Dies ist die eingemottete Deko aus der Gottschalk-Ära. Bei Markus Lanz sollen die Showgäste ab dem 6. Oktober in Drehsesseln Platz nehmen.
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Dies ist die eingemottete Deko aus der Gottschalk-Ära. Bei Markus Lanz sollen die Showgäste ab dem 6. Oktober in Drehsesseln Platz nehmen.

Wetten, dass...?

Das ZDF renoviert "Wetten, dass ..?"

Die Sendung "Wetten, dass..?" soll jünger werden – auch mit einer Wett-App. Für mehr Pepp und Aufmerksamkeit auf den TV-Bildschirmen soll Markus Lanz sorgen.

Von Anne Burgmer

Markus Lanz ist ein geduldiger Mensch. Eine gefühlte Ewigkeit posiert er am Montagvormittag im Kölner Dock One für die Fotografen. Er lächelt ohne Unterlass und sollte er genervt sein, lässt er es sich nicht anmerken. Ruhe und Gelassenheit braucht der 43-Jährige zurzeit, denn am 6. Oktober moderiert er erstmals „Wetten, dass?..?“ und das Interesse an seiner Person ist riesig.

Das ZDF stellt in Köln das neue Konzept des Show-Klassikers mit großer Geste vor. Alles dreht sich dabei um Lanz, und doch auch wieder nicht, denn über allem schwebt unausgesprochen immer die Frage: Was macht Lanz anders als Gottschalk? Der Südtiroler, der einst von RTL zum ZDF kam, weiß, dass am 6. Oktober alle Zuschauer ihn mit seinem Vorgänger vergleichen werden.

Revolutionär neu wird's nicht

Es ist keine leichte Aufgabe, der Show ein neues Gesicht zu geben ohne dabei den Kern der Marke zu beschädigen. Revolutionär neu wird deshalb nichts bei „Wetten, dass?..?“. Es sind viele kleine Änderungen, die der Show ein neues Erscheinungsbild geben sollen. Eines, das zu dem neuen Moderator passt. Immer wieder kommt Lanz auf seine Talkshow zu sprechen. Auf diesem Gebiet fühlt er sich sicher. Und dies Kernkompetenz will er auch für „Wetten, dass ..?“ nutzen.

„Ich wünsche mir, dass wir miteinander und die Gäste und Kandidaten auch untereinander ins Gespräch kommen“, sagt Lanz. Eine Herausforderung bei einer großen Samstagabendshow. „In großen Hallen entsteht schnell eine große Distanz“, sagt Lanz. Eine Talklounge wird das Promi-Sofa ersetzen. Diese Lounge, die ein wenig an ein Ufo erinnert, wird fahrbar sein und soll Prominente, Zuschauer und Wettkandidaten näher zueinander bringen.

Die Kandidaten sollen dabei die „Helden des Abends“ werden. Deshalb wird es für sie eine eigene Lounge geben, von der aus sie ihre Mitstreiter beobachten können. Sie wird ebenfalls beweglich sein und kann mit der Insel der Promis verschmolzen werden. Außerdem hat sich Lanz vorgenommen, „Wettpaten und Kandidaten besser in Verbindung zu bringen“.

Der Gast auf der Couch soll seinen jeweiligen Kandidaten selbst vorstellen und ihn auch stärker unterstützen. Außerdem werden die Kandidaten in kleinen Einspielfilmen vorgestellt.

Ohnehin will man sich beim ZDF auf die Wetten konzentrieren. Mehr wird es davon in Zukunft geben. Sechs in der Regel plus Stadt- und Kinder-Wette. Zudem tritt der Moderator selbst an und wird in einer „Lanz-Challenge“ gegen einen Kandidaten aus dem Publikum spielen.

Promi-Konzept bleibt ähnlich

Die Zusammenstellung der prominenten Gäste verändert sich nicht wesentlich. Der Hollywood-Star wird auch in Zukunft neben dem deutschen Fernseh-Schauspieler sitzen. In der ersten Sendung werden Karl Lagerfeld, Campino, Jennifer Lopez, Hannelore Kraft, Rolando Villazon und Bülent Ceylan zu Gast sein.

Auch an der Musik und am Design hat das ZDF gefeilt. Alles soll jünger, frischer, moderner wirken. Dazu passt auch, dass die Sendung ein eigenes Profil bei Twitter hat, und mithilfe einer Web-App die Zuschauer künftig stärker eingebunden werden sollen.

Zielvorgabe: Acht Millionen Zuschauer

Vieles neu und doch alles beim Alten, so könnte das Motto für „Wetten, dass ..? reloaded“, wie es Programmdirektor Norbert Himmler nennt, lauten. „Wir haben keinen Moment darüber nachgedacht, die Show zu beenden“, sagt Himmler und gibt sich bescheiden. Mit acht Millionen Zuschauern wäre man schon ganz zufrieden, sagt er. Den Verantwortlichen ist anzumerken, dass sie auf alle Fälle vermeiden wollen, dass der Gottschalk-Nachfolger als zweite oder gar dritte Wahl wahrgenommen wird.

Lanz gelingt der Spagat, selbstbewusst eigene Stärken zu benennen, ohne arrogant zu wirken. Er will seinen Gästen nahe kommen. „Zuhören ist sehr viel wichtiger als sprechen.“ Nervös sei er eigentlich nicht: „Ich freue mich ehrlich gesagt sehr darauf, dass es jetzt endlich losgeht.“ Es sei schwer den Spannungsbogen über so lange Zeit zu halten. „Irgendwann muss es dann mal passieren.“ Und letztendlich sei es ja immer noch nur Fernsehen. Und ergänzt: „Ich bin mir darüber im Klaren, dass die ersten Minuten am 6. Oktober wahrscheinlich die besten drei, vier Minuten meines Berufslebens sein werden, danach geht es nur noch bergab.“

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