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Schneller, kürzer, einfacher

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Vor 25 Jahren kam „Focus“ auf den Markt. Da sah die Medienlandschaft noch anders aus.

Der tatsächlichen Bewährungsprobe am Kiosk ging vor 25 Jahren ein raffinierter Werbecoup voraus. Über Monate war in Journalkreisen über das Vorhaben aus dem Hause Burda spekuliert worden, das alsbald als Konkurrenz zum bis dahin journalistisch als unangefochten geltenden Magazin „Der Spiegel“ wahrgenommen wurde. Viele Experten waren sich darin einig, dass das kaum gelingen könne, andere erfreuten sich an dem Ehrgeiz, es wenigstens zu versuchen. Zeitungen wurden aus Mut gemacht, aber nicht zuletzt auch in der Hoffnung, wichtige Teile des Werbemarktes abzuschöpfen.

Die Pointe bei der Gründung des „Focus“, dem fortan Chefredakteur Helmut Markwort als unverwechselbare Galionsfigur vorstand, bestand aber darin, dass das Heft aus München nie wirklich als „Spiegel“-Konkurrent in Erscheinung trat. Auf die werbewirksame Behauptung, dass der Montag „Spiegel“-Tag sei, antwortete „Focus“ mit dem publizistischen Beweis, das der Wochenanfang noch mehr zu bieten habe als ein Blatt aus dem Norden.

Inzwischen erscheint der „Spiegel“ bereits am Samstag, auch wenn der „Focus“ rasch signalisierte, es nicht primär auf den typischen „Spiegel“-Leser abgesehen zu haben. Die Medienlandschaft war 1993 noch so frei, einen bis dahin weitgehend unbekannten Leser ins Visier zu nehmen. Schneller, kürzer, einfacher sollte es sein. Die sogenannte Info-Elite war dabei, sich neue Medien zu erschließen.

Der Erfolg gab den Machern recht, und alle vorsichtigen Erwartungen von Hubert Burda wurden übertroffen. Die Auflage stieg bis Ende der 90er Jahre auf 824 000 Exemplare und sicherte Helmut Markwort mit seinem Slogan „Fakten, Fakten, Fakten“ einen festen Platz unter den bedeutendsten Werbeikonen der deutschen Wirtschaft. Inzwischen hat sich viel getan, die Auflage ist auf die Hälfte gesunken, aber Robert Schneider, seit gut einem Jahr Chefredakteur in München, will von einer Krise nichts wissen. „,Focus‘ ist nach wie vor eines der drei umsatzstärksten Magazine und wir sind unabhängiger vom Werbemarkt geworden“, sagt er der dpa. Es werde auf Dauer weniger Printprodukte geben. Und deshalb sei eine vertraute Medienmarke, auf die Leser sich verlassen können, sehr wichtig, so Schneider.

Wie der „Spiegel“ erscheint auch der „Focus“ heute bereits samstags, der Altersdurchschnitt der Leser beträgt 49 Jahre, und in seiner inhaltlichen Ausrichtung setzt das Magazin auf verbrauchernahe Nutzwerte, zum Beispiel Gesundheitsthemen. Das Sonderheft zum Geburtstag ziert ein Interview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, im Innern befassen sich 25 Künstler mit 25 „Focus“-Titeln.

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