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Ein moderner Kaspar Hauser: Christian Ulmen als Uwe Wöllner.
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Ein moderner Kaspar Hauser: Christian Ulmen als Uwe Wöllner.

Christian Ulmen

"Show ist zugänglich für jeden über 16 Jahre"

Christian Ulmen spricht im Interview über seine neue Show "Who wants to fuck my girlfriend", Sexismus und halsstarrige Feministinnen.

Von Marin Majica

Im Vorfeld hagelte es Kritik für Christian Ulmens neue Show „Who wants to fuck my girlfriend“ auf Tele 5. Männer lassen dort ihre Freundinnen in einem Attraktivitätswettbewerb gegeneinander antreten, dies sei frauenverachtend, hieß es. Nach der Ausstrahlung der ersten Episode am Donnerstag sind die meisten Reaktionen positiv: „Goil“, zitieren Facebook-Nutzer den von Ulmen gespielten Moderator Uwe Wöllner.

Herr Ulmen, hat Uwe Wöllner den Moonwalk, mit dem er ins Studio tanzt, bei Detlef D! Soost trainiert?

Uwe besitzt ein altes VHS-Video von Michael Jacksons „Dangerous“-Tour und seinem Auftritt in Frankfurt am Main. Jacko fliegt mit einem Jetpack auf die Bühne, Mädchen werden zu hunderten auf Tragen abtransportiert, bevor er den Moonwalk startet. Uwe hat sich das reingezogen und den Moonwalk in seinem Kinderzimmer geübt, um ihn aufzuführen, wenn er am Gipfel angelangt ist, irgendwann. Jetzt hat er seine eigene Show, jetzt ist Zeit für den Moonwalk, frei nach den Ärzten: Eines Tages wird er sich rächen und die Herzen aller Mädchen brechen.

Wöllners Sendung hat die Titelmusik von Gottschalks „Na sowas“ aus dem Jahr 1982, auch das Studiodesign orientiert sich daran. Ist er für solche Reminiszenzen nicht zu jung?

Uwe ist 38 Jahre alt, er wurde 1975 als erster Sohn in eine Dachdeckerdynastie in Hannover-Garbsen geboren. Als „Na sowas“ im Jahr 1985 die „Goldene Kamera“ bekam, hatte Uwe schon eine sperrige Kastenbrille, und in der Schule wurde er „Der Glöckner von Garbsen“ genannt. Seine Klassenkameraden haben ihm ins Poesiealbum geschrieben: „Du bist fett und stinkst nach Mett und pinkelst abends in dein Bett.“ Er hat seine Nachmittage vor einer flimmernden Röhre verbracht. Die war gütig, immer prima gelaunt und hat freundlich „Guten Abend, meine Damen und Herren“ gesagt. Uwe hat dann immer leise „Guten Abend, Thomas Gottschalk!“ erwidert. Solche Fernsehereignisse waren Eckpfeiler in Uwes frühkindlicher Erziehung. Bis das Privatfernsehen kam, ist er dreisprachig erzogen worden: ARD, ZDF, NDR.

Mal ehrlich: Aus wie vielen negativen Kommentaren bestand der „Shitstorm“ gegen „Who wants to fuck my girlfriend“ wirklich?

Ich habe sie nicht gezählt. Aber die Intensität war beeindruckend. Ich habe das Wort „Kackscheiße“ als allgemeingültigen Fluch gelernt und mir angewöhnt. Wenn ich mir den Zeh anstoße, rufe ich jetzt Kackscheiße. Wer Kackscheiße sagt, ist ultimativ vor den Kopf gestoßen und lässt sich nicht mehr auf eine Diskussion ein. Die eine oder andere Feministin fühlte sich wohl so, als sei sie in einen großen Haufen Scheiße getreten. Übrigens kann ich diese Halsstarrigkeit verstehen. Wer sich heute dem Kampf gegen Sexismus verschreibt, muss schon Züge von Don Quijote mitbringen. Dafür habe ich schon Sympathie! Trotzdem hätte ich der einen oder anderen Guerillera gern erklärt, wie die Show gemeint ist.

Sie wollen plumpes männliches Verhalten bloßstellen. Wegen der Kritik haben Sie entschieden, mit der Spezialausgabe „Who wants to fuck my lesbian girlfriend“ zu beginnen – eine Show, in der zwei lesbische Paare gegeneinander antreten. Ist das nicht etwas sehr ambitioniert, mit der Satire der Satire zu starten?

Die Show ist zugänglich. Der Irrwitz der Sendung erschließt sich jedem Zuschauer über 16 Jahren. Sagt die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen, und da schließe ich mich an. Wenn Uwe rauskommt und an der Kamera vorbeimoderiert, ist die Meta-Diskussion sowieso erstmal schnuppe, hoffe ich.

Bei „Bachelor“ auf RTL ist eine Kandidatin von sich aus ausgestiegen, weil Junggeselle Jan nicht mit ihr im Whirlpool schlafen wollte. Gibt es emanzipatorische Momente in der Hölle des Privatfernsehens?

Die Sendungen funktionieren nur mit unaufgeklärten Protagonisten. Ich warte darauf, dass eine krebskranke Frau aus einer sogenannten Helpshow aussteigt und sagt: Ihr könnt mich mal. Ich klingel nicht bei den Nachbarn, zeige ihnen meine Chemo-Glatze und bettle um Kohle. Die einzige, der man hier hilft, ist Vera Int-Veen. Gut fänd ich auch, wenn endlich mal ein paar Bauern Inka Bause mit Mistgabeln vom Hof jagen.

Wie wurden die Kandidaten für Ihre Show gecastet?

Über eine Agentur für Kleindarsteller.

Sind die Dialoge echt, wenn die Kandidatinnen etwa auf den Straßenstrich gehen, Frauen in der Kneipe oder Männer im Sexshop ansprechen?

Wurden die Mitspieler informiert, dass die Kamera lief? Jeder, der in der Sendung auftaucht, tut das mit seinem Wissen, in der Regel fragt man nach einem solchen Dreh. Die Dialoge sind echt, spontan. Ich kenne auch keinen Autor, der so abgründiges Zeug im Kopf hat. Wer sowas aufschreibt, müsste wahnsinnig zynisch ticken.

Haben sich viele geweigert, in der Show aufzutauchen?

Da habe ich keine Zählung parat. Ein paar. Ist ihr gutes Recht.

Das Interview führte Marin Majica.

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