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Vertikale und Horizontale gefaltet
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Vertikale und Horizontale gefaltet

Stillgelegte Beschleunigung

Delugan Meissl gewinnen Wettbewerb für ein Porsche-Museum in Stuttgart

Von CHRISTIAN HOLL

Es war keine leichte Aufgabe: Weder das spitz zulaufende Grundstück, noch das unwirtliche Umfeld sind für einen Museumsbau ideale Bedingungen. Trotzdem soll hier bis 2007 das neue Porsche-Museum entstehen. Im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen, in unmittelbarer Nähe zu Firmenstammsitz und Produktionsanlagen, zwischen S-Bahnlinie und verkehrsreicher Straße, im Umfeld eines typischen Industriegebiets.

Delugan Meissl Associated Architects sind die Gewinner des Wettbewerbs, an dem weitere neuen Büros teilnahmen. Die Wiener Architekten hatten einen die Form des Grundstücks variierenden, in Vertikaler und Horizontaler gefalteten Entwurf vorgeschlagen, der aus einem Sockelbau mit Foyer, "Classicwerkstatt", Verwaltung, Büro und Archiv und einem darüber aufgeständerten Ausstellungskörper besteht. Dieser Museumstrakt formt mit flach geneigten Ebenen eine Art Spirale; die dabei entstehenden Höhendifferenzen sind mit Stufen überbrückt, so dass sich ein großer offener Raum ergibt. Er kann als Bild eines städtischen Platzes interpretiert werden, der vom unwirtlichen Äußeren ins Innere verlegt wurde. Sein Charakter ist introvertiert, nur zum gegenüberliegenden Porsche-Zentrum soll der Ausblick möglich sein.

Der mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Volker Staab aus Berlin hatte eine grundsätzlich andere Position eingenommen: Er schlug eine freigestellte, kubische Form mit einer Fassade aus perforiertem Naturstein vor. Die Entscheidung für Delugan Meissl war auch eine gegen Staab, denn zwei andere Prestigeobjekte der Stadt, das Kunstmuseum Stuttgart wie das Projekt der Bibliothek des 21. Jahrhunderts, die auf dem Konversionsgelände am Bahnhof errichtet werden soll, formulieren bereits das Konzept des kubischen Bausteins als städtischen Solitär. Staab hatte außerdem öffentliche Räume um den Kubus herum angeboten, wie sie hier möglicherweise gar nicht nachgefragt werden würden. Zwar scheinen auch Delugan Meissl einen öffentlichen Platz anzubieten: Die zwischen den beiden Baukörperteilen liegende Raum soll als eine Art Piazza als Ort für besondere Ereignisse dienen. Der in den Plänen, im Modell und den Visualisierungen scheinbar offene Platz wird aber als Teil des Museums nur zu seinen Öffnungszeiten begehbar sein.

Glatter Gummi

Distinktion als Strategie: So wird das Museum auch in seiner Fassade, über deren Material noch nicht entschieden ist, den Unternehmensanspruch der sorgfältigen und außergewöhnlichen Detail- und Designarbeit reproduzieren: Beabsichtigt ist, einen an die lackierten Flächen des Autos erinnernden Charakter hervorzurufen, gedacht ist derzeit an eine weiße, glatte und beschichtete Kautschukfassade - eine Fassade, die nicht an andere Häuser der Stadt erinnert.

Doch im Vergleich mit Staabs Entwurf wir deutlich, dass Delugan Meissl mehr tun, als das Distinktionsbedürfnis des Bauherrn zu befriedigen. Im Innern entwarf Staab eine Komposition aus zwei ineinander gesteckten Raumfiguren, die die Ausstellungsbereiche von den Erschließungsflächen trennt und inszenierte Blicke von der einen in die andere Figur eröffnet. Die Objekte wären in dieser Konzeption wie wertvolle Schätze in Vitrinen präsentiert gewesen - Kultobjekte, deren ehrfurchtsvolle Bewunderung Distanz erzeugt.

Es war aber genau diese Distanz, gegen die sich die Jury aussprach - und damit einer anderen Distanz den Vorzug gab. Ein Museum inventarisiert die Erinnerung, als Reaktion auf die Zeitbeschleunigung definiert es einen "Ort für die gegenläufige Tendenz, die Zeit stillzulegen" (Belting). Für ein Unternehmen wie Porsche ist dies allerdings nur akzeptabel, wenn damit gleichzeitig eine Option für die Zukunft verbunden ist. Delugan Meissl musealisieren mit ihrem an einen städtischen Raum erinnernden Raum nicht nur das Objekt, sondern auch seine alltägliche Bühne. Das Museum soll den Traum wachrufen, der den Genuss am besonderen Fahrzeug mit dem Ort, wo es wie auf einer Bühne denjenigen erhöht, der es besitzt, verknüpft: die Stadt. Es ist daher kein Zufall, dass das Dach als Ort für die Präsentation neuer Modelle vorgesehen ist, dort wo man das ganze Umfeld überblickt, sich aber gleichzeitig von ihm distanziert. So soll sich der Porschefahrer fühlen: als der Besondere, der durch das Fahrzeug auf Distanz zum Gewöhnlichen tritt.

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