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Wer ist hier das Opfer? Roseanne Barr bei Sean Hannity auf Fox News.

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Roseanne entschuldigt sich ? irgendwie

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Roseanne bezeichnet eine Beraterin von Ex-US-Präsident Obama als Affenkind, wird für ihren Rassismus gefeuert und fühlt sich jetzt missverstanden.

Es war alles nur ein Missverständnis und überhaupt wollte sie eigentlich nur Israel verteidigen. So erklärt Roseanne Barr in einem Interview mit dem US-Sender Fox News ihren Tweet, in dem sie Valerie Jarrett, eine ehemalige Beraterin von US-Präsident a. D., Barack Obama, beleidigt hatte. „Die Muslimbruderschaft und der Planet der Affen haben ein Baby bekommen“, twitterte sie am 28. Mai 2018 in Richtung Jarretts.

Der rassistische Ausfall hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und die 65-Jährige schließlich ihren Job bei ABC gekostet. Denn der Sender setzte umgehend ihre Show unter dem Namen „Roseanne“ ab, ein Remake der gleichnamigen Sendung, die in den 1990ern Kultstatus erreicht hatte.

„Ich habe offensichtlich einen Fehler gemacht, der mich alles gekostet hat. Ich habe den Preis bezahlt“, sagte Barr in ihrem ersten Fernsehinterview nach ihrer Absetzung und stilisierte sich damit prompt zum eigentlichen Opfer des Skandals.

Kritik an Barack Obama und dem Iran

Denn rassistisch sei der Tweet gar nicht gewesen. Wer das glaubt, der missversteht Roseanne. So wie ihr Arbeitgeber. „Er war politisch“, erklärte Barr gegenüber Fox-Moderator Sean Hannity in seiner nach ihm benannten Sendung. Sie habe die Politik Obamas und Jarretts gegenüber dem Iran kritisieren wollen, den sie in dem Tweet leider vergaß zu erwähnen, was sogar Rechtsaußen Hannity anzumerken sich erdreistete.

Rassismus sei ihr gar nicht möglich. Sie, als Jüdin, habe mit drei Jahren (!) ihrem Gott einen Eid geschworen, gegen jeglichen Extremismus zu kämpfen, ob von rechts oder links, womit die politische Couleur gemeint ist, nicht die Richtungsangabe, mit der herkömmliche Dreijährige in diesem Lebensabschnitt noch nicht mal was anzufangen wissen. Sie habe außerdem Familie in Israel und, wem das noch nicht reicht, afroamerikanische Freunde, ja sogar Familienmitglieder oder zumindest Menschen mit dunkler Hautfarbe in ihrem engsten Kreis des Vertrauens. So ganz will sie sich da nicht festlegen.

Obwohl der Tweet also gar nicht rassistisch gewesen sei, gibt Roseanne trotz allem noch eine Erklärung, wie es dazu hatte kommen können. Es war 2:45 Uhr morgens, als sie besagte Zeilen zwitscherte, zwei Tage nach dem Memorial Day, ein amerikanischer Feiertag, an dem der fürs Vaterland Gefallenen gedacht wird. Also habe sie sich zwei Bier gegönnt, mehr trinke sie nie, aber das reiche bei ihr eben aus. Und überhaupt: „Es gibt noch jede Menge anderer physischer Probleme in meinem Leben.“ Sie leide an einer multiplen Persönlichkeitsstörung, nehme zwei bis drei (so ganz sicher scheint sie sich da nicht zu sein) Antidepressiva und wurde von Vater (sexuell) und Mutter (psychisch) missbraucht, wobei sie mittlerweile gar nicht mehr glaube, sexuell missbraucht worden zu sein. Es sei eher emotionaler Missbrauch gewesen. Zu guter Letzt bezeichnet sich Roseanne als „kreatives Genie“.

"ROSEANNE WHO?" @ValerieJarrett reacts to Roseanne Barr's racist tweet about her: "In all seriousness ... I'm fine, I am just fine."

"This isn't what keeps me up at night. What keeps me up at night are those families being separated on the borders ... not a racist tweet." pic.twitter.com/2GFK2UZwlQ

— The View (@TheView)

25. Juli 2018

Twitter-Fans würden auf dieses Genie in Zukunft verzichten müssen, sagt Barr. Bereits kurz nach dem Tweet hatte sie ihren Abschied von den sozialen Medien verkündet - nur vollzogen hatte sie ihn nicht. Aufgefallen war die bekennende Trump-Unterstützerin aber nicht auf Twitter, sondern auf Youtube. Dort veröffentlichte sie ein Video, in dem sie inbrünstig in die Kamera schrie: „Ich dachte, die Schlampe wäre weiß!“ 

Aber was sagt eigentlich Valerie Jarrett dazu? Auf den ganzen Komplex angesprochen reagierte sie tags zuvor bei „The View“, eine politische Talkshow moderiert unter anderem von Whoopi Goldberg. Angesprochen auf Barrs Ausfall antwortete Jarrett mit „Roseanne…wer?“ und gab an, sie habe größere Sorgen als sich über rassistische Tweets aufzuregen.

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