Internetadressen

Reich dank Poorsche, Guugel und Simens.de

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Namens-Piraten spekulieren im Web mit Tippfehlern der Surfer.

Mi crosotf.de, Simens.de, Toxota.de, reifeisen.de - das sind doch Internetseiten bekannter Unternehmen. Gut, mal fehlt ein Buchstabe, mal sind t und f vertauscht, oder da steht ein x für ein ein y. Kann ja vorkommen, wenn ein User im Web eilig etwas sucht.

Kein Problem? Das sehen die betroffenen Firmen ganz anders. Denn darauf, dass sich Besucher des World-Wide-Web vertippen, spekulieren inzwischen ganze Scharen von Namens-Piraten, die darauf hoffen, mit den Buchstabendrehern Geschäfte zu machen. Sogenannte Typosquatter lassen Webseiten registrieren, deren Namen Ähnlichkeiten mit etablierten Marken haben. Angeblich geht es weltweit um Millionen Euro, die im jungen Markt der Internetdomains zu holen sind.

Als etwa der US-Konzern Apple Anfang November sein iPhone auf den deutschen Markt brachte, hatten findige Trittbrettfahrer bereits 300 deutsche Domains registrieren lassen. Alle enthielten "iPhone" im Namen - um so die Surfer auf ihre Seiten zu locken. Wo dann vor allem Anzeigen lauern. Denn weder iphoneshop.de noch iphone-sex.de sind bislang offizielle Apple-Domains.Ein Blick auf die Handelsplattform Sedo, wo jeder User auf ihn registrierte ".de"-Adressen zum Verkauf anbieten kann, lässt etliche solcher schiefen Domainnamen entdecken: von Volkbank.de über Poorsche.de bis Deutschebanck.de. "Die Domains gehören den Inhabern, nicht uns", betont Sedo-Sprecherin Semra Yilmaz. Sedo rate Verkäufern stets davon ab, Seiten zu registrieren, die Rechte Dritter verletzen könnten.

Mancher riskiert es trotzdem. So findet man unter der Adresse Deutschebanck.de, deren Inhaber eine Adresse auf Zypern angibt, nur scheinbar ein Shoppingportal. Denn die Links führen ins Nichts - einziger Zweck des Webauftritts ist, die Domain zu verkaufen. Ein gewagtes Spiel, glaubt Yilmaz: "Geht die Deutsche Bank gegen den Auftritt rechtlich vor, bekommt sie auf jeden Fall Recht."

Aber: So einfach könne man es sich auch nicht machen, findet Jens Lechte. Er betreibt den "Adolo Webservice" - unter der Internetadresse Reifeisen.de. "Das hat aber rein gar nichts mit der Raiffeisen-Bank zu tun", betont er. "Dahinter steckt nicht irgendeine Abzocke." Gegen eine kleine Gebühr haben sich auf Lechtes Seite Firmen niedergelassen, die Versicherungsvergleiche anbieten. "Bisher habe ich damit keine 20 Euro eingenommen." Der einzige Grund für den Kauf der Domain sei der hohe Stellenwert bei der Suchmaschine Google gewesen. Und wofür steht der Name? "Für mich ist Reifeisen ein Begriff wie Garten", sagt Lechte. Und er schreibe sich ja ganz anders als die Bank.

Wie schwierig es wegen solcher Spitzfindigkeiten ist, Namens-Piraten aufzuspüren, erkannte auch eine Gruppe Kölner IT-Experten - die daraus flugs ein Geschäftsmodell entwickelten. Ihre Firma Nambos setzt eine eigens entwickelte Software ein, um sämtliche Domains zu überprüfen, bei denen die Gefahr einer Verwechslung mit Markennamen besteht. "Das Ergebnis dieser Schleppnetzfahndung dient dann als Grundlage für weitere Schritte", sagt Sebastian Fiebig, Recherche-Spezialist des Unternehmens. Jede Firma könne entscheiden, welche fremden Betreiber kleine Fische sind und welche ihrem Image schaden. "Manche Fälle sind sogar richtig kriminell", erklärt Fiebig, "etwa, wenn Namens-Piraten Domains zur Industriespionage nutzen." So landen alle E-Mails, die an Vorstand@simens.de geschickt werden, auf dem Tisch des Fälschers.

Ob die Namens-Piraten-Jagd ein Geschäft der Zukunft wird, ist offen. Fakt ist, dass sich die Internet-Riesen absichern: Der US-Konzern Google registrierte selbst Domains wie Gogle oder Googel. "Gerade bei Kunstbegriffen wie Google kennt nicht jeder die korrekte Schreibung", erklärt Sprecher Stefan Keuchel. Zum Googeln muss man aber nicht im Duden suchen: Auch wer's schreibt, wie er's spricht, liegt richtig - und findet unter Guugle.de nichts anderes als Google.de.

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