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Experten warnen: Digitale Angriffsfläche wächst mit der Verbreitung des intelligenten Hauses.

Cyberkriminalität

Schwachstelle Mensch

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Fake News, Diebstahl und Erpressung – Cyberkriminelle nehmen Firmen, Verbraucher und politische Systeme ins Visier. Experten zeigen sich auch im Blick auf 2019 anstehende Wahlen beunruhigt. Die Analyse.

Cyberkriminelle wachsen mit dem Fortschritt der Technik. Das Internet der Dinge, Digitalisierung oder der neue Mobilfunkstandard 5G sind insofern zweischneidig, warnen TÜV Süd sowie Trend Micro und McAfee als große IT-Sicherheitsanbieter. Auch künstliche Intelligenz wird schon zweckentfremdet. An Bedeutung als Einfallstor in Netzwerke aller Art gewinnen dürfte im neuen Jahr aber speziell die Schwachstelle Mensch.

Mittel der Wahl sind dabei Phishing-Angriffe, denen die Experten 2019 eine Verdreifachung voraussagen, nachdem sich diese Art der Cyberattacken schon dieses Jahr auf voraussichtlich 73 Millionen Angriffe verdoppelt hat, wie Trend Micro berichtet.

Unter Phishing versteht man das Ausspähen von Zugangsdaten per Email. Der Absender ist dabei gefälscht. Neu ist, dass das nicht mehr primär per Email sondern auch über SMS, Messengerdienste oder Nachrichten-Apps auch unter Zuhilfenahme von Chatbots geschieht. Die Experten sagen zudem voraus, dass Cyberkriminelle 2019 die Wahlen zum EU-Parlament oder die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nutzen werden, um auf gefakte Webseiten für den angeblichen Kartenvorverkauf oder aufseiten mit politischen Botschaften zu locken.

Ein neuer Trend ist auch das Ausnutzen von Online-Konten sogenannter E-Promis. Das sind bekannte Youtuber oder Online-Berühmtheiten mit Millionen von Followern. Weil die den Konten ihrer Idole online folgen, können gehackte Konten von E-Promis auch die ihrer Fans infizieren, warnt Trend Micro. Follower-Konten könnten dabei in Trolle umgewandelt und damit zum millionenfachen Versenden von Fake News zu politischen Zwecken missbraucht werden.

Man muss aber nicht zwangsläufig surfen, um gehakt zu werden. Angriffsfläche bietet mit wachsender Verbreitung das intelligente Haus, warnen die Experten. Hacker suchen das schwächste Glied in der Kette und gelangen dann über einen Kühlschrank oder die Heizung zum Computer. Trend Micro hat nachgewiesen, dass auch Stimmangriffe über intelligente Lautsprecher möglich sind. Der Satz „Alexa, schalte die Alarmanlage aus“ kann im wahrsten Sinn Türen öffnen.

Als Gefahrenquelle für Firmen machen Experten wiederum Heimarbeitsplätze aus. Denn Heimarbeiter nutzen ihre Geräte oft sowohl beruflich als auch privat. Vor allem Drucker gelten als Schwachstelle. Der TÜV Süd warnt zudem vor Schatten-IT und dem Internet der Dinge. Wenn Firmennetze oder Fabriken ans Internet angeschlossen werden, wird oft vergessen, Altgeräte vom Netz zu nehmen. Deren veraltete Betriebssysteme sind ein bevorzugtes Einfallstor. Das Internet der Dinge wiederum vernetzt Industrieanlagen über Lieferketten hinweg. Eine Schwachstelle bei einem Zulieferer kann reichen, um sich von dort aus, auch bei verbundenen Firmen einzunisten.

Gelingt ein Angriff, wird gestohlen, erpresst oder werden über gekaperte Geräte Fake News erzeugt. Trend Micro warnt davor, dass der Adobe-Photoshop für Audio zur Täuschung missbraucht werden kann. Man kann dann einen Politiker mit seiner eigenen Stimme etwas online sagen lassen, was er nie gesagt hat. 2019 wird nicht nur das EU-Parlament neu gewählt. Es gibt auch nationale Wahlen in Griechenland, Polen oder der Ukraine. Das neue Jahr verspricht zumindest im Cyberspace ein zwiespältiges zu werden.

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