Robert Forster

Der Unverwüstliche

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Robert Forster, wie immer stilbewusst und mit grandioser Band im Frankfurter Zoom.

Als Musiker wirkt Robert Forster, wenngleich das Alter selbstredend auch an ihm nicht vorbeigeht, unverwüstlich. Die Rolle des Popstars gibt er mit einer Distanz, die keinesfalls schnöde ironisch ist, sondern vielmehr distinguiert. Das jüngste Konzert mit seiner grandiosen Band im Frankfurter Zoom – Teil der Tour zum neuen Album „Inferno“ – war rauschend. Ein lakonischer Humor in den Ansagen, ein höfliches „It’s a pleasure to be here“, ansonsten einfach einen Song auf den anderen gesetzt – und mehr und mehr kommt im Verlauf des Abends eine überschäumende Stimmung auf, zuletzt noch befeuert durch eine Reihe von eckigen, eine Assoziation zum New Wave weckenden Tanzbewegungen des hochgewachsenen Australiers, der im nächsten Monat seinen 62. Geburtstag feiert.

Zuletzt, vor zwei Jahren, war Robert Forster mit seinem autobiografischen Buch „Grant & ich“ unterwegs, das dem selbstgesetzten literarischen Anspruch einer Novelle genügte und von der Freundschaft mit dem 2006 im Alter von 48 Jahren gestorbenen Grant McLennan erzählt. Mit ihm hat Forster 1978 in seiner Heimatstadt Brisbane die aus dem Geist des New Wave geborene Band The Go-Betweens gegründet.

In diesem fabelhaften Buch ist viel davon zu erfahren, wie intensiv allzeit gefeilt wurde, an Gitarrenriffs und Harmoniewechseln, Instrumentierung und Produktionsweise, Album um Album, Song um Song. Darin hat Forster in seinen bislang drei Alben seit McLennans Tod nicht nachgelassen. Forster weiß natürlich, dass sein Publikum auf die alten Nummern aus ist, und er gibt sie ihm offenkundig gern: Klassiker und zuweilen auch eher Randständiges von den Go-Betweens machen gut die Hälfte des Konzertprogramms aus.

Punktgenaue Perlen

Zwar sind es ebendiese Songs, die am besten ankommen, auch dank einer Ballung einiger der schwungvollsten zum Schluss hin. Mitnichten jedoch brauchen sich die von dem bravourösen neuen Album „Inferno“ dahinter zu verstecken. Durchweg wiederum sind das in Wort und Musik punktgenau gesetzte Perlen, immer am alten Ideal des perfekten Popsongs entlang. Dringlichkeit und Gelassenheit werden kunstvoll in Balance gesetzt. Und ein Stomper wie die Titelnummer „Inferno (Brisbane in Summer)“ mit ihrem bezwingenden Riff in freier Anlehnung an „I’m Waiting For the Man“ von The Velvet Underground ist auch darunter.

Im Übrigen singt in der Zugabe, bei dem The-Go-Betweens-Klassiker „Surfing Magazines“, das Publikum gemeinschaftlich das schunkelige „dadá dadá dadá“ – einer Aufforderung dazu bedarf es nicht.

Robert Forster taugt regelrecht zum Studienobjekt für Popmusiker: Wer die Sache derart stilbewusst angeht, wird mit dem selbst bei manchen verdienten Heroen zu beobachtenden Langzeitkarierrenproblem schwächerer Alben nicht zu tun bekommen.

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