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"Auf Kosten der Gesundheit"

Von Pharmariesen und Provinzpatienten

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Arte bietet ein Doppelprogramm zu bizarren Auswüchsen des Gesundheitswesens. Es geht um die Schwachstellen des hiesigen Systems, und den vergleichenden Blick unter anderem nach Frankreich und Thailand gibt es auch. Von Harald Keller

Nicht nur unter politischen Gesichtspunkten, auch als journalistisches Thema stellt die Krise des Gesundheitssystems eine schier unüberwindliche Herausforderung dar. Talkshows sind gerade recht, um Positionen auszutauschen; Reportagen versammeln die auffälligsten Symptome. Um aber alle Aspekte zu erfassen, Ursachen zu erforschen und womöglich Lösungen zu skizzieren, genügt nicht einmal ein Arte-Themenabend. Da wäre mindestens eine Themenwoche erforderlich.

Dennoch helfen die heutigen Arte-Dokumentationen dem außenstehenden Betrachter in einigen Fragen deutlich weiter. In ihrem Film "Patient als Beute" beleuchten Martin Gronemeyer und Robert Cibis gleich mehrere Schwachstellen des Systems. Sie belegen am Beispiel eines Wirkstoffs, der als niedrig dosiertes Augenmedikament sehr teuer, als Anti-Krebs-Mittel aber erheblich billiger verkauft wird, wie die Pharmaindustrie dem Gesetz der Profitmaximierung folgt. Und im Zuge dessen auch die Politik beeinflusst.

So beschließt der Gesundheitsausschuss des Bundestages ein industriefreundliches Gesetz, das die Medikamentenversorgung erheblich verteuern wird. Und die Filmautoren finden kein Ausschussmitglied, das diese Entscheidung vor laufender Kamera begründen möchte.

Weiter befassen sich Gronemeyer und Cibis mit den teils fatalen Folgen der Privatisierung regionaler Krankenhäuser und werfen einen vergleichenden Blick nach Frankreich, wo die Kliniken nicht den Kommunen, sondern dem Staat gehören.

Minimallohn für Schwestern

Im zweiten Beitrag des Abends, der in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW entstand, widmet sich Wolfgang Luck der Globalisierung der Patientenversorgung und hat in Thailand die Antwort gefunden, wie Hospitäler rentabel arbeiten können: Indem sie ihren Krankenschwestern maximal 300 Euro pro Monat zahlen und die Versorgung der einheimischen Bevölkerung zugunsten betuchter Auslandskunden vernachlässigen.

Die fühlen sich im luxuriösen Ambiente, dem vermittels Duftsprinklern sogar der Krankenhausgeruch ausgetrieben wird, wie im Fünf-Sterne-Hotel. Eine Dame aus Deutschland will sich einer Laseroperation unterziehen, der Texaner Ron ist gekommen, um sich Stammzellen ins Herz spritzen zu lassen. Ein Eingriff, der bei ihm daheim verboten ist.

Leider verfolgt Wolfgang Luck nicht weiter, ob die großartigen Versprechungen, die sich mit dieser Stammzellentherapie verbinden, tatsächlich wahr werden. Aber er macht jedenfalls klar, dass in der Fremde trotz im Preis inbegriffener Dolmetscher allerlei Missverständnisse auftreten können.

Ein positives Beispiel der Patientenverschickung hat er in Pattaya gefunden. Dort werden norwegische Behinderte in einer eigenen Wohnanlage rund um die Uhr von einheimischen Pflegekräften betreut und leben, auch unter dem Einfluss des angenehmen Klimas, sichtlich auf.

Der norwegische Staat ist´s zufrieden und bezahlt den Auslandsaufenthalt, der eine bessere und billigere Versorgung gewährleistet als im eigenen Land. Weshalb auf diesem Sektor, wie beim Gesundheitstourismus überhaupt, mit gewaltigen Wachstumsraten gerechnet wird. Derweil anderswo schwangere Frauen beinahe im Auto gebären, weil das nächstgelegene Krankenhaus geschlossen wurde.

"Themenabend: Auf Kosten der Gesundheit", Arte, ab 21 Uhr.

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