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Volker Schlöndorff wird 80.

Volker Schlöndorff

Die Stille zwischen den Bildern

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Der Filmregisseur Volker Schlöndorff wird 80 Jahre alt.

Als der amerikanische Schauspieler Dustin Hoffman im vergangenen Jahr mit Vorwürfen überhäuft wurde, Kolleginnen mit verbalen Anzüglichkeiten und unangenehmer körperlicher Nähe belästigt zu haben, sprang ihm sein Regisseur und Freund Volker Schlöndorff entlastend zur Seite. Die Vorwürfe gegen Hoffman sollen sich während der Dreharbeiten zu dem Film „Tod eines Handlungsreisenden“ aus dem Jahr 1985 zugetragen haben. Schlöndorff schilderte ausführlich, wie Hoffman am Set als unruhiger Pausenclown agierte, der die Filmcrew habe unterhalten und nicht bedrängen wollen.

Schlöndorffs Verteidigung war durchaus heikel, schließlich machte er sich verdächtig, aus falsch verstandener männerbündischer Treue abwiegeln zu wollen. Dabei haben Schlöndorffs Filme seit jeher eine andere Sprache gesprochen. Eher zeigen sie Männer mit Selbstzweifeln wie den Ingenieur Walter Faber, gespielt vom Schriftsteller, Musiker und Schauspieler Sam Shepard, ohne dessen vage-intellektuelle Präsenz die Verfilmung von Max Frischs Roman „Homo Faber“ wohl ganz anders ausgefallen wäre.

Um sich überhaupt an das schwierige Genre der Literaturverfilmung heranwagen zu können, bedarf es insbesondere auch der Fähigkeit zu einer subtilen Schauspielerführung, aus der im Fall des Gelingens mehr hervorgehen kann als nur die Fortentwicklung des Plots. Zur Offenheit für literarische Stoffe kam bei Volker Schlöndorff frühe Praxis hinzu. Als der junge deutsche Film sich vom biederen Elend der Edgar-Wallace-Krimis emanzipierte, steuerte Schlöndorff seine filmische Auseinandersetzung mit Robert Musils Adoleszenz-Roman „Der junge Törless“ bei, für die er das Drehbuch schrieb und Regie führte. Am Beginn der Karriere stand der Erfolg, Schlöndorff erhielt 1966 für den „Törless“ dreimal das Filmband in Gold für den besten Film, die beste Regie und das beste Drehbuch.

1979: Schriftsteller Günter Grass (v.l.), Schauspieler David Bennent als Blechtrommler Oskar Matzerath und Regisseur Volker Schlöndorff.

Volker Schlöndorff, 1939 in Wiesbaden geboren, wuchs in Schlangenbad im Taunus auf und stieß bald auf große Lehrmeister. Ehe er selbst Regie führte, arbeite er als Assistent von Louis Malle, Jean-Pierre Melville und Alain Resnais. Die zwangsläufig daraus resultierende Nähe zum französischen Film bereitete ihm den Weg zu einem Empfindsamkeitskino, in dem es auch darum ging, die jeweiligen Stimmungslagen der Figuren auszuloten. Viele Filme der 70er-Jahre waren von einer auffälligen Verlangsamung der Bildabfolge geprägt. Auf anschauliche Weise führt Schlöndorff das in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) nach dem Roman von Heinrich Böll vor, in dem Angela Winkler eine verhuschte junge Frau spielt, die sich in einen Terroristen verliebt.

Film und Roman waren natürlich auch als politische Statements zu verstehen. Die intellektuelle Linke des Landes glaubte, sich gegen einen aufgerüsteten Überwachungsstaat wehren zu müssen. Für Schlöndorff und seine damalige Frau, die Regisseurin Margarethe von Trotta, wurde das Bedürfnis, sich zu engagieren, durch unmittelbare Erfahrung bestärkt. In ihrem Ferienhaus in der Toskana mussten sie eine Polizei-Razzia über sich ergehen lassen, ganz ähnlich wie sie sich in der Böll-Verfilmung vollzieht.

Angesichts des sich verdüsternden politischen Klimas der Zeit war es nahezu selbstverständlich, dass Volker Schlöndorff auch zu den Akteuren des essayistischen Gemeinschaftswerks „Deutschland im Herbst“ (1978) gehörte, in dem Autorenfilmer wie Rainer Werner Fassbinder und Alexander Kluge den Ton angaben.

Für Schlöndorff schloss sich bald darauf eine Phase der epischen Verdichtung an, in der er sich als unverfilmbar geltenden Werken wie Günter Grass’ „Die Blechtrommel“ und Marcel Prousts „Eine Liebe von Swann“ widmete. Der Mut, mit dem Schlöndorff sich an schwierige Stoffe herangewagt hatte, zahlte sich aus. Er wurde zu einem nachgefragten Regiestar, in dessen Filmen gleich reihenweise internationale Schauspielergrößen reüssierten.

Neben seinen Filmen war Schlöndorff auch in filmpolitischer Hinsicht aktiv, von 1992 bis 1997 leitete er die Filmstudios Babelsberg und war für die Deutsche Film- und Fernsehakademie als Dozent tätig. An diesem Sonntag wird Volker Schlöndorff 80 Jahre alt.

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