Themenabend auf Arte

Schön war die Zeit

Was uns trennt und was uns eint: Ein deutsch-deutscher Themenabend auf Arte. Von Tilmann P. Gangloff

Von TILMANN P. GANGLOFF

Potpourri plus Potpourri gleich Themenabend: So einfach ist das. Aber nicht immer ergeben zwei Halbe auch ein Ganzes. Und legt man mal die deutsche Brille ab, muss die Frage erlaubt sein, wie viele Franzosen sich wohl für diesen Themenabend des deutsch-französischen Kulturkanals Arte interessieren.

Weil es nur wenige sein werden, hätte man die Reihenfolge der beiden Filme auch umstellen können: An der Zeitreise durch die Welt des deutschen Schlagers (22.15 Uhr), hüben wie drüben, würden unter Garantie viele Menschen gern teilnehmen. Selbst bekennende Schlagerhasser können die Hits mitsingen und wissen ganz genau, wer Marianne Rosenberg oder Nicole sind, von Heino oder Freddy Quinn ganz zu schweigen; und auch Frank Schübel wird nicht nur Fans gehabt haben.

Vor dem Wiedersehen mit diversen Größen der Schlagerszene und einigen hübschen Bonmots (Bernhard Brink: "Der Schlager wurde so oft tot gesagt, töter geht's gar nicht") muss man allerdings eine Bestandsaufnahme deutsch-deutscher Befindlichkeiten erdulden.

Kronzeugen anhaltender Teilung

Neue Erkenntnisse vermitteln die Interviews mit den Menschen, die Jan Peter als Kronzeugen der unveränderten Teilung in den Zeugenstand ruft, jedoch nicht. Die Gesprächspartner kommen nicht so spannend rüber, wie er sich das sicher erhofft hat. Aber vielleicht liegt das daran, dass er ihnen immer wieder in "37 Grad"-Manier in den Kopf schaut; die Autoren der ZDF-Reihe wissen auch immer ganz genau, was ihre Protagonisten denken.

Die Patchwork-Struktur des Films führt zudem dazu, dass einige zu ausführlich zu Wort kommen, während man von anderen gern mehr erfahren hätte. Auch der Kapiteltrenner ist nicht übermäßig einfallsreich: Für den roten Faden sorgt die Demontage des Berliner Palastes der Republik. Und dann gibt's noch einen Tiefpunkt an Originalität: Zu den Aufnahmen des abtransportierten Stahls spricht Peter von "altem Eisen" - dem Erbe der DDR.

Aber das ist beim zweiten Film nicht viel anders. Hans Sparschuh und Rainer Burmeister packen 60 Schlagerjahre in 45 Minuten; das kann nicht gut gehen. Natürlich finden sie für ihre These, Musik und Texte seien Spiegel der Gesellschaft, viele Gutachter und noch mehr Belege. Allerdings kann man bei dem Thema kaum etwas falsch machen.

Zwischen den beiden Filmen unterhält sich Thomas Kausch mit Lothar de Maizière, dem ersten und letzten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten der DDR, sowie dessen Cousin, dem aktuellen Kanzleramts-Chef Thomas de Maizière (21.40 Uhr).

"Geteilt und vereint - 60 Jahre Deutschland", Arte, ab 21 Uhr.

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