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Princess Chelsea auf Tour: Ein Spiel in alle Richtungen

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Von: Stefan Michalzik

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Princess Chelsea. Foto: Frances Carter
Princess Chelsea. Foto: Frances Carter © Frances Carter

Princess Chelsea, vorerst noch auf der Suche beim Konzert im Frankfurter Mousonturm.

Ihr jüngst herausgekommenes fünftes Album hat Princess Chelsea mit der beschwörenden Formel „Everything Is Going To Be Alright“ überschrieben, was sich natürlich zu einer zeitbezogenen Ausdeutung anbietet. Doch wer das Werk von Chelsea Nikkei kennt, wie die 1985 im neuseeländischen Auckland geborene Musikerin heißt, weiß, dass es da wohl eher wie gehabt um Innerlichkeit gehen dürfte. In der Tat sprach sie in Interviews von einer gerade hinter sich gebrachten mehrjährigen Auszeit der Gesundheit wegen sowie der Befreiung von einer toxischen Beziehung und gar von ihrem „nervous breakdown album“.

Bei Princess Chelsea, die mit ihrer Band im Studio des Frankfurter Mousonturms gastierte, hat manches einen doppelten Boden. Hinter einer vermeintlichen Naivität ist viel der Ironie in ihren Texten, bis hin zu Zügen von Zynismus. Musikalisch wirkt vieles verspielt auf den Alben seit dem Debüt „Little Golden Book“ (2011).

Im Konzert nun mit ihrem sechsköpfigen Ensemble, in dem jede und jeder sein Stamminstrument hat und zugleich ständig Instrumente hin und her gereicht werden, bot sich das Bild einer merkwürdigen Disparatheit. Die Stilistik schlug gleich zu Beginn in so allerlei Richtungen aus, von Shoegaze-Zeitlupenästhetik über Anklänge an den TripHop und den Zwanziger-Jahre-Kabarettpop von The Dresden Dolls bis zur noisigen Rückkoppelungsgitarrenorgie und Momenten von Morricone auch.

Schlingerndes neues Album

Kann man ja alles machen – wenn es denn bloß nicht derart richtungslos wirken würde wie bei einer jungen Indieband, die noch auf der Suche nach einem Weg zur Eigenständigkeit ist. Irritierend. Doch schon das neue Album schlingert zwischen einer neuen Gitarrenlastigkeit und dem bekannten synthiegeprägten Sound.

Überladung ist bei Princess Chelsea seit jeher Programm, das macht einen Gutteil des Reizes ihres Popentwurfes aus, der die romantische Unmittelbarkeit von Sehnsucht mit einer reflektierten Ebene kurzschließt.

Es sind eher die älteren Nummern, die an diesem Abend in Frankfurt ziehen, besonders etwa das in der ausgedehnten Konzertfassung einem überschäumend pianistisch-perkussiven Instrumental gleich beginnende „Monkey Eats Bananas“ vom Debüt; spät erst setzt der Gesang ein. Oder auch in der Zugabe schließlich das famose „The Cigarette Duet“, der Song gleichfalls aus dem Debüt, mit dem Princess Chelsea seinerzeit via Internet berühmt wurde, hier mit dem Originalpartner Jonathan Bree von der Band The Brunettes als Gast.

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