+
Der neuerliche Gruß im Frankreichspiel war erkennbar vom Trotz getragen.

Militätgruß

Salutieren

  • schließen

Denn sie wissen, was sie tun. Eine Glosse. 

Der militärische Gruß ist in seiner Ursprungsbedeutung friedlicher Natur. Hervorgegangen ist er aus dem Hochklappen des ritterlichen Visiers im Mittelalter. Wer sein Gesicht unter der Rüstung preisgab, signalisierte Kommunikationsbereitschaft. Die Bekundung friedlicher Absichten entband die Salutierenden aber nicht von strengen Regeln, die vielfältige nationale Eigenheiten hervorgebracht haben.

Und auch die sind nicht immer gleich. Zwischen den Nachahmungen des militärischen Grußes der türkischen Fußball-Nationalspieler von einem Spiel zum anderen lagen zuletzt symbolsprachliche Welten. Hatten sie ihre Ehrbezeugung im Spiel gegen Albanien den in Syrien eingesetzten Soldaten gewidmet, so war der neuerliche Gruß im Frankreichspiel erkennbar vom Trotalles z getragen, es nach der heftigen Kritik erst recht zu tun.

Für ihre geballte Faust als Zeichen der Black-Power-Bewegung wurden die Sprinter Jon Carlos und Tommy Smith bei den Olympischen Spielen 1968 von der amerikanischen Mannschaft ausgeschlossen.

Aus der solidarischen Geste war ein aggressives Symbol ihrer Selbstbehauptung geworden – ganz gegen die Idee der Geste. Wir lassen uns von euch nichts sagen, hieß nun die Botschaft.

Der Streit um Fußballspieler, die salutieren oder bloß auf dem Mobiltelefon liken, reiht sich ein in eine lange Geschichte der Symbolpolitik im Sport. Für ihre geballte Faust als Zeichen der Black-Power-Bewegung wurden die Sprinter Jon Carlos und Tommy Smith bei den Olympischen Spielen 1968 von der amerikanischen Mannschaft ausgeschlossen. Als ihre Staffelkollegen wenig später als Zeichen ihrer Solidarität mit den Verfemten eine schwarze Baskenmütze trugen, blieben sie vom Bann gegen politische Bekenntnisse im Sport jedoch verschont.

Es gibt Footballspieler, die sich während der Nationalhymne hinknien und Fußballprofis, die mit den Händen Wappentiere nachahmen. Mal feiert man sie als Helden mit einem bemerkenswerten politischen Bewusstsein, mal erscheinen sie als naive Dummköpfe. Aber keine Ausrede: Sie wissen immer, was sie tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion