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Dem Gartenbesitzer wie der Gartenmitbenutzerin ist der Rasenmäher systemrelevant.

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Rasenmäher

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Der Kauf eines neuen Rasenmähers ist eine gute Gelegenheit zu merken, wie alt man geworden ist.

Auch wer ein unterkühltes Verhältnis zu seinem Rasenmäher hat, muss zugeben, dass dessen Funktionstüchtigkeit gesichert sein muss. Dem Gartenbesitzer wie der Gartenmitbenutzerin ist der Rasenmäher systemrelevant. Alle beteiligten Personen hören das Gras wachsen, wenn sich etwas zwischen sie und die pünktliche Rasenkürzung stellt. Anders als im Kriminalfilm, wo nur Pimpernellen und pathologische Neugiernasen etwas davon mitbekommen, wächst das Gras zudem äußerst laut und nervtötend. Kurzum: Ist der Rasenmäher kaputt, muss sofort ein neuer her. Am besten genau das gleiche Modell. Auch ein unterkühltes Verhältnis ist ein Verhältnis.

Es mag viele Menschen geben, denen Rasenmähergeschäfte ein Ort der Freude und Anregung sind. Auch der Verkäufer ist sich der Schönheit der Geräte, ihrer Kraft und Robustheit wohlbewusst. Die frei geschätzte Größe der Rasenfläche nötigt ihm zudem ein anerkennendes Kopfnicken ab. Schon lässt er die Vorgartengerätchen beiseite und weist in den mittleren Bereich. Hier sitzt man noch nicht direkt auf einem Traktor, die Maschinen taugen durchaus bereits zur symbolischen Selbstergänzung.

Itzo steht der Mann für ein behagliches Fachgespräch bereit. Jedoch hätte die Kundschaft jetzt gerne was Elektrisches. Mit Stecker, fügt sie scheu und in Ermangelung von Fachvokabular hinzu. Es ist auch egal, denn hinter der wildwesthaften Mund-Nase-Bedeckung ist gut zu sehen, was der Mann jetzt denkt. Erst denkt er es, dann spricht er es aus. Das wolle kein Mensch mehr, Akku oder Benziner, das sei hier die Frage.

Auch wenn sich die Kundschaft lange Minuten später zu einem Benziner durchgerungen hat – angespannt inzwischen, weil das so sehr nach Autokauf klingt –, wird sie erneut überrumpelt, als es um die Frage des Antriebs geht. Mehrstufig und wenn ja, wie viele? Als die Kundschaft nämlich endlich verstanden hat, was damit gemeint ist, und stammelt, sie habe ihren Mäher immer selbst geschoben, sagt der Mann gutmütig: Kein Mensch schiebt heute noch seinen Mäher selbst. Wobei das, fügt er hinzu, eine Frage der Philosophie sei. Es gebe auch Leute, die bestünden geradezu darauf, selbst zu schieben. Ihm ist zweifellos klar, dass die Sorte Kundschaft vor ihm ihrerseits von keinerlei Philosophie, alleine von Unkenntnis angetrieben wird.

Das Geschäft verlässt sie mit einem schmucken Benziner mit einfachem Antrieb. Jetzt rast ihr der Rasenmäher gerne davon, aber das wird schon. Beim Anwerfen des Motors fühlt sie sich wie die Menschen in „Flipper“, wenn sie eilig mit dem Motorboot rausfahren müssen.

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