+
Weiß, klein und heiß begehrt: der Eee PC.

Eee PC

Schlange stehen für den Billig-PC

Der Mini-Laptop von Asus für 300 Euro schafft ein neues Marktsegment - die Konkurrenten ziehen nach.

Von FLORIAN BRÜCKNER

Es erinnert alles irgendwie an das iPhone. Genau wie beim Handy des kalifornischen Computerherstellers Apple ist der Hype um den Eee PC riesig. Das Notebook des taiwanesischen Computerherstellers Asus zählt etwa für das renommierte Multimedia-Magazin Wired zu den zehn besten Gadgets (technische Spielerei) des vergangenen Jahres. Das deutsche Blatt PC-Welt spricht von einem "großen Wurf" und für die englische Zeitung The Independent ist der Eee PC eines der Produkte, die " wir alle haben wollen".

In den USA war das Gerät, das in China produziert wird, in wenigen Wochen vergriffen und bei Amazon in Deutschland müssen Kunden sich auf eine Warteliste setzen lassen - und das, obwohl der Eee PC erst von heute an erhältlich ist. Die Begeisterung rund um den Eee PC hat verschiedene Gründe. Ein wesentlicher dürfte der Preis sein: In Deutschland wird das Notebook nur knapp 300 Euro kosten. Rekordverdächtig.

Dafür erhält der Käufer einen Computer, der nur halb so groß wie ein Briefbogen ist - und keine herkömmliche Festplatte, kein CD-Laufwerk und kein Windows hat. Der Eee PC läuft mit dem Betriebssystem Linux, nutzt zur Datensicherung einen kleinen Flash-Speicher und anstelle von CD und DVD kommen Internet und USB-Speichersticks zum Einsatz.

Konzept des 100-Dollar-Laptops

Ein Konzept, das von einem anderen Billigrechner bekannt ist: dem 100-Dollar-Laptop, der für Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländer von der Gesellschaft "One Laptop per Child" entwickelt worden ist. "Wobei wir früher am Markt waren", wie Eric Chen, Europachef von Asus, der FR sagt.

Die drei "E" im Namen sollen laut Werbeslogan für "easy to learn", "easy to play" und "easy to work" stehen. Gedacht ist das Mini-Laptop, so Chen, als Zweitnotebook für Menschen, die viel reisen, für Kinder und für Ältere. Allein in diesem Jahr will Asus rund fünf Millionen Eee PC verkaufen. Der Erfolg des Eee PC hat schon die ersten Konkurrenten auf den Plan gerufen: Bereits von morgen an soll in den Läden von Amerikas großer Supermarktkette Wal-Mart das Cloudbook angeboten werden, ein Minilaptop des Computerherstellers Everex, das dem Eee PC ähnlich ist - und zwar nicht nur technisch, sondern auch im Preis: Genau wie das Produkt von Asus soll es 400 Dollar kosten. Die US-Firma Zonbu will das noch unterbieten und preist ein Laptop für 279 Dollar an. Weitere Hersteller wie etwa Hasee, Micro-Star oder E-Lead Electronic stehen in den Startlöchern.

"Wie groß ist die Nische?"

Für Branchenkenner steht fest: Im Fahrwasser des 100-Dollar-Laptops hat Asus mit dem Eee PC eine Lawine ins Rollen gebracht und ein neues Marktsegment geschaffen - nämlich das der Ultra-Low-Cost Mobile PCs (Superbillig-Laptops), wie es das Marktforschungsinstitut Gartner getauft hat.

"Die Frage ist nur: Wie groß ist diese Nische?", sagt Meike Escherich, Analystin bei Gartner. Während sie den neuen Superbillig-Laptops in Schwellenländern etwa in Osteuropa wegen des niedrigen Preises gute Chance einräumt, sehe das in westlichen Ländern wie etwa Deutschland ganz anders aus: Dort seien Notebooks, die wie der Eee PC nur Basisfunktionen böten, wenig gefragt. "Der Trend geht hier eher entgegengesetzt zu immer teureren Laptops. Der deutsche Kunde will mehr als nur einen tragbaren Internetzugang." Zumal 300 Euro auch kein so niedriger Preis mehr für ein Notebook seien.

Ob nun die Superbillig-Laptops Kassenschlager werden, oder nicht, "sie werden die Branche auf jeden Fall unter Druck setzen", sagt Escherich. Alle anderen Hersteller müssten nun nachziehen: entweder mit sinkenden Preisen oder neuen Produkten. Experten gehen allerdings davon aus, dass sich mit diesen nur bei extrem hohen Stückzahlen überhaupt noch Geld verdienen lassen dürfte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion