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Keine historische Pointe ohne Bewusstsein der Zeitgeschichte.

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Pointe, die

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Sie muss ein springender Punkt sein, vor allem das Timing macht sie im Deutschen zur Herausforderung.

Problemstellung allgemein: Eine Pointe muss sitzen. Das ist leichter gesagt als getan. Ganz abgesehen davon, dass allein das bereits seltsam ist. Denn gemeinhin gilt die P. als „springender Punkt“ einer Sache. Sie hält also weniger still als vielmehr überraschend auf ein Ziel zu, nicht vorhersehbar, sondern unberechenbar, durchaus sprunghaft. Oder, um die Sache auf heutige Verhältnisse zu übertragen, unfassbar.

Gleichwohl gibt es allerdings enorme Möglichkeiten (Optionen!), bei denen die P. nicht sitzt. Sie wird dann nicht zum springenden Punkt. Man muss nicht ausdrücklich betonen, dass dieser Punkt also umsichtig vorbereitet sein will. Und Sie ahnen es, ist er das nicht, wird bereits die Vorgeschichte zum Inbegriff von Langeweile, Missvergnügen, Überdruss gar. Denn bereits die Vorgeschichte einer verfehlten P. ist unbedingt steigerungsfähig, nein, nicht nur bis zur Fadheit, sondern bis zur Zeitverschwendung. Keine P., das darf man behaupten, das muss man betonen, ohne ausgeprägtes Zeitbewusstsein.

Problemstellung speziell: Man darf auch sagen, die P. sei angewiesen auf Timing. Womöglich macht das die Sache im Deutschen zu einer Herausforderung. Allein die schiere Übersetzung bereitet Kopfzerbrechen, lässt innehalten, nachdenken. P.? Wie lässt sich womöglich auch sagen, Clou? Herr Schn., wertkonservativ wie er als Oberstudienrat war, möge es nachsehen, doch ein weiteres Fremdwort trifft die Sache ebenfalls besser als das Wort Witz. Der springende Punkt bei der P. – einundzwanzig, zweiundzwanzig, 23 – ist der überraschende Effekt, eine unerwartete Wendung. So lässt sich die Problemstellung umkreisen. Trifft die Umschreibung aber auch ins Schwarze?

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, 23 – je länger man über die Umschreibung springender Punkt nachdenkt, desto mehr leuchtet sie ein. P. haben bei allem, was sie ausdrücken, wie sie es anstellen, etwas mit Selbstbesinnung zu tun, Selbstaufklärung.

Problemstellung aktuell: Wer sagt, P. müssten unbedingt auf einen Witz hinauslaufen? Ihr Clou besteht darin, dass es mit ihnen auch absolut ernst sein kann, bitterernst. Um dem betulichen Gedankengang noch eine beachtliche Wende zu geben: Nicht jede politische P. muss spritzig sein. Eine politische P. dieser Tage besteht darin, dass der deutsche Konservatismus vor seiner Jahrhundertherausforderung steht, auch im Rückblick auf 1918 und, erst recht, 1933. Keine historische Pointe ohne Bewusstsein der Zeitgeschichte. Der springende Punkt ist ein alles andere als sprunghaftes Verhältnis zur Demokratie.

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