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Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz auf einer Weltbild-Pressekonferenz.

Weltbild Kündigungen

Vom Retter zur Reizfigur in Rekordzeit

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Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Weltbild-Investor Walter Droege wird inzwischen Wortbruch vorgeworfen, er möchte noch vor Weihnachten weitere Kündigungen aussprechen.

Das Image von Investoren, die sich als Firmenretter feiern lassen, ist bisweilen von kurzer Dauer. „Irgendwie erinnert mich das an Nicolas Berggruen und sein Ausschlachtprojekt Karstadt“, schreibt Peter&Paul. Was sich gerade in Augsburg bei der Verlagsgruppe Weltbild abspielt, sei zwar eine Nummer kleiner, aber das gleiche Prinzip, findet der Blogger. Nicht wenige der noch rund 2600 Beschäftigten bei Weltbild sehen das ähnlich. Verdi-Gewerkschafter schäumen, Sanierungsexperten runzeln die Stirn. Der Weltbild-Berggruen heißt Walter Droege. Noch vor vier Wochen war der Düsseldorfer Milliardär Hoffnungsträger einer gebeutelten Belegschaft.

Sogar Angst vor einer zweiten Insolvenz macht sich breit, seit Droege vorige Woche dem Betriebsrat und Verdi mitteilen ließ, dass nach dem Aderlass durch die Weltbild-Insolvenz Anfang des Jahres weitere 200 Stellen gekappt werden. Die Hälfte der Betroffenen soll noch vor Weihnachten gehen, sagt der Betriebsrat und das, obwohl Droege zugesagt habe, keine Stellen mehr zu streichen. „Wir wurden von vorn bis hinten belogen“, so der Betriebsrat in einem Flugblatt. Droege wolle Weltbild auf Kosten der Belegschaft auspressen, schnell hohe Profite einfahren.

Die neue Weltbild-Geschäftsführung, die der Düsseldorfer ins Haus gebracht hat, beteuert, das Unternehmen rasch wieder auf Kurs bringen zu wollen. Den Umfang des neuen Stellenabbaus mag man nicht bestätigen. „Anpassungen“ seien zwar nötig. Für die Verhandlungen mit Verdi und Betriebsrat sei aber Stillschweigen vereinbart. Gesichert sei in jedem Fall die Finanzierung von Weltbild, was Insider mit Einblick in Bilanzen und das aktuelle Geschehen bestätigen. Eine neue Pleite drohe nicht. Aber es läuft auch nicht rund.

Die Weltbild-Istzahlen der Monate Juli bis September 2014 würden eine signifikante Abweichung von der Planung zeigen, hat Droege mitgeteilt. In Augsburg ist von Umsätzen die Rede, die ein Viertel und mehr unter den Erwartungen liegen. Die Weltbild-Manager schweigen dazu.

Ware wird nicht nachbestellt

Thomas Gürlebeck geht sie hart an. „Die Krise wird absichtlich verschärft, um neuen Kahlschlag vornehmen zu können“, sagt der Verdi-Gewerkschafter. Durch ein Herunterfahren der Werbung um über ein Drittel würden die Umsätze gezielt gedrosselt. So sei ein fertig produzierter TV-Spot nicht gesendet worden. Zudem werde dringend benötigte und von Kunden nachgefragte Ware nicht nachbestellt.

„Das ist tödlich“, sagt der Gewerkschafter mit Blick auf ein Weihnachtsgeschäft, das er bereits ruiniert sieht. Weltbild müsse seine Präsenz im Internet stärken. Aber im Onlinehandel seien Verbraucher nur einen Mausklick von der Konkurrenz entfernt. Ein Sanierungsexperte, der den Überlebenskampf von Anfang an begleitet hat, bestätigt ein Abweichen Droeges von vereinbarten Strategien unter dem Kürzel Weltbild 2.0. „Droege hat einen anderen Plan“, sagt der Insider. Der sei riskant, wenn vor Weihnachten wichtige Ware fehlt. Ein neues Weltbild-Profil sei bislang nicht erkennbar, das Sortiment erinnere an eine Resterampe.

So sehen es auch große Teile der Belegschaft und Verdi. Das Management sei planlos und drohe Weltbild vollends in den Ruin zu steuern, warnt Gürlebeck. Die Belegschaft werde sich gegen die neuen Kahlschlagpläne wehren. Für den heutigen Mittwoch ist in Augsburg eine Betriebsversammlung angesetzt, wo sich Widerstand formieren soll.

Die Zeichen bei der ehemals katholischen Verlagsgruppe, die von kirchlichen Eignern in den Ruin gemanagt wurde, stehen auch unter weltlicher Führung auf Sturm. Als schlichtende Instanz mit Expertise könnte in dieser Lage Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz dienen, der noch mit einem Minderheitenanteil an Weltbild beteiligt ist. Er wolle das aktuelle Geschehen nicht kommentieren, heißt es aus seinem Umfeld. Als Vermittler stehe er aber falls nötig zur Verfügung.

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