Rheingau Musik Festival

Ein Sommer ohne Konzerte

„Das ist existenzbedrohend“: Das Rheingau Musik Festival hat wirklich lange gehofft und gewartet, jetzt aber abgesagt.

Die Absage des Rheingau Musik Festivals kam am Donnerstagabend zwar nicht überraschend, aber es war trotzdem eine ernüchternde Nachricht für alle, die gehofft hatten, es würden sich Wege finden, wenigstens einen bescheidenen, übersichtlichen Teil des Konzertsommers zu retten. Die Entscheidung zur Absage, hieß es aus Oestrich-Winkel, „folge aus der erneuten Bestätigung der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder vom 30.4.2020, dass Großveranstaltungen einschließlich größerer Konzerte wie Festivals bis mindestens zum 31.8.2020 verboten sind“. Die 33. Ausgabe des Festivals hätte am 20. Juni begonnen und wäre bis zum 5. September gegangen.

Der Ausfall schmerze, erklärten die Veranstalter, aber das Festival unterstütze „die entschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie“. Intendant Michael Herrmann hatte sich zuvor lange optimistisch gezeigt, außerdem hatte er klar gemacht, wie hoch der Druck war.

Es seien bereits für vier Millionen Euro Karten zu den mehr als 170 geplanten Veranstaltungen verkauft worden, hatte Herrmann vor einem knappen Monat dem „Wiesbadener Kurier“ gesagt, und in dieser Größenordnung bewege sich auch die Summe, die von den Sponsoren komme. „Wir haben keine Rücklagen“, so Herrmann damals. Das Schleswig-Holstein Musik Festival, das am 4. Juli begonnen hätte, war aufgrund entsprechender Anordnungen der Landesregierung schon Mitte April abgesagt worden war.

Die Folgen der Absage seien nun nicht absehbar, so das Festival weiter, weder für die Künstlerinnen und Künstler noch für die Spielstätten, die weiteren Partner des RMF und „sogar die gesamte Region“. Als privater Veranstalter sei man abhängig von den Ticketeinnahmen und vom Geld der Sponsoren und hoffe „nun auf eine Welle der Solidarität, damit das Festival fortbestehen kann“. Herrmann bezeichnete die Situation als „existenzbedrohend“. Auch Festivalmitgründer und Vorstandsvorsitzender Claus Wisser erklärte, gegenwärtig sei eine „existenzielle Krise“ nicht auszuschließen.

Hilfe für Künstler geplant

Kartenbesitzer und weitere Beteiligte sollen „zeitnah“ kontaktiert und über „alle Modalitäten der Kartenrückgabe und Solidaritätsbekundungen“ informiert werden. Sobald das Festival finanziell stabilisiert sei, wolle es insbesondere junge Künstler unterstützen und „Teile der erbrachten Solidaritätsleistungen an die neu geschaffenen Künstlernothilfefonds weiterreichen“.

Ironischerweise wäre das Motto des diesjährigen, 33. Festivals „Freiheit“ gewesen. Selbstverständlich wäre auch hierbei der 250. Geburtstag von Beethoven gewürdigt worden, der allmählich weitgehend über die Corona-Krise stolpert. Das Festival wolle aber nach vorne schauen und die Planungen für die Saison 2021 fortsetzen, erklärte Michael Herrmann.

Die Veranstalter weisen sicherheitshalber darauf hin, dass die jetzige Absage nicht das Rheingau Literatur Festival (17. bis 27. September) und die Adventskonzerte betrifft. 

Weitere Informationenunter www.rheingau-musik-festival.de

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