Michèle Kiesewetter

SPD-Politiker wettert gegen „krude Story“

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ARD-Dokumentation „Tod einer Polizistin“ verärgert Stuttgarter Landtagsabgeordneten.

V or zwei Wochen lief in der ARD die Dokumentation „Tod einer Polizistin – Das kurze Leben der Michèle Kiesewetter“. Der vom RBB produzierte und vom SWR mitfinanzierte Film behandelte die noch immer ungeklärten Hintergründe des NSU-Mordanschlags am 25. April 2007 in Heilbronn. Um den Film ist nun ein Streit entbrannt, mit dem sich wohl auch die ARD befassen muss.

Grund dafür ist ein Brief des baden-württembergischen Landtagsabgeordnete Wolfgang Drexler (SPD) an die Intendanten der ARD-Anstalten. Darin fordert der SPD-Politiker, der auch Mitglied im SWR-Verwaltungsrat ist, eine Stellungnahme zur journalistischen Qualität des Films. Er wolle aber auch erreichen, dass der Film in dieser Form nicht noch einmal ausgestrahlt werde, sagte Drexler der FR. Seine Einschätzung hatte der Abgeordnete, der im baden-württembergischen Landtag dem NSU-Untersuchungsausschuss vorsitzt, zuvor bereits in einer Pressemitteilung kundgetan, die auf der Internetseite des Landtags steht. Darin heißt es, die Dokumentation sei eine „krude Story, die geradewegs hinein in den Dschungel der Verschwörungstheorien führt“. Der Film frische längst widerlegte Thesen auf, ignoriere die Erkenntnisse des Stuttgarter NSU-Ausschusses und rücke das Opfer der Tat in schlechtes Licht.

Die Macher des Films, die Berliner Journalisten Katja und Clemens Riha, weisen das zurück. Eine solche Kritik hätten sie von keiner anderen Seite gehört. „Der Vorsitzende des NSU-Ausschusses im Bundestag, Clemens Binninger von der CDU, hatte unseren Film auf seiner Webseite verlinkt, seine Kollegin vom Thüringer NSU-Ausschuss, Dorothea Marx von der SPD, hat in ihrem Interview unsere Thesen und Fragen übernommen“, zählt Katja Riha auf. „Auch Anwälte, die einige der in unserem Film erwähnten Opfer vertreten, sind mit unserer Darstellung einverstanden.“ Drexler werfen sie einen „Einschüchterungsversuch“ vor, mit dem ihre im Film geäußerte Kritik an den Aufklärungsdefiziten im Heilbronner Polizistenmord abgewürgt werden solle. Das Vorgehen des SPD-Politikers werten sie zudem als Versuch politischer Einflussnahme. „Er nutzt seine Position als Landtagsabgeordneter und Mitglied des SWR-Verwaltungsrates aus, wenn er an die Intendanten schreibt und unseren Film schlecht macht“, sagt Katja Riha.

Drexler macht seine Kritik insbesondere an zwei Szenen des Films fest. In der einen kommt eine frühere Drogendealerin zu Wort, die vor vielen Jahren bei einem verdeckten Polizeieinsatz von Michèle Kiesewetter überführt worden war. Die Frau sagt im Film, dass die Polizistin bei ihrem Scheinkauf Heroin konsumiert und dabei den Eindruck erweckt habe, dies nicht zum ersten Mal zu tun. In einer anderen Szene geht es um mögliche Kontakte, die Kiesewetter früher einmal zu Thüringer Rechtsextremisten unterhalten haben könnte. „Niemand im Film sagt ausdrücklich, dass Frau Kiesewetter nicht heroinabhängig war, dass sie nicht Verbindungen in die rechte Szene hatte“, empört sich Drexler. „Auf diese Weise wird suggeriert, dass an diesen Vorwürfen, für die es keinerlei Beweise gibt, doch irgendetwas dran sein muss.“

In ihrem Film kämen sehr wohl Personen zu Wort, die diesen Aussagen widersprechen, stellen hingegen Katja und Clemens Riha klar. Ausdrücklich behalten sie sich die beiden Filmemacher juristische Schritte vor, um gegen die – wie sie es nennen – „Falschbehauptungen“ Drexlers vorzugehen.

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