Alte Herren beim Ermitteln: Schimanski und Haenschen.
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Alte Herren beim Ermitteln: Schimanski und Haenschen.

"Tatort"

Rentner mit Schlagkraft

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Schimanski kommt wieder und räumt auf – bei der Polizei

Schimanski muss sich zwar sagen lassen, dass er nichts mehr zu sagen hat – „Du bist ein scheiß Rentner!“ –, aber der Rentner hinterlässt eine respektable Spur der Verwüstung. Jürgen Werner (Buch) und Thomas Jauch (Regie) zeigen einen vertrauten Schimanski, auch wenn Götz George mittlerweile 72 ist: Einen, der mit dem Kopf durch die Wand geht, den leidenschaftlichen Rächer eines Mannes, der als Polizist das Richtige zu tun versuchte. „Schuld und Sühne“ ist der etwas großspurige Titel, unter dem Götz George nach einer skandalös langen Pause von zweieinhalb Jahren wieder ermittelt.
Es geht ausgerechnet um Schimis altes Revier. Ein Jungpolizist, Sohn einer Freundin Schimanskis, hat sich erschossen. Und wenn es schon partout keinen Hinweis darauf gibt, dass er ermordet wurde, dann möchte Schimi wenigstens wissen, wer oder was ihn in den Tod getrieben hat.
Bald ist klar: Es muss die Arbeit, es müssen die Kollegen gewesen sein. „Schuld und Sühne“ zeigt den Polizistenberuf als extrem belastend und mies bezahlt, zeigt aber auch, wie daraus die Haltung folgt, ein Anrecht zu haben auf ein bisschen Zuverdienst. „Nenn mir einen Grund, es nicht zu tun“, sagt ein Ex-Kollege Schimanskis übers Handaufhalten. Die interne Ermittlung hat denn auch das Revier schon im Blick; es gibt ein Wiedersehen mit „Tatort“-Dauergast Johann von Bülow, der an diesem Sonntagabend den aufs Aufräumen bedachten Leiter des Hauptkommissariats spielt.
Schimanski selbst hat bald die üblichen Blessuren – und sich verarzten zu lassen, ist natürlich nur was für Weicheier. Aber auch Freundin Marie-Claire (Denise Virieux) und Kollege Hänschen (Chiem van Houweninge) leben in Schimis Nähe gefährlich. Vor allem aber trifft es diesmal den guten Ruf der Polizei. Die schikaniert und bedroht, mobbt und dealt. Und scheint auch vor Mord nicht zurückzuschrecken.
So spielt also Götz George wieder einmal den (Ex-)Bullen im Porzellanladen, mit Nachdruck, und vielleicht auch mit Spaß. Zwar gibt es Momente in „Schuld und Sühne“, in denen Horst Schimanski plötzlich müde und alt aussieht. Doch ist das kein Grund, ihn nicht noch mal einen schlagkräftigen Rentner sein zu lassen.

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