriften- und Verlagsimperium gehört, sowie Elektronikkonzerne wie Sony und Philips. Branchensprachrohre wie die TV Plattform verharmlosen "CI+" gerne bloße Weiterentwicklung, ohne die massiven Nachteile der neuen Technik zu erwähnen.

Verbraucherschützer raten, vorerst auf "HD+"- und "CI+"- Geräte zu verzichten. Ohnehin gibt es bisher kaum eine Handvoll Geräte auf dem Markt, die Industrie zögert mit der Produktion. Auch wegen verärgerter Kunden: Wer wie Hunderttausende Deutsche bereits eine - angeblich zukunftssichere - HD-Empfangsbox gekauft hat, muss jetzt auf "HD+"-Nachrüstsätze warten, damit auch die Privatsender künftig in superscharfer Auflösung empfangen werden können.

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