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Schneeschippen und Eiszapfenklopfen sind die schönsten Traditionen in der besinnlichen Winterzeit. Wenn es dafür aber zu warm ist, bleibt das Geschichtenerzählen.

Times mager

Pizza

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Pizza zu essen, ist gefährlicher als man meinen würde. Ein Beispiel aus Italien.

Zu den schönsten Traditionen in dieser besinnlichen Zeit gehört eigentlich das Schneeschippen und Eiszapfenklopfen, aber wenn kein Schnee da ist und kein Zapfen, dann natürlich das Geschichtenerzählen. Also erzählen wir. Eine Geschichte, die schon längst ausschweifend erzählt gehört hätte, ist die Pizzageschichte. Und die geht so.

Sie und er fahren nach Italien. Da gebe es eine hervorragende Pizzeria, erfährt er zuvor von einem Musikantenkollegen. Bist du sicher, Pizza – in Italien?, fragt er den Kollegen mit gespielter Fassungslosigkeit zurück. Na ja, ich meine natürlich genau da, wo ihr hinfahrt, sagt der Kollege. In dieser und jener Straße. Beste Pizza, beste Pasta weit, breit, hoch, tief und kreuz und quer.

Sie und er also vor Ort angekommen: nix wie hin, und zwar pronto. Geschlossen, die Pizzeria. Am nächsten Tag nix wie gleich wieder hin. Randvoll, die Pizzeria. Reserviert? Nix reserviert. Der Locandiere gibt sich alle Mühe, guckt, macht, tut, überlegt, aber keine Chance. Kein Platz.

Zweihundert Meter weiter ist noch eine Pizzeria. Dann dort hinein. Die Pizza kommt. Der Hunger ist groß. Er beißt sich mit dem ersten Gierbissen quasi die komplette Zunge ab. So fühlt es sich jedenfalls an. Sie bestätigt: Es blutet. Ein bisschen. Und nirgends ein Eiszapfen. Worauf er in eine Art Schockstarre fällt und sich panisch am Tisch mitten im Restaurant vergegenwärtigt, dass der menschliche Körper sein eigenes Blut grundsätzlich nicht verdaut. Da hat er seine Prinzipien, der menschliche Körper. Da lässt er auch nicht mit sich reden.

Alth theine Thunge thich langtham wieder arpikulieren kann, bippep er den Wirp, die Piptha einthupacken, thie munde gewith auch morgen noch. Nächste Probleme: Wie bugsiere ich den Pizzakarton im strömenden Regen durch die Stadt (von Casa zu Casa rennend), wie schmuggle ich die Pizza am Portier vorbei ins Hotelzimmer (hätte er überhaupt Einwände, wer weiß, lieber mal die Jacke drübergelegt) – und wo bewahre ich sie (Thunfisch!) über Nacht auf? Also die Thunfischpizza. Nicht die Thunfischjacke.

Das gleiche Problem war einige Jahre zuvor in Island aufgetaucht, damals mit geringfügigen Pizzaresten (Tonno & Marinara), die schließlich, im Kofferraum zwischengelagert, tags darauf den Sturmmöwen schmeckten. Man kennt das: Du hebst eine Pizza im Kofferraum auf, und morgens fällt dir ein: Ach, stimmt ja. Fisch.

In Italien zahlte sich am Ende die mitgeführte Elektrokühlbox aus, die den Fladen, im Hotelbadezimmer platziert, zuverlässig frischhielt. Wunderbarer Reiseproviant, so eine hart erkämpfte Pizza, nicht nur zur Weihnachtszeit. Und vor allem: Wie schnell so eine Zunge nachwächst!

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