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Presserat beschäftigt sich mit Winnenden

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Ein Gummihandschuh liegt in der Nähe der Albertville-Realschule.
Ein Gummihandschuh liegt in der Nähe der Albertville-Realschule. © ddp

Der Deutsche Presserat hat nach dem Amoklauf von Winnenden über 60 Beschwerden erhalten. Nahezu jeder denkbare Verstoß ist dabei.

Bonn. Der Deutsche Presserat hat nach dem Amoklauf von Winnenden bereits über 60 Beschwerden erhalten. Dabei gehe es um die "komplette Breite" des Themas, von der unmittelbaren Berichterstattung zu dem Amoklauf über die Fotos vom Täter und dessen Darstellung in der Presse bis zum Umgang mit den Opfern und Familienangehörigen, sagte Geschäftsführer Lutz Tillmanns.

Entschieden sei über die Beschwerden noch nicht. Der Presserat werde sich wahrscheinlich in einer Sitzung Mitte Mai damit beschäftigen. Der eine oder andere Beitrag zum Amoklauf erscheine ihm sehr grenzwertig, sagt Tilmanns. Die Fälle müssten nun im Einzelnen geprüft werden, der Presserat werde sie "sorgfältig aufarbeiten".

Den Pressekodex hält Tillmanns in diesem Zusammenhang für ausreichend. Dieser sei bei dieser Thematik sehr präzise. Es werde dort klar und deutlich gesagt, dass es etwa keine Gewalt verherrlichende Darstellung geben dürfe und die Persönlichkeitsrechte geschützt werden müssen.

Die SPD-Medienexpertin Monika Griefahn hatte vor dem Hintergrund der Berichterstattung über den Amoklauf angeregt, die im Pressekodex enthaltene Selbstverpflichtung der Presse zu überarbeiten und endlich verbindlich zu machen. Herausgeber und Verlage sollten sich "an einen Tisch setzen" und die ethischen Grundsätze des Pressekodex weiterentwickeln.

Seit Januar können beim Presserat auch im Internet veröffentlichte journalistische Beiträge beanstandet werden. Die Resonanz sei bisher recht hoch, sagte Tillmanns. Die Zahl der Beschwerden liege jetzt schon für dieses Jahr insgesamt bei 350, 360.

"Das ist deutlich mehr als letztes Jahr", sagte Tillmanns. Von diesen beträfen rund 100 klassische Inhalte im Internet, also rein digitale Veröffentlichungen. Auf diesem Gebiet stellten sich dem Presserat nun neue Fragen.

Es sei ein neues Projekt, mit dem nun Erfahrungen gesammelt würden. "Aber ich denke, dass das genau in den richtigen Händen ist, denn wir setzen uns ein für eine Ethik journalistischer Arbeit, und die ist eben auch zu verfolgen in der Internetberichterstattung", sagte Tillmanns.

Der Presserat, die freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien, wurde 1956 gegründet. Seine Hauptaufgaben sind "die Lobbyarbeit für die Pressefreiheit in Deutschland" und das Bearbeiten von Beschwerden aus der Leserschaft. (ddp)

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