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Mit dem Hund auf Du und Du: Tierpsychologe Martin Rütter als "Der Hundeprofi" mit Golden Retriever Mina.

Vox

Der Stehaufsender

Nach dem Stolperstart vor 15 Jahren verzeichnet Vox immer wieder Erfolge.

Von JAN FREITAG

Serienstarts wie "Der Hundeprofi" oder "Liebe mich und meine Kinder" sind bloß zwei weitere Doku-Soaps aus den Wohnstuben der Republik, nicht mehr. Doch wenn Vox, der kleine Schwestersender des großen Bruders RTL, etwas in die TV-Welt bläst, ist Augenmerk angebracht. Deutschlands Koch-, Tier- und Reisekanal Nr. 1 hat schon manchen Trend gesetzt. Nicht nur deshalb ist seine Historie auch nach 15 Jahren bemerkenswert im Fernsehland.

Gestartet als anspruchsvolle Alternative im dualen System, als Mittelweg zwischen privater Verblödung und öffentlich-rechtlichem Trott, krempelte der kommerzielle "Ereignissender" im Quotentief nur wenige Monate nach dem ersten Sendetag am 25. Januar 1993 seine Programmstruktur komplett um. Der Markt schien gesättigt mit Angebotsvielfalt im anspruchsvollen Segment. Und so ersetzte Vox den ehrgeizigen Mix aus Serien, News und Ma-gazinen durch eben jene Ramschware, die er unter Leitung des Politjournalisten Ruprecht Eser doch hatte überwinden wollen.

Rasch hatte Eser entnervt aufgegeben. So waren es an der Seite kreativer Köpfe wie Dieter Moor oder Wiebke Bruhns zusehends Leute à la Lilo Wanders und ein rasant schrumpfender Stab überarbeiteter Halbprofis, die den Platz zwischen Eigenreklame und Spielfilmschleifen zu füllen hatten.

Vox wankte, Werbekunden blieben aus, von der Süddeutschen Zeitung bis Bertelsmann suchten fast alle Gründer das Weite, der Marktanteil sank gegen Null, es roch nach Insolvenz. Erst als sich 1994 mit dem Einstieg Rupert Murdochs die Tür für amerikanische Lizenzprodukte öffnete, war der Sendebetrieb gerettet. Nicht aber das Niveau: Inhaltlich passte sich Vox der Konkurrenz um RTL an, das den Laden vor sieben Jahren übernahm. Es war das Ende eines Experiments - und der Beginn einer Erfolgsstory.

Nachrichtenfreies Vollprogramm

Denn Vox hielt es wie so viele kleiner Verlagshäuser, die der Qualität nur im quantitativen Renditedenken Bestandsschutz gewähren. So bleibt jener Infotainment-Kanal, der einst mit dem Slogan "Täglich sterben tausende Gehirnzellen. Retten Sie den Rest" ums Bildungsbürgertum warb, heute als einziges Vollprogramm am Wochenende nachrichtenfrei, hat aber zugleich durch rigiden Sparkurs und Zufallstreffer wie "Ally McBeal" den nötigen Spielraum für Eigenproduktionen erwirtschaftet, die anderen Sendern oft als Blaupausen dienen.

Keiner verfolgte den Fernsehleitsatz "Hunde und Kinder gehen immer" konsequenter, keiner begleitete Auswanderer beim Winken oder Heimköche beim Braten früher, bis Vox 2006 die anfangs avisierte Fünf-Prozent-Hürde nahm. Dank Anke Schäferkordt. Die langjährige Senderchefin sanierte nicht nur ein marodes Haus, sondern öffnete den deutschen Markt durch die populäre C.S.I.-Schiene für eine Art fiktionales Fernsehen, das zuvor undenkbar war: Gerichtsmedizin, Forensik, Realismus. Kein Wunder, dass sie den Quotenrenner bei ihrem Wechsel zu RTL vor drei Jahren mitnahm.

Doch Nachfolger Frank Hoffmann setzte weiter auf alte Spielfilme, neue Dokusoaps und immer wieder importierte Serien. "Für uns rechnet es sich nicht, Eigenes zu produzieren", erklärt der Geschäftsführer die Mischung eines Senders, der "überwiegend auf die weibliche Zielgruppe zugeschnitten" ist. Dennoch verbrennt Hoffmann seine Perlen von "Men in Trees" bis "Everwood" beharrlich abseits der Primetime, um dort Platz für kostengünstige Seifenopern zu schaffen. Und da die werberelevante Zielgruppe derlei Gülle jeder Güte vorzieht, sieht sich Hoffmann zu recht "auf Augenhöhe mit den Konkurrenten aus der ersten Generation".

Mainstream am Abend und Markenware ringsum rechnet sich schließlich schon deshalb, weil Werbekunden nicht in absoluten Zuschauermengen, sondern deren prozentuellen Anteilen rechnen. So reichen einige Hausfrauen bei den "Gilmore Girls" am einschaltschwachen Morgen für gute Quoten, während Geschmack am Abend die Spotpreise kaputt macht. Auch wenn Formate wie "Deutschland sucht den Superhund" oder den Rateshowabklatsch "Power of 10" ab und an scheitern, schafft es Vox gerade auf den besten Sendeplätzen regelmäßig zur Marktführerschaft.

Was auch gelingen könnte, wenn alleinerziehende Väter in "Liebe mich und meine Kinder" neue Mütter casten oder "Der Hundeprofi" Martin Rütter gestörte Vierbeiner therapiert. ARD und ZDF hat man so in der ominösen Zielgruppe 14- bis 49-jähriger Zuschauer längst überholt. Es ist ein leichtes Programm mit ernsten Ausritten, weiterhin mit ansehnlichem Infotainment wie Spiegel-TV und BBC-Reportagen, doch stets hinter Trash-Fernsehen und Hollywood geparkt.

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