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Stadt, Land, Fluss

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Neuerkundung von oben: das Städtchen Freudenberg in Südwestfalen.
Neuerkundung von oben: das Städtchen Freudenberg in Südwestfalen. © Gerhard Launer/ZDF

Das ZDF zeigt eine spektakuläre Doku-Reihe mit Luftbildaufnahmen von Deutschland. Den Auftakt macht an diesem Sonntag der Blick auf die deutsche Städte. Von Marcus Bäcker

In Jason Reitmans Film "Up in the Air" wird die Geschichte eines Geschäftsmanns erzählt, der in den USA von Stadt zu Stadt fliegt, um dort im Auftrag seiner Kunden Leute zu entlassen. Immer wieder sieht man Bilder von Landeanflügen, faszinierende Aufnahmen US-amerikanischer Städte von oben - Manifestationen der Systeme, in denen wir leben, durch die wir geformt werden. Bereits im vergangenen Jahr wurde bei der Verleihung des Literaturpreises "Corine" der Bildband "Over" ausgezeichnet, eine Werksammlung des Fotografen und Piloten Alex MacLean, die demonstriert, wie der Mensch seine Umwelt geformt, zersiedelt und oftmals auch zerstört hat.

In beiden Fällen ermöglicht der Blick von oben eine Neuerkundung und damit auch Neubewertung dessen, was uns täglich umgibt. Der Perspektivwechsel und die Distanz lassen den Betrachter vertraute Dinge komplett anders sehen und führen zu Verständnis, wo vorher nur gedankenlose Wahrnehmung war. Das merkt man schon beim Spielen mit Google Earth, doch noch erhellender wird der Flug über vertraut geglaubte Gefilde, wenn das Gesehene von Fachleuten gedeutet wird, wenn das Visuelle um kompetent vermittelte Informationen ergänzt wird. Hier setzt "Deutschland von oben" an, drei Dokumentationen innerhalb der Reihe "Terra X" mit den Schwerpunkten Stadt, Land und Fluss.

Den Auftakt macht an diesem Sonntag der Blick auf die Städte Deutschlands: 45 Minuten, die derart interessant und prallgefüllt mit Informationen sind, dass man sich mindestens eine Doppelfolge wünscht. Mit Hilfe von Hubschraubern, Ultraleicht- und Motorflug-zeugen begeben sich die Autoren Petra Höfer und Freddie Röckenhaus auf eine geografisch wie inhaltlich ausgedehnte Reise, die bei der Bevölkerungsdichte der Bundesrepublik anfängt und bei den Sprüngen etwas leichtsinniger junger Männer von Frankfurter Hochhäusern noch lange nicht aufhört. Es geht um die Bombardierung der Städte, um Archäologie von oben, die Lebensadern unserer Lebensmodelle, die Kontrolle von Erdgasleitungen aus der Luft - unglaublich, was man alles in eine Dreiviertelstunde packen kann.

Den größten Eindruck macht der Film, wenn er zeigt, wie durch den Perspektivwechsel geradezu detektivische Arbeit möglich wird. So ist der Blick auf Regensburg zunächst einmal nur optisch spektakulär. Doch dann sieht man, dass noch heute,im 21. Jahrhundert, die Keimzelle der Stadt - ein Römerlager - erkennbar ist. Dass die Straßen und Gassen des historischen Ortskerns weiterhin den Trampelpfaden durch die Trümmer des besagten Lagers folgen. Dass wir modernen und so sehr auf das Heute bezogenen Menschen also die Wege beschreiten, die uns unsere Vorfahren vor langer Zeit bereitet haben.

Ähnlich spannend ist die mit allerlei Animationen und Erläuterungen sinnvoll angereicherte Darstellung der Evolution Dortmunds von einer mittelalterlichen Handelswegkreuzung zur größten Stadt des Ruhrgebiets. Diese Zurückbesinnung erdet den beschleunigten Menschen des Globalisierungszeitalters wenigstens 45 Minuten lang, wobei "Deutschland aus der Luft" das Zeug hat, eine nachhaltigere Wirkung auf den Zuschauer auszuüben. Schon bemerkenswert, dass Luftaufnahmen dabei helfen können, seine Wurzeln zu entdecken.

Deutschland von oben,drei Teile, sonntags, 19.30 Uhr, ZDF

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