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Dieter Hildebrandt im September in Dresden.

Zum Tod von Dieter Hildebrandt

Selbst Hildebrandts Gegner verneigen sich

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Trauer und Bestürzung hat der Tod von Kabarettist Dieter Hildebrandt ausgelöst. Selbst seine einstigen Gegner verneigen sich zum Abschied.

Der Tod des Kabarettisten Dieter Hildebrandt hat unzählige Menschen in West und Ost berührt. Nicht nur, weil er der wichtigste Vertreter seiner Zunft seit dem Zweiten Weltkrieg war, sondern weil seine Kritik an den deutschen Verhältnissen so leidenschaftlich und pointiert gewesen ist. Selbst seine einstigen Gegner verneigen sich zum Abschied.

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) hat Stimmen zum Tod des Kabarettisten auf einer ganzen Zeitungsseite versammelt. Edmund Stoiber (CSU), oft genug Opfer von Hildebrandts Spott, lobt dort unumwunden: „Seine sprachliche Brillanz, sein scharfer Witz waren unnachahmlich. Mit seinen besonderen Mitteln hat er die politische Kultur jahrzehntelang mitgeprägt.“ Denn: „Hildebrandt hatte nicht nur Witz, sondern Überzeugungen“, ergänzt Norbert Blüm (CDU). Aus diesen Überzeugungen heraus war er ein „herausragender Gegner der CSU“, wie Wilfried Scharnagl, einst Chef des CSU-Blattes Bayernkurier, meint. „Mit ätzender Einäugigkeit führte er seinen politischen Kampf gegen uns. Er traf ins Schwarze, er traf aber auch daneben. Ausgewogenheit war seine Sache nicht, er hatte seine Gegner und er pflegte sie. (...) Witz und Formulierungskraft hoben ihn über jeden Durchschnitt seiner Branche. Irgendwo, nämlich beim Tod, müsse jede Feindschaft enden, formulierte einst der vor wenigen Tagen gestorbene Manfred Rommel. Deshalb: Respekt vor Dieter Hildebrandt.“

Diesen Respekt hat er sich auch als Kollege mehr als verdient. Der Kabarettist Richard Rogler erinnert sich in der FAZ, wie er mit Hildebrandt zusammen einen Sketch schrieb. „Am nächsten Tag meinte er zu mir: ‚Ich habe die letzten drei Seiten unseres Textes gelesen. Und ich habe festgestellt: Du hast überhaupt keine Pointe, die habe nur ich. Ich habe die Namen ausgetauscht.‘ Das sagt alles über Dieter Hildebrandt. Wir sollten jetzt auch nicht zu traurig sein. Er hätte es am liebsten, wenn wir auch nach seinem Tod intelligent über ihn lachen.“

Doch so einfach wird das nicht sein. Auch Bruno Jonas denkt an die gemeinsame Arbeit, den geistigen Austausch mit dem großen Kollegen und Freund: „Dieter war ein lustiger Mensch. Er blödelte gern und wollte seine Umwelt zum Lachen bringen. Wenn irgendwo eine Pointe herumlag, hat er sie nicht liegen lassen. Nach der Arbeit sind wir in die Kneipe, ein Bier trinken gegangen. Wir haben gut gegessen. Sein Tod macht mich traurig. Wir werden nicht mehr zusammen lachen..“

Das letzte Wort jedoch gebührt dem Regisseur Helmut Dietl, der in der SZ schreibt: „Dieter hat NACH-RUFE nicht nötig, er hat einen RUF, der nicht vergeht. Da er noch nicht einmal im Grab ist, besteht die Gefahr, dass er sich mehrmals umdreht, wenn er diesen dümmlichen Schmus noch länger aushalten muss. Ich habe ihn verehrt und geliebt. Mit ihm ist eine ganze Epoche gestorben.“

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