Hacker "AKILL" ist gefasst

Schüler leitete Online-Verbrechersyndikat

Als Drahtzieher eines Syndikats soll ein 18-Jähriger weltweit einen Schaden von 13,5 Millionen Euro verursacht haben. Jetzt wurde "AKILL", wie sich der junge Mann nannte, von der Polizei gefasst. Ihm drohen zehn Jahre Haft.

Von Christiane Oelrich (dpa)

Singapur (dpa) - Es war eine Verbrecherjagd um die ganze Welt, und sie endete imSchlafzimmer eines Teenagers in einer Provinzstadt in Neuseeland: Der 18-jährige Schüler wird als Drahtzieher eines kriminellen Online-Syndikats verdächtigt, das nach Angaben der amerikanischen Bundespolizei FBI weltweit einen Schaden von mehr als 13,5 Millionen Euro angerichtet hat.

Die Bande hat sich nach den Ermittlungen vor allem in den USA und den Niederlanden in 1,3 Millionen Computer eingehackt. Der Schüler wurde nach dem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt, doch beschlagnahmte die Polizei seinen Computer. Ihm drohen zehn Jahre Haft.

Der Junge agierte unter dem Decknamen "AKILL", etwa:der Todesstoß. Sein Komplizen-Netzwerk nannte er "A-Team", wie die Helden der gleichnamigen amerikanischen Action-Serie aus den 80er Jahren.Die Gruppe fischte in den fremden Computern nach Konto- und Kreditkarteninformationen und soll private Zugangsdaten an Spammer weiterverkauft haben.

"Ein einziges Opfer hat einen Schaden von 20.000 Dollar gehabt, weil ein Botnetz sein System lahmlegte." "AKILL" kreierte ein sogenanntes Botnetz, mit dem er die Computer heimlich wie Roboter fernsteuern konnte. "Das ist die Lieblingswaffe der Cyberverbrecher", sagte FBI-Direktor Robert Mueller. "Sie kaschieren ihre kriminellen Aktivitäten, indem sie die Computer von Dritten als Vehikel für ihre Verbrechen nutzen."

Der Junge, sagen die Polizisten, war ein wahrer Meister seines Fachs: Keine Virussoftware konnte die eingedrungene Software erkennen, die so geschickt im Hintergrund lief, dass sich die Nutzer nicht einmal bewusst darüber waren, das irgendetwas nicht mit rechten Dingen zuging. "Er ist sehr clever", sagte der Chef der Abteilung für Computerkriminalität, Maarten Kleintjes. "Er ist einer der Weltbesten bei der Entwicklung dieser Art von Software."

Den ersten Hinweis auf das Netz lieferte die amerikanische Bundespolizei FBI. Sie kam auf die Fährte von "AKILL", nachdem im Februar 2006 an der Universität von Pennsylvania die Server abstürzten. Wie sich herausstellte, hatte dort ein Student auf Rachefeldzug gegen einen Chatroom-Betreiber Kontakt mit "AKILL"aufgenommen. Der 21-Jährige wollte den Chatroom-Server mit einem Virus unbrauchbar machen, weil er dort ausgeschlossen worden war. Beim Runterladen der Killersoftware von "AKILL"stürzte der Uni-Computer ab.

Seitdem war das FBI dem Hackernetzwerk auf den Fersen. "Operation Bot Roas" hieß die Aktion, bei der schon eine Handvoll Leute festgenommen und teils verurteilt wurden.

Darunter sind zwei, die eine amerikanische Bank attackiert hatten und dort einen Millionenschaden verursachten. Dass die Spuren ausgerechnet nach Hamilton in Neuseeland führten, überraschte die dortige Polizei. Die Stadt rund eine Stunde südlich von Auckland hat 150000 Einwohner und ist bislang nur wegen der "größten Agrarhandelsmesse der südlichen Hemisphäre" bekannt gewesen.

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