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Musical in Wien

Rudolf, der Revoluzzer

Natürlich gibt es auch gute Musicals. Immer, wenn sich dieses auf den Soforteffekt setzende Genre als offen erwies für die große Show, neue Musikströmungen

Von JOACHIM LANGE

Natürlich gibt es auch gute Musicals. Immer, wenn sich dieses auf den Soforteffekt setzende Genre als offen erwies für die große Show, neue Musikströmungen oder ernsthaften Inhalt, hatte es seine Chancen. Letzten Endes aber zählen die Standards der Präsentation, vom typengerecht gecasteten Personal bis zur Ausstattung.

Während sich in Deutschland ein halbes Dutzend Städte bemühen, Musical-Hochburgen zu werden, ist Wien längst eine, und die Opernball-Republik liefert auch den Stoff. Als es die unglückliche Kaiserin Elisabeth auf die Wiener Musicalbühne schaffte, sorgte sie dort (in Harry Kupfers Inszenierung) jahrelang für ein volles Haus. Jetzt liefern die Habsburger die personelle Vorlage für "Rudolf. Die Affaire Meyerlin". Für die Wiener Fassung des 2006 in Budapest uraufgeführten Stücks hat Frank Wildhorn die Buch- und Song- Version vertont, die Jack Murphy aus dem Roman "Der letzte Walzer" Frederic Morton gezimmert hat. Dabei hat man sich den Kronprinzen, der sich 1888 mit der Pistole auf seinem Gut Meyerling die Schädeldecke wegschoss, nicht nur vereinfacht und auf den musicaltauglichen Punkt gebracht, also mit Mary Vetsera die unentbehrliche große Liebe an seine Seite befördert. Man hat sich die History-Melange und den Helden auch rabiat zurecht geschnitzt. Mary (Lisa Antoni) wird von Kronprinzessin Stephanie (Wietske van Tongeren) angekeift, dass die Lautsprecher kreischen und vom finsteren Strippenzieher, Ministerpräsident Taaffe (Uwe Kröger) als Symbol für das nach Freiheit dürstende Volk bekämpft. Wenn dann Rudolf (Drew Sarich) zum heimlich aufrührerische Artikel veröffentlichenden Oppositionsführer im Bündnis mit dem englischen Thronfolger und dem jungen Wilhelm II. stilisiert wird, überhebt sich diese Als-Ob-Geschichte gründlich.

Die Musik kommt unter der Leitung von Caspar Richter oft nicht recht vom Fleck, versorgt aber die Protagonisten vor allem im zweiten Teil mit passenden Nummern und kommt richtig in Fahrt, wenn die Fetzen fliegen. Was der Regisseur David Leveaux mit wehenden Vorhängen, Säulen für die Machtzentrale, einer geteilten Freitreppe fürs Ballrauschen, Bühne, Bar und Separee aus der Versenkung auftauchen und wieder verschwinden lässt, ist schnellgeschnittene einfallslose Routine.

Am Ende der Musical-Liebestod, zeichenschwanger wird erst die Kerze, dann das Lebenslicht ausgeblasen. So wird sogar ein Spross des Hauses Habsburg zum tragischen Revoluzzer der Herzen. Wiener Schmäh halt.

Raimund -Theater: 3., 4., 5., 6., 7., 8., 10., 11., 12., 13., 14. und 15. März; www.vbw.at

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