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Der "Amazon Echo" bringt eine virtuelle Assistentin in den Haushalt: Alexa beantwortet Fragen, steuert die Musik und kontrolliert vernetzte Geräte.

Amazon Echo

Smart-Home-Lautsprecher soll Mord aufklären

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Nach Weihnachten dürfte er in vielen Wohnungen weltweit stehen: Ein Smart-Home-Lautsprecher. Ein "Amazon Echo" könnte nun zu einem wichtigen "Zeugen" in einem Mordprozess in den USA werden - weil er ständig lauscht und vielleicht etwas aufgeschnappt hat.

Der Lautsprecher "Amazon Echo", mit dem der Nutzer über Sprachbefehle kommunizieren kann, war der Renner an Weihnachten. Das Gerät sei der Bestseller im Weihnachtsgeschäft gewesen, teilte Amazon nach den Feiertagen mit. Der intelligente Lautsprecher, der nun in vielen Wohnungen weltweit stehen dürfte, hat jedoch auch eine Schattenseite: Um auf Sprachbefehle des Nutzers reagieren zu können, lauschen Mikrofone ständig, was in der Umgebung passiert.

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Dieser Umstand könnte einen "Echo" zu einem wichtigen "Zeugen" in einem Mordprozess in den USA machen. Wie das Portal "The Information" berichtet, versucht die Polizei in einem Mordfall im US-Bundesstaat Arkansas, Aufnahmen eines "Echo" von Amazon zu erhalten. Konkret geht es um den Lautsprecher eines Mannes, der wegen Mordes vor Gericht steht. Im Whirlpool des Angeklagten wurde im vergangenen Jahr ein Mann tot aufgefunden. Der "Echo", den die Polizei im Haus entdeckte, wurde beschlagnahmt, Daten aus dem Gerät wurden sichergestellt, wie Gerichtsakten "The Information" zufolge zeigen.

Amazon gibt keine Daten heraus

In den Gerichtsakten könne man auch nachlesen, dass Amazon bereits zwei Mal abgelehnt habe, Informationen, die vom Lautsprecher an Amazon-Server übertragen wurden, herauszugeben, so das Portal weiter. Bisher habe die Polizei nur die Kontoinformationen und den Bestellverlauf des Angeklagten von Amazon erhalten. Der "Echo" schickt Daten an Amazons Server und kann nach Sprachbefehlen des Nutzers beispielsweise Musik steuern oder vernetzte Geräte im Haus kontrollieren.

In der fraglichen Nacht - der Angeklagte hatte Besuch von mehreren Bekannten - wurde Musik drahtlos abgespielt und möglicherweise über den Smart-Home-Lautsprecher gesteuert, so die Polizei. Deshalb interessieren sich die Ermittler für die Aufnahmen, die das Gerät im Laufe der Nacht möglicherweise gemacht hat: Es könnten Hinweise darunter sein, die helfen, den Mordfall aufzuklären. Wie viele Aufnahmen der Lautsprecher tatsächlich an die Amazon-Server schickt und ob diese Daten für den Mordprozess relevant sein können, ist jedoch unklar.

Durch ein anderes Smart-Home-Gerät - im Haus soll es laut Gerichtsunterlagen auch intelligente Heizungsthermostate, eine Alarmanlage, ein drahtloses Wettersystem und einen intelligenten Wasserzähler geben - haben die Ermittlern dagegen bereits Informationen aus der Nacht erhalten. Zwischen ein und drei Uhr nachts seien in dem Haus 530 Liter Wasser verbraucht worden - ein wesentlich höher Verbrauch als in anderen Nächten. Das Wasser könnte dazu genutzt worden sein, Blut des Opfers von der Terrasse zu waschen, vermutet die Anklage.

Ob Smart-Home-Geräte dabei helfen, einen Mord aufzuklären - die Zukunft wird es zeigen. Der Fall soll im Frühjahr 2017 vor Gericht verhandelt werden.

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