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Ruhig mal was annehmen

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Bund soll mehr Geld für Kultur auf dem Land geben – ein Politikum.

Stadt und Land, Hand in Hand“, war auf der vergoldeten Erntenadel eingraviert, die die Freie Deutsche Jugend ab den fünfziger Jahren für besonders hilfreiche Unterstützung der sozialistischen Landwirtschaft verlieh. Das mit den Ernteeinsätzen hat sich inzwischen ja etwas verlaufen, und im Tierreich ist das inzwischen nicht nur technologisch, sondern auch monokulturell bewirtschaftete Land ebenfalls nicht mehr so beliebt: Die größere Artenvielfalt herrscht inzwischen in den Städten. Auch Gebietsreformen und andere Sparmaßnahmen haben zur Verödung des Landes geführt. Vor allem im Osten übrigens.

In Bayern ist das Ländliche ja weniger ein Problem als ein Synonym für säuberlich gestapeltes Kaminholz hinterm geölten Jägerzaun. Auch dem ostdeutschen Städter ist es zwar lieber, wenn kein Bus zu dem See fährt, an dem sein Ferienhaus steht, aber da die Städte aus allen Nähten platzen und man Wohn- und Atelierraum im Umland braucht, stört es dann doch, wenn es dort weder eine Kneipe noch Internet gibt. Ausgleich tut Not, Strukturideen müssen her.

Und weil, wo die Industrie geht, immer die Kultur gefragt ist, entwickelt die Kulturstiftung des Bundes (KSB) in ihrem Trafo-Programm schon seit ein paar Jahren zukunftsweisende Modelle und hat die Komplexität des Themas im September vergangenen Jahres in einem Kongress aufgefächert. Auch das Land Mecklenburg ist schon fleißig und erarbeitet spezielle Leitlinien für eine Kulturpolitik in ländlichen Regionen. Und jetzt hat sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Katrin Budde als Vorsitzende des Kulturausschusses dafür ausgesprochen, mehr Bundesgeld in ländliche Regionen zu stecken.

Was insofern ein Politikum ist, als Kultur Ländersache ist und auch die Projekte der KSB immer auf Zusammenarbeiten mit lokalen Trägern beruhen. Einen weiteren Baustein eines Bundeskulturministeriums könnten die Länder hier wittern. Andererseits muss man sich Stolz auch leisten können. So nehme doch ruhig, dem gegeben wird – Bund und Land, Hand in Hand.

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