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Die Katholiken in China stehen unter Aufsicht der Kommunistischen Partei.

Hintergrund

Die Situation der Katholiken in China

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Peking bietet an, den Papst als Oberhaupt der geschätzt zehn Millionen chinesischen Katholiken anzuerkennen - wenn der Vatikan wiederum die von China ernannten und exkommunizierten Bischöfe als legitim betrachtet.

Auf dem chinesischen Festland lebten dem „Holy Spirit Study Centre“ der Diözese Hongkong zufolge 2017 insgesamt etwa 10 Millionen Katholiken – die der Untergrundkirche inbegriffen. Das sind allerdings lediglich Schätzungen.

Artikel 36 der chinesischen Verfassung, die nach der Kulturrevolution 1982 revidiert wurde, sichert den Bürgern der Volksrepublik China Glaubensfreiheit zu. Der Staat schütze „normale religiöse Tätigkeiten“, allerdings: „Die religiösen Organisationen und Angelegenheiten dürfen von keiner ausländischen Kraft beherrscht werden.“

Der Vatikan bekräftigt demgegenüber, er wolle mit der Hoheit über die Bischofsernennungen lediglich „das Innerste des Lebens der Kirche“ sichern, so schon Papst Benedikt XVI. 2007. „Der Untergrund fällt nicht in die Normalität des Lebens der Kirche, und die Geschichte zeigt, dass Hirten und Gläubige dazu nur mit dem mit Leid verbundenen Wunsch greifen, den eigenen Glauben unversehrt zu bewahren und keine Einmischung von staatlichen Organen in Dingen zu dulden, die das Innerste des Lebens der Kirche berühren.“ Er forderte, die „rechtmäßigen Hirten als solche“ anzuerkennen.

Im August bekräftigte der Direktor des Staatsbüros für religiöse Angelegenheiten, Wang Zuoan, die Verfassungslinie von 1982: „Die religiösen Gruppierungen und Angelegenheiten in unserem Land akzeptieren keine Beherrschung vonseiten ausländischer Kräfte.“ Wangs Behörde und damit alle anerkannten religiösen Gemeinschaften wie die Katholisch-Patriotische Vereinigung unterstehen seit März der direkten Aufsicht der Kommunistischen Partei Chinas.

Der Verkauf von Bibeln ist nur in offiziellen kirchlichen Buchläden erlaubt, ihr Druck muss erst genehmigt werden. Importe, die über den persönlichen Bedarf hinausgehen, sind verboten. Weil sich der Verkauf im Internet als Schlupfloch erwiesen hatte, verbot die Regierung Online-Händlern im April den Verkauf von Bibeln. Zusätzlich verlangt die KPC neuerdings eine „Sinisierung“ von den Religionen. Die offiziellen protestantischen Vereinigungen haben dazu einen „Fünfjahresplan“ vorgelegt, wonach „Inhalte der Bibel auf ihre Kompatibilität mit den Kernwerten des Sozialismus untersucht“ werden sollen.

Kardinal Zen gilt als scharfer Kritiker der chinesischen Religionspolitik. Seine kompromisslose Haltung ist in der Kirche jedoch nicht unumstritten. Papst Franziskus nannte Zen im Juni einen „guten“, aber „ängstlichen Mann“, was Verhandlungen mit Peking betrifft. „Dialog ist ein Risiko, aber ich ziehe das Risiko vor und nicht die sichere Niederlage, wenn nicht gesprochen wird“, so Franziskus.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ vom vergangenen Freitag will Peking den Papst nun als Oberhaupt aller chinesischen Katholiken anerkennen. Dafür wird der Vatikan die von Peking ernannten und exkommunizierten Bischöfe als legitim anerkennen. 

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