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Rund 160 Euro könnten Verbraucher mit einem günstigen Discounter-Tarif im Jahr sparen.

LTE-Tarife

Schnelles Internet vom Discounter

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Datentarife fürs mobile Surfen: Worauf Verbraucher achten sollten, wenn sie ein kostengünstiges Angebot suchen.

Videos streamen, Musik hören oder das Social-Media-Profil checken: Wer viel auf seinem Smartphone im Internet surft, benötigt guten Empfang und ein schnelles Netz. Das geht zurzeit am besten mit der LTE-Technologie. Damit kann eine schnellere und stabilere Verbindung erzeugt werden als mit anderen Technologien, außerdem verbessert sich die Tonqualität beim Telefonieren. Aber LTE ist auch teurer als Tarife, die nur auf ein 3G-Netz zugreifen. Deshalb lohnt es sich, sich nach günstigen Angeboten umzuschauen. Rund 160 Euro könnten Verbraucher im Jahr sparen, wenn sie sich statt für den Netzbetreiber für einen günstigeren LTE-Tarif vom Discounter entschieden, hat der Verbraucherratgeber „Finanztip“ errechnet. Doch dabei gilt es einiges beachten.

Sind LTE-Tarife vom Discounter schlechter?
Tatsächlich ist die maximale LTE-Geschwindigkeit beim Discounter in der Regel langsamer als das, was die Netzbetreiber von Telekom, Vodafone oder O2 selbst anbieten. Doch im Alltag sei das nicht zu bemerken, sagt Arne Düsterhöft, Experte für Telekommunikation bei „Finanztip“. „Die höchsten Geschwindigkeiten von LTE zeigen eher, was technisch möglich ist, und nicht, was man im Alltag tatsächlich nutzt.“ Die Surfgeschwindigkeit hängt außerdem – egal, ob der Tarif vom Discounter oder vom Netzbetreiber selbst stammt – davon ab, wie viele Handynutzer sich gerade die gleiche LTE-Funkzelle teilen.

Wie groß ist der Unterschied?
Bietet Vodafone in einigen wenigen Städten einen Tarif mit maximal 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) an, ist bei Discountern eher eine LTE-Geschwindigkeit von 50 Mbit/s üblich. Was wie ein Riesenunterschied klingt, mache jedoch weniger aus als man denkt, so Düsterhöft. Bei geringeren Geschwindigkeiten hätten Discounter-Kunden normalerweise keine nennenswerten Nachteile gegenüber Kunden eines großen Netzbetreibers, da für die Anwendungen auf dem Handy kaum die volle Bandbreite benötigt wird. 

Wie sieht es mit dem Service aus?
Die Stiftung Warentest hat für die aktuelle November-Ausgabe ihrer Zeitschrift „Finanztest“ die Handytarife von Discountern unter die Lupe genommen. Im Vergleich zu einem Test ein Jahr zuvor bieten Discounter demnach mittlerweile schnellere Tarife bei gleichen Kosten an. Abstriche müssten Kunden aber beim Service machen. So ist eine Beratung im Supermarkt oder in der Drogerie in den wenigsten Fällen möglich. Bei Abschluss eines Mobilfunkvertrags ist außerdem eine Identifikation erforderlich, die die meisten Discounter auslagern – der Kunde muss extra am Post- oder Videoidentverfahren teilnehmen.

Welche Tarifempfehlungen geben die Experten?
Stiftung Warentest empfiehlt von den Discounter-Tarifen mit LTE zum Beispiel Aldi Talk. Im Tarif ist eine Telefonie- und SMS-Flatrate inklusive, außerdem sind 1,5 Gigabyte LTE-Datenvolumen enthalten. Das alles kostet 7,99 Euro. Allerdings nutzt Aldi Talk das Netz von Telefónica, hier ist die Abdeckung in ländlichen Regionen schlechter.

„Finanztip“ nennt den Mobilfunk-Discounter Drillisch. Der Tarif „LTE All 3 GB von Winsim“ bietet drei Gigabyte Datenvolumen mit LTE-Zugang für knapp zehn Euro im Monat. Die LTE-Geschwindigkeit beträgt dabei 50 Mbit/s im Telefónica-Netz. Grundsätzlich sei ein LTE-Tarif empfehlenswert, so Düsterhöft. Denn ähnlich wie in ältere Handymodelle wird auch in ältere Netze nicht mehr viel investiert. Und bei älteren Standards gibt es immer noch weiße Flecken und schlechte Abdeckung.

Worauf ist bei Tarifen vom Discounter zu achten?
Beim von „Finanztip“ empfohlenen Drillisch-Tarif ist eine Datenautomatik enthalten. Sobald das Datenvolumen von drei Gigabyte aufgebraucht ist, bucht der Anbieter automatisch 200 Megabyte (MB) nach. Die sind aber mit zwei Euro übermäßig teuer. Sind die 200 MB ebenfalls aufgebraucht, werden abermals zwei Euro für 200 MB abgebucht, insgesamt passiert das maximal drei Mal. Dem kann man widersprechen, muss dies aber aktiv tun. „Es lohnt sich also, von vornherein einen Datentarif zu wählen, der für die Surfgewohnheiten ausreichend ist. Nachträglich zugebuchtes Volumen ist immer teurer“, so Düsterhöft.

Welche Geschwindigkeiten sind für welche Anwendungen nötig?
50 Mbit/s reichen aus, um selbst Filme ruckelfrei zu streamen. Für einen Film braucht es etwa drei bis vier Mbit/s. Für Textnachrichten und Chats braucht man keine LTE-Geschwindigkeit. Um zu entscheiden, welcher Tarif sich für einen persönlich eignet, sollte man sich vor Augen führen, für was und wie intensiv man sein Smartphone benutzt. Wer oft Filme schaut, sollte von vornherein lieber ein größeres Datenpaket wählen. Denn eine hohe LTE-Geschwindigkeit hilft wenig bis gar nichts, wenn das Datenvolumen stets vor Ende des Abrechnungsmonats aufgebraucht ist. Durchschnittlich verbraucht jeder Smartphone-Nutzer in Deutschland 850 Megabyte (MB) pro Monat, hat „Finanztip“ errechnet. 

Sind alle Handys LTE-fähig?
Nein, aber die meisten. „50 Mbit/s erreichen eigentlich alle Handys, die nicht älter als drei Jahre sind“, sagt „Finanztip“-Experte Düsterhöft. Es kommt aber auch auf den Nutzungsort an. Nicht an allen Orten ist die Netzabdeckung gut genug für schnelle LTE-Geschwindigkeiten. Gerade auf dem Land gibt es oft noch Funklöcher. Da hilft ein teurer LTE-Tarif dann gar nichts, sondern kostet nur Geld.

Geprüft werden kann die lokal zur Verfügung stehende Datenübertragungsrate seit kurzem mit einer App der Bundesnetzagentur (breitbandmessung.de/mobil-testen). Diese misst anbieter- und technologieunabhängig. Die App ist kostenlos. Ziel ist es, Funklöcher deutschlandweit zu ermitteln. In einem Jahr sollen die Ergebnisse in Form einer Übersichtskarte öffentlich gemacht werden – und als Vorlage dafür dienen, den Netzausbau zu verbessern.

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