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Am 21. März 2006 hat Twitter-Mitgründer Jack Dorsey den ersten Tweet verschickt ("Just setting up my twttr").
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Am 21. März 2006 hat Twitter-Mitgründer Jack Dorsey den ersten Tweet verschickt ("Just setting up my twttr").

Twitter

Seismograf des Weltgeschehens

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
    schließen

Vor zehn Jahren verschickte Twitter-Mitgründer Jack Dorsey den allerersten Tweet. Mit wenigen Worten zum Ruhm: Vom Aufstieg und Erfolg des Mikroblogging-Dienstes Twitter.

Als Twitter-Gründer Jack Dorsey am 21. März 2006 seinen ersten Tweet („just setting up my twttr“) abschickte, war die Anzahl der Personen, die den mittlerweile historischen Textschnipsel lesen konnten, noch sehr gering. Vier Monate später ging der Dienst, bei dem man nur 140 Zeichen pro Nachricht verschicken kann, an die Öffentlichkeit. Als im Juni 2008 die US-Raumfahrtorganisation Nasa zuerst auf Twitter verkündete, dass die Raumsonde „Phoenix“ Eis auf dem Mars gefunden habe, verwendeten den Dienst bereits mehr als 1,3 Millionen Nutzer.

Den Durchbruch schaffte Twitter im Januar 2009. Der Tweet, der in den kommenden Jahren immer wieder zitiert werden sollte, wenn es um den Aufstieg von Twitter ging, stammt von Janis Krums. Der befand sich am 15. Januar 2009 auf einer Fähre im Hudson River bei New York, als auf dem Wasser ein Flugzeug notlandete. Er twitterte: „Da ist ein Flugzeug im Hudson. Ich bin auf einer Fähre, die hinfährt und die Leute einsammelt“, dazu veröffentlichte er ein Foto, das das Flugzeug auf der Wasseroberfläche zeigte, auf den Notrutschen balancierten die Passagiere. Kein anderes Medium konnte so schnell über das Ereignis berichten wie der Twitter-Nutzer, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 170 Follower hatte. Plötzlich war Twitter in aller Munde. „Das hat alles verändert“, erzählte Twitter-Mitgründer Jack Dorsey dem US-Fernsehsender CNBC im Jahr 2013.

just setting up my twttr

— Jack (@jack)

21. März 2006

Ein Abbild des Lebens

Und tatsächlich stiegen die Nutzerzahlen, wozu auch Prominente wie der Schauspieler Ashton Kutcher beitrugen. Kutcher war der erste Nutzer, der eine Million Follower erreichte. Weitere Prominente, Politiker und Unternehmen traten dem Mikroblogging-Dienst bei – mittlerweile twittern auch der Papst und die meisten Astronauten, die sich auf der ISS aufhalten.

Im Mai 2011 berichtete der Twitter-Nutzer Sohaib Athar in 140 Zeichen von „Hubschraubern über Abbottabad um ein Uhr nachts“, einem seltenen Ereignis. Was Athar zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Er wurde Zeuge eines streng geheimen Einsatzes des US-Militärs und Protagonist eines weiteren wichtigen Twitter-Moments: Er hatte live über einen Einsatz von US-Spezialeinsatzkräften getwittert, bei dem Osama bin Laden getötet wurde. „Jetzt bin ich der Typ, der den Angriff auf Osama live gebloggt hat, ohne es zu wissen“, twitterte Athar später.

Auch politische Themen spielen auf Twitter eine wichtige Rolle: Gleich mehrere Protest-Aktionen wurden über Twitter organisiert und gelten als „Twitter-Revolution“. Dazu zählen unter anderem die Proteste nach den Wahlen im Iran 2009, die tunesische Jasminrevolution 2010 und die Revolution in Ägypten 2011, die zum Teil über Twitter koordiniert wurde. Aktivisten finden sich auf Twitter zusammen, um auf ihre Sache aufmerksam zu machen. In aller Munde waren Hashtags wie #aufschrei oder #BlackLivesMatter, die schnell Einzug in gesellschaftliche Debatten und die etablierten Medien gefunden haben. Auch bei Politikern ist Twitter beliebt: US-Präsident Barack Obama hat 71,7 Millionen Follower auf seinem offiziellen Präsidenten-Account @BarackObama – nur die Musiker Katy Perry, Justin Bieber und Taylor Swift haben dort mehr Fans als er.

Mittlerweile bildet Twitter einen Großteil des Weltgeschehens ab. Unter den 500 Milliarden Tweets, die seit 2006 verschickt wurden, findet jedes Thema seine Nische und hat die Möglichkeit, zum beherrschenden „Trending Topic“ auf der Mikroblogging-Plattform zu werden.

Egal ob es um den Tod einer wichtigen Persönlichkeit, die Wasserung eines Flugzeugs im Hudson River oder eine Trainerentlassung im Fußball geht: Twitter ist eine Art Seismograf des Weltgeschehens, viele Dinge kann man hier zuerst erfahren. Doch es geht nicht nur um Nachrichten, Prominente und das Weltgeschehen: Auf 140 Zeichen lässt sich wunderbar scherzen und meckern, besonders Wortspiele sind auf Twitter sehr beliebt. Wer sich über einen verspäteten Flug, eine fehlende Sitzplatzreservierung in der Bahn oder einen unhöflichen Mitarbeiter beschwere möchte, findet auf Twitter in der Regel einen Twitter-Account des entsprechenden Unternehmens und auch häufig eine Lösung. Shitstorms finden häufig ihren Anfang auf Twitter, wo sich die empörten Nutzer unter einem Hashtag organisieren.

Auch wenn immer wieder die Rede davon ist, Twitter sei nur ein Nischen-Netzwerk, es sei nicht relevant und habe im Vergleich zu Facebook nur wenige Nutzer: In vielen Bereichen ist Twitter eine Bereicherung und kaum noch wegzudenken. In der Wissenschaft ist Twitter besonders beliebt: Es gibt unzählige Studien, die die Sprache von Twitter-Nutzern analysieren. In einer aktuellen Studie untersuchen Forscher den Alkoholkonsum von Amerikanern mit Hilfe von Tweets.

In der Erdbebenforschung hat sich Twitter als besonders hilfreich herausgestellt: Die US-Erdbebenwarte USGS hat eine Software im Einsatz, die ein Erdbeben erkennen kann. In der Regel entdeckt der Twitter-Filter Erdbeben anhand weniger Tweets und in der Regel in unter zwei Minuten – der Seismograf des Weltgeschehens ist auch ein Seismograf für reale Erdbeben.

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