Süddeutsche Verlag in der Krise

Sparwelle, zweiter Teil

Der Süddeutsche Verlag tritt weiter auf die Kostenbremse: 60 Stellen könnten wegfallen. Von Thomas Magenheim

Von Thomas Magenheim

Auf den Süddeutschen Verlag (SV) und sein Flaggschiff Süddeutsche Zeitung (SZ) rollt eine zweite Sparwelle mit betriebsbedingten Kündigungen zu. Nach einer ersten Sparrunde, der 90 Stellen zum Opfer fielen, würden nun im Verlag weitere 30 Stellen gestrichen, und auch in der SZ-Redaktion werde man Arbeitsplätze abbauen, hat SV-Geschäftsführer Detlef Haaks nach Angaben eines Beteiligten bei einer Betriebsversammlung angekündigt.

SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz habe vor Qualitätsverlust gewarnt. Das SZ-Personal fürchtet, dass bis zu 30 von derzeit 400 Redaktionsmitarbeitern ihren Job verlieren und zwar noch in diesem Jahr. Damit würden 2009 insgesamt 150 Stellen gestrichen, was an die Substanz gehe und eine Abwärtsspirale in Gang setzen könne, warnen Betriebsräte. "Die Stimmung ist fürchterlich, Entsetzen rundherum", sagen Betroffene. Jeder habe Angst, dass es seinen Arbeitsplatz treffe, auch weil kein Ende der Sparwellen in Sicht sei. Um zehn Millionen Euro sollen die Kosten nun noch mal gedrückt werden. Wen es genau erwischt, soll Ende November klar sein.

Offizieller Grund für den Kahlschlag ist die Wirtschaftskrise. Umsatz- und Anzeigeneinbrüche dürften 2009 für bis zu zehn Millionen Euro Verlust sorgen, schätzen SV-Mitarbeiter. Die vom neuen SV-Eigner, der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), installierte SV-Geschäftsführung wolle 2010 wieder schwarze Zahlen erzwingen. "Das geht nur mit Brachialgewalt auf Kosten der Qualität", warnt ein Insider. Es gebe weder Informationen zur Lage des Konzerns noch ein strategisches Konzept, sondern Abbau in Salamitaktik. Im Sommer wurde bereits das SZ-Magazin Wissen eingestellt. Ende 2009 läuft auch die SZ-Gratisausgabe Primetime aus, die auf Lufthansa-Flügen verteilt wurde.

Wirtschaftsdaten unbekannt

Auf Kritik stößt das Vorgehen bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem Betriebsrat. Die Personalvertreter kündigten einen Kampf um jeden Arbeitsplatz an und ziehen vor das Münchner Arbeitsgericht. Dort wollen sie einen Sozialplan erzwingen. Betroffene bezweifeln, dass die Wirtschaftskrise die immer tieferen Einschnitte rechtfertigt. Seit die SWMH voriges Jahr ihre Anteile am Münchner Großverlag für weit über 600 Millionen Euro auf gut 81 Prozent aufgestockt und damit das Sagen übernommen hat, würden der Belegschaft fast alle Wirtschaftsdaten vorenthalten. Damit sei die Not nicht nachprüfbar.

Auf eine Existenzkrise wie vor einigen Jahren steuere der SV aber keinesfalls zu, sagen Betriebsräte. Beschäftigte in München fragen sich, ob der radikale Sparkurs wirklich nur der Wirtschaftslage geschuldet ist oder ob sich die Südwestdeutsche Medienholdung mit der Übernahme des Süddeutschen Verlags überhoben habe und Kredite nun auf Kosten der Belegschaft bedient werden sollen. Die Übernahme des SV hatte die SWMH, der als Konzern 2009 angeblich keine Verluste drohen, zu Deutschlands zweitgrößtem Zeitungskonzern gemacht.

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