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Stets gut gelaunt: „Rolly“, das Maskottchen der Bavaria Studios.

Bavaria Film

Rendite ins Boot holen

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Bavaria Film präsentiert Konzepte für das digitale Zeitalter. Und konkretisiert den Plan, eine achtteilige Fortsetzung von „Das Boot“ zu produzieren.

Deutsche Filmstudios haben es im internationalen Vergleich ohnehin nicht leicht. Aber Bavaria Film in München mit seinem Hauptstandort Geiselgasteig lebt besonders von der Tradition. Seit Wolfgang Petersen dort seinen Klassiker „Das Boot“ drehte, sind mittlerweile 35 Jahre vergangen. Zugleich schreitet die Digitalisierung auch der Filmbranche mit immer größeren Schritten voran.

Bavaria ist zwar immer noch das drittgrößte Filmstudio der Republik, aber dass sich etwas ändern muss, hat der seit knapp zwei Jahren amtierende Konzernchef Christian Franckenstein bald erkannt. „Wir müssen den Medienstandort Geiselgasteig wieder auf die Landkarte bekommen, nicht nur für Touristen“, stellt er klar.

Die ersten Schritte sind getan, überflüssige Randbeteiligungen und Immobilien verkauft sowie die knapp 30 Tochterfirmen neu geordnet. Bis Ende 2017 wird in diesem Stil weiter umgebaut, denn Bavaria Film muss profitabler werden, sagt Franckenstein. Gut 200 Millionen Euro Umsatz im Vorjahr stehen knapp sieben Millionen Euro operativer Gewinn vor Steuern und Zinsen gegenüber. „Drei Prozent Rendite sind am unteren Rand des Notwendigen“, weiß der Firmenchef. Fünf Prozent sollen daraus ab 2018 werden. Aber das alles ist nur ein Vorspiel verglichen mit dem Zukunftsprojekt Geiselgasteig 2025, das sich das Management auf die Fahnen geschrieben hat.

„Wir müssen den Medienstandort in die digitale Zeit führen“, beschreibt Frankenstein die Aufgabe. Dazu wollen die Bayern ungenutzte Flächen auf dem 30 Hektar großen Firmengelände nutzen und dort neue Hightechpartner ansiedeln, die einen technologischen Quantensprung erlauben. Ein Studio habe man bereits für „junge YouTuber“ freigeräumt, erzählt Mitgeschäftsführer Achim Rohnke. Denn Digitalisierung bedeutet für die Branche nicht nur neue Technik, sondern auch das Internet als Abspielkanal der Zukunft.

Enormes Serienbudget

Was genau in Geiselgasteig in den nächsten neun Jahren geschehen soll und was es kostet, wird derzeit analysiert. Sobald das Konzept steht, wird es den Gesellschaftern präsentiert. Das sind vor allem die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten BR, WDR, SWR und MDR. Verwirklicht wird dann, was die mitfinanzieren wollen und Bavaria Film sich leisten kann, sagen die Manager. Sie wissen, dass das Rennen um die Zukunft der Filmproduktion für das eigene Haus kein Selbstläufer wird, weil man mit anderen großen oder aufstrebenden Medienstandorten wie Berlin und Köln, Stuttgart oder Leipzig um die Spitzenkräfte der cineastischen Digitalwirtschaft buhlt und einiges bieten muss, um sie nach München zu locken.

Dazu soll eine Art digitaler Filmcampus auf dem Bavaria-Gelände entstehen. Mit Blick auf die Abnehmer kommen neue Kunden wie Online-Filmbibliotheken à la Netflix in den Fokus. Bis daraus ein größeres Geschäft werden kann, dauert es noch. Aber schon jetzt habe das Auftauchen von Netflix & Co dazu geführt, dass Privatsender wie Sat1 und RTL wieder mehr in eigenes TV-Material investieren und das Auftragstief für Filmstudios hier zu Lande wohl überwunden ist, sagt Franckenstein.

Bis die neue Filmwelt mit ihren digitalen Kulissen auch in München steht, muss aber noch einmal die Vergangenheit herhalten. Denn große Hoffnungen setzt Bavaria Film auf eine achtteilige Serie mit dem Titel ?Das Boot?. Das sei kein Remake des Filmklassikers, betont Franckenstein. Die Geschichte der Serie fange vielmehr dort an, wo der Kinofilm Petersens aufhört. Mit 25 Millionen Euro ist das Serienbudget für Münchner Verhältnisse bemerkenswert.

Drehbeginn soll im kommenden Jahr sein. Erstmals gezeigt werden die 45-minütigen Teile dann im Bezahlfernsehen von Kooperationspartner Sky. Kommt die Serie an, ist auch eine Fortsetzung möglich.

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