Maler Franz Xaver Winterhalter zeigt Queen Victoria und ihren Mann Albert inmitten ihrer Kinder. Foto: Royal Collection Trust

200 Jahre Queen Victoria

Queen-Victoria-Ausstellungen: Die Waschschürze der jungen Königin

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Ausstellungen in Londoner Palästen feiern Königin Victoria zu ihrem 200. Geburtstag – und erinnern an große, wenn auch nicht ungefährdete Tage der Monarchie.

Von der 93 Jahre alten Königin Elizabeth II. weiß man, dass sie ihren Londoner Palast nicht sonderlich schätzt, sich viel lieber auf Schloss Windsor oder den Sommer über im schottischen Balmoral aufhält. Für ihre Ururgroßmutter Victoria hingegen, deren 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, war der Buckingham-Palast einst das Traumziel und Fluchtpunkt vor den Bevormundungen ihrer Jugend gewesen.

„Queen Victorias Palast“ heißt deshalb in diesem Sommer die Ausstellung, die den Besuchern des 775-Zimmer-Kolosses in London die enormen Eintrittspreise schmackhaft machen soll. Nicht, dass man dabei die Büro- und Privaträume zu Gesicht bekäme; für die zahlende Öffentlichkeit sind auch in diesem Jahr lediglich die gut 20 repräsentativen Räume und Säle im Hauptgebäude zugänglich. Diese befinden sich baulich in gutem Zustand, ganz anders als 1837, dem Jahr von Victorias Amtsantritt, als eine Reihe von Zimmern durch Renovierungsarbeiten unbewohnbar waren.

Für die blutjunge Königin, der sich 1840 Prinzgemahl Albert und binnen 17 Jahren Ehe neun Kinder hinzugesellten, begann also eine Zeit emsiger Bautätigkeit. Beim Modernisieren beließ es das Königspaar nicht: Für die geplante Öffnung des bis dahin von Volk und Gesellschaft weitgehend abgekapselten Palastes waren größere, repräsentative Räume nötig. Der 33 Meter lange Ballsaal zum Beispiel, in dem bis heute Staatsbankette sowie jene Feiern steigen, bei denen verdiente Untertanen Auszeichnungen aus königlicher Hand empfangen.

Ob es die weltweit mit Faszination betrachtete britische Monarchie überhaupt noch gäbe ohne Queen Victoria? Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hatten es nicht gut gemeint mit der Institution. George III. (1760-1820) war jahrelang regierungsunfähig und starb in geistiger Umnachtung; George IV. (1820-30) rief die Tageszeitung „The Times“ nach, es habe „niemals ein Individuum gegeben, dem seine Mitmenschen weniger nachtrauerten als diesem König“. Auch William IV .erweckte „keine positiven Leidenschaften in der Bevölkerung“, schreibt die deutsche Historikerin Karina Urbach in ihrer glänzenden Biografie über Victoria („Die unbeugsame Königin“, C.H. Beck, München 2018, 284 Seiten, 24,95 Euro).

Victoria repräsentierte also so etwas wie die letzte Chance der Monarchie – und sie war ein Glücksfall. Die Vorgeschichte der soeben erst 18 Jahre alt gewordenen jungen Frau, die am 20. Juni 1837 die Nachricht vom Tod des Königs erhielt, erzählt wiederum die neue Dauerausstellung „Victoria: Eine königliche Kindheit“ im ersten Stock des Kensington-Palastes. Ihre 63 Thronjahre behandelt dort die Sonderschau „Victoria: Frau und Krone“.

In dem West-Londoner Palast war die spätere Königin geboren worden, hier erhielt sie von ihrer Erzieherin, der Pfarrerstochter Louise Lehzen aus Hannover, Fünf Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche eine gründliche Schulbildung. Lehzen wurde bald zur wichtigsten Bezugsperson für die kleine Prinzessin, die Opernbesuche liebte und in Skizzen und Beschreibungen von ihren Lieblingssängern schwärmte.

Buckingham-Palast, London: bis 29. September. Kensington-Palast, London: bis 4. Januar 2020 (die neue Dauer- ausstellung natürlich darüber hinaus).

Die Ausflüge mit der Erzieherin stellten auch kleine Fluchten dar aus dem „Kensington-System“, einer Art von behüteter Isolation, in der Victoria von ihrer deutschen Mutter und deren machtbewusstem Berater John Conroy gehalten wurde. Bis zum 18. Lebensjahr musste sie mit ihrer Mutter das Schlafzimmer teilen, ohne Begleitperson war es ihr nicht erlaubt, die Treppe hinunterzugehen. Kein Wunder, dass die frischgebackene Königin umgehend mit Lehzen in den Buckingham-Palast umzog, Conroy aus ihren Diensten entließ und die Mutter vom Hofe verbannte.

Der rührenden Ausstellung über die Kinderjahre kann die Beschreibung der Thronjahre nicht ganz das Wasser reichen. Spannendes erfährt man auch hier. Ein Raum ist ausdrücklich der „Kaiserin von Indien“ gewidmet, ein Titel, den der ausgefuchste Premier Benjamin Disraeli der geschmeichelten Queen 1876 zu Füssen legte. Obwohl sie ihr Kaiserreich nie selbst besuchte, ließ die Faszination mit dem Subkontinent Victoria nicht los. Spät im Leben ließ sie sich von ihrem Bediensteten Abdul Karim ein wenig Urdu beibringen.

Zu besichtigen gibt es die Waschschürze, die sich die junge Königin schneidern ließ, um beim abendlichen Bad der Kinder dabei zu sein. Ein Skizzenbuch dokumentiert das beachtliche künstlerische Talent der Monarchin. Es stammt aus dem Jahr 1863, „dem dritten Jahr meines Kummers“, wie es aus der Feder der um ihren 1861 verstorbenen Mann Albert trauernden Witwe heißt. Jahrelang ließ sich Victoria kaum noch in der Öffentlichkeit blicken, wodurch die Monarchie erheblich an Popularität verlor. Die Queen konterte 1868 durch die Veröffentlichung von Auszügen aus ihrem Tagebuch – eine Weltsensation, die blitzschnell zum Bestseller und in 33 Sprachen übersetzt wurde.

In den – posthum heftig zensierten – Tagebüchern und Briefen, schreibt Urbach, „begegnet man der unbeugsamen Königin: einer parteiischen Frau, die um politischen Einfluss rang“.

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