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"Windtower" - aus einer Stuttgarter Diplomarbeit.
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"Windtower" - aus einer Stuttgarter Diplomarbeit.

Schaschlik statt Strenge

Stuttgarter Studenten bringen reichlich Ideen ins DAM

Von DANIEL BARTETZKO

Eine innige Liebe wird es wohl zwischen den Betreibern des Deutschen Architekturmuseums (DAM) und ihrem eigenen Gebäude nicht mehr werden. Im voll besetzten, wie üblich arg stickigen Auditorium lobte dessen stellvertretender Direktor Wolfgang Voigt die Spieße, die die Ausstellungsmacher von "K1 Transfer" durch das Gebäude jagen und den postmodernen Ungers-Bau in seinen Augen zu Schaschlik machen.

Die Ausstellungsmacher sind die Studenten und Professoren des Fachbereiches Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart. Nach Aachen und Darmstadt ist dies die dritte Hochschule, die sich im DAM präsentiert. K1 wird das Gebäude der Fakultät genannt, das stark an das wohl dem Abbruch geweihte Frankfurter Philosophicum erinnert. Und bei den Spießen schließlich handelt es sich um eine quer durch die Räume strebende Tragekonstruktion, an der Textwände wie Jalousien heruntergelassen sind. Die Ordnung des Hauses soll sie konterkarieren, genauso wie die Ausstellung die konventionelle Erarbeitung und Präsentation von Architektur zu brechen sucht. Im Rahmen gesellschaftlicher Veränderungen unterziehen sich auch Konstruktions- und Gestaltungsprozesse zunehmender Veränderung. Ein intensiver Austausch zwischen den Beteiligten erscheint nötiger den je. So ist dieser gedankliche Transfer ja schon im Titel festgehalten.

Und so wird der Aufzeichnung von Perspektiven der Hauptteil der Ausstellung eingeräumt. Themenbereiche sind etwa schrumpfende Städte, Umnutzung von Industriebrachen, Verkehrsleitsysteme, ökonomische Zwänge des Bauens in der globalisierten Gesellschaft. Konkret verwirklichte Beispiele finden sich so in "K1 Transfer" kaum, werden jedoch inmitten des Reichtums an Ideen und Visionen nicht vermisst. Und Konkretes wird in den nächsten Wochen schließlich noch geboten: Eine Gruppe von Studenten wird während der Ausstellung vor Ort sein und Stegreif-Projekte zu den Themen der Ausstellung bearbeiten.

Doch auch ohne Praxis-Vorführungen gibt es genug Bemerkenswertes zu entdecken. Die funktionsfähigen Modelle zur Windarchitektur oder zu fast schon sinnlich geformten Betonelementen lösen beim Betrachter die Sehnsucht aus, damit spielen zu können. Den Wunsch, sie zu berühren, muss man schon sehr unterdrücken.

Ablenken kann der Blick auf die Textwände, auf denen manch gewagte These zu finden ist. Eine lautet: "Politische Öffentlichkeit ist auf den städtischen öffentlichen Raum nicht mehr angewiesen. Fernsehen und Internet sind die neuen Foren des Meinungsaustausches." Zeitgleich zur Ausstellungseröffnung debattiert der Bundestag über die Verschärfung des Versammlungsrechts, damit die Rechten nicht mehr den symbolträchtigen städtischen Ort des Brandenburger Tores für sich vereinnahmen können. Und am heutigen Mittwoch wird in Frankfurts Nachbarschaft eine gesamte Stadtbevölkerung ihrer Bürgerrechte enthoben, damit ein Texaner den öffentlichen Raum ihrer Stadt nutzen kann.

Der Gedankentransfer ist ein fortlaufender, nie abgeschlossener Prozess. Irrwege mit eingeschlossen. Auch eine Erkenntnis, die man aus dieser sehenswerten Ausstellung mitnehmen kann.

Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt: bis 27. März, Di.-So. 11-18, Mi. bis 20 Uhr.

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