1. Startseite
  2. Kultur

"Seien sie neugierig"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse alle Besucher auf, dem Gastland China mit großer Neugier, aber auch kritischen Fragen zu begegnen.

Frankfurt/Main. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse alle Besucher aufgefordert, dem Gastland China mit "großer Neugier" zu begegnen. Der Ehrengast müsse sich jedoch auch kritischen Fragen stellen. "Es kann - und ich bin mir sicher - es wird keine Tabus in der Diskussion geben", sagte Merkel zum Auftakt der weltgrößten Bücherschau am Dienstagabend in Frankfurt.

"Das ist nämlich der Kern der Meinungsfreiheit, für die kaum ein Genre der Kunst so sehr steht wie die Literatur." Veranstaltungen wie die Buchmesse böten "eine wunderbare Gelegenheit, sich ein genaueres Bild von China zu machen". "Ich fordere alle auf: Seien sie neugierig, haben Sie keine Vorurteile und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen", sagte Merkel beim Festakt zur Eröffnung, an dem neben chinesischen Schriftstellern auch Chinas Vizepräsident Xi Jinping teilnahm.

Das Buch sei ein unverzichtbares Kulturgut und "kein beliebiges Wirtschaftsgut". Merkel versprach, sowohl die Buchpreisbindung als auch den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Bücher nicht anzutasten: "An beidem wird die Bundesregierung festhalten." Auch für digitale Bücher (E-Books) müsse die Buchpreisbindung beibehalten werden. Die Bundesregierung werde sich auch international für den Schutz des geistigen Eigentums und die Sicherung des Urheberrechts im elektronischen Zeitalter einsetzen.

Vizepräsident Xi Jinping bezeichnete die Buchmesse als Chance für sein Land, aber auch für das Ausland. Nach 30 Jahren Reformen sei China zur weiteren Öffnung gegenüber der Welt bereit. Sein Land erwarte aber beim Kulturaustausch "Verständnis und Respekt". Unterschiedliche politische Systeme dürften nicht Konfrontationen rechtfertigen. Er wies darauf hin, dass China an einer Modernisierung seiner Verlagsindustrie arbeite und dabei vom Westen lernen könne. Bereits jetzt komme ein Viertel aller jährlich neu erscheinenden Titel in China aus dem Ausland.

Der auch im Westen bekannte chinesische Schriftsteller Mo Yan wünscht sich in Frankfurt - der Geburtsstadt Goethes - einen kulturübergreifenden Dialog. Der Austausch sei wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wies auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit hin. "Wir wollen mit einem stolzen, großen China sprechen", sagte Koch zur Diskussion um den Ehrengast China. Nur so profitierten auch Minderheiten wie die Tibeter, mit deren Oberhaupt Koch befreundet ist.

Zuvor hatte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, gesagt, dass die Buchmesse dem Land "mit großem Respekt und im Wissen um seine Eigenart" begegne. Er forderte den chinesischen Vizepräsidenten jedoch zugleich auf, den Autoren und Verlegern in China "die notwendige Freiheit für ihr Tun und Sein" zu gewähren.

Die fünftägige Buchmesse startet an diesem Mittwoch kleiner als im Vorjahr: Wegen der Wirtschaftskrise wurden zwei Prozent weniger Ausstellungsfläche vermietet. Vor allem englischsprachige und osteuropäische Verlage haben abgesagt oder ihre Stände verkleinert.

Die Zahl der 7314 Aussteller aus 100 Ländern liegt jedoch nur knapp unter dem Vorjahresniveau (7373 Anbieter). Es werden mehr als 400.000 Titel angeboten, 124.000 davon sind Neuerscheinungen. (dpa)

Bücher jenseits der Messe

Mit der Veranstaltungsreihe "Open Books" zieht die Buchmesse mit einem eigenen Lesefest in die Frankfurter Innenstadt.

Ein altes Versprechen: Die Buchmesse aus dem Messegelände in die Stadt holen. Natürlich gibt es stets Veranstaltungen auch außerhalb der Hallen. Doch ein Lesefest mit eigenem Flair wird bislang in Frankfurt schmerzlich vermisst. Eines, wie es die kleinere Leipziger Frühjahrsmesse mit "Leipzig liest" seit 18 Jahren erfolgreich etabliert hat.

Jetzt wagt Frankfurt es: "Open Books" heißt das Motto für fünf Tage Lesungen, Diskussionen, Konzerte und Partys. Der Kunstverein am Römerberg öffnet vom 13. bis zum 17. Oktober seine Türen für Autoren und Verlage - und natürlich für die Leser.

Der Reigen beginnt am heutigen Dienstag um 20 Uhr mit dem "Debütantenabend": Fünf Autoren mit ihren Erstlingswerken. Patrick Hofmann schildert in "Die letzte Sau" die tragikomische Geschichte einer Familie im sächsischen Dorf Muckau, das nach der Wende vom Braunkohletagebau bedroht ist. In Bibo Loebnaus "Zoe - Sind denn alle netten Männer schwul?"geht es um das Westberlin der 80er Jahre. Eva Baronsky lässt in "Herr Mozart wacht auf" einen Mann erwachen, der als Mozart auf dem Sterbebetrt lag. Thomas Klupps "Paradiso" ist die überdrehte Odysee eines amoralischen Typs durch Deutschland. Und Stephan Thome hat es mit "Grenzgang", einem Kleinstadt-Panorama, sogar auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. (jg)

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wann Alan Posener am Stand der FR zu Gast ist

Am Stand der FR

Zu den Höhepunkten des ersten Tags am Stand der Frankfurter Rundschau, Halle 3.0, Stand B 157, dürfte am morgigen Mittwoch das Gespräch mit dem Publizisten Alan Posener gehören. Posener veröffentlichte pünktlich zur Bücherschau die Studie "Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft". Er ist von 15.10 Uhr an am Stand der FR zu Gast (vgl. Alan Posener: "Der anmaßende Papst", FR vom 05.10.2009 sowie eine Antwort von Manfred Lütz: "Der liebenswürdige Papst", FR vom 12.10.2009).

Gleich morgens um 11 Uhr kommt Volker Zastrow, ein Kollege von der Frankfurter Allgemeinen. Er stellt sein Buch über die Abweichler in Hessens SPD-Landtagsfraktion vor, die die Wahl der Kandidatin Andrea Ypsilanti zur Wiesbadener Regierungschefin verhinderten: "Die Vier. Eine Intrige", hat Zastrow sein Buch überschrieben.

Eine Stunde später macht sich Thoralf Hardt dann auf "Die Safari zum Urmenschen".

Von 13 Uhr an präsentiert Mila Karimi den neu übersetzten, vollständigen Koran.

Um 14 Uhr weiß Eckhart von Hirschhausen zu berichten: "Glück kommt selten allein" Im Lesezelt ist Daniel Glattauer zwischen 13 und 14 Uhr bei der FR zu Gast. "Schauma mal" heißt sein jüngstes Buch. Auf gar keinen Fall verpassen sollte man am kommenden Sonntag von 10 Uhr an Armin Rhode. Der Schauspieler spricht über "Größenwahn und Lampenfieber". (ing)

Auch interessant

Kommentare