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Paukenschlag in Leipzig

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Bernd Hilder, 52,  bisher Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung
Bernd Hilder, 52, bisher Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung © dapd

Die Dreiländeranstalt MDR bleibt skandalträchtig: Zur Wahl zum neuen Senderchef stand einzig der umstrittene Zeitungsmann Bernd Hilder - der klar durchgefallen ist.

Von Ulrike Simon und Björn Wirth

Als am Montagmittag klar wurde, dass Bernd Hilder bei der Wahl zum Intendanten des Mitteldeutschen Rundfunks gescheitert war, ließen MDR-Mitarbeiter die ersten Sektkorken knallen. Bernd Hilder als Intendant hatten alle gefürchtet. Der 52-Jährige bekam lediglich zwölf der 41 Stimmen, 29 votierten gegen ihn. Erforderlich war eine Zweidrittelmehrheit. So chancenlos war ein Intendantenkandidat selten. „Schade“, befand der gescheiterte Intendantenkandidat nach der für ihn desaströsen Wahl. „Gerne hätte ich dem MDR geholfen, aus seiner Krise herauszukommen.“

Hilder zahlte keine Gebühren

Womöglich gab ja das am Wochenende kursierende Anmeldeformular der Gebühreneinzugszentrale aus dem Jahr 2005 letztlich den Ausschlag. Daraus ging hervor, dass der Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung erst nach Aufforderung seine Radio- und Fernsehgeräte angemeldet habe. Und auf die Frage, ob er bereits Rundfunkgebühren zahle, habe er im Anmeldebogen Ja angekreuzt – mit dem handschriftlichen Kommentar: „leider“. Eine Fälschung? Er erwäge zu prüfen, ob er dagegen juristisch vorgehe, sagte Hilder, als er kurz nach Beginn der Rundfunkratsitzung sich noch einmal präsentierte. Wie ein Dementi sah das nicht aus, sagte ein Mitglied des Rundfunkrats hinterher.

Es wurde dann doch ein kurzer Arbeitstag für die anwesenden 41 Mitglieder des MDR-Rundfunkrates. Die Sitzung begann pünktlich um 11 Uhr, und gleich zu Beginn wurde beschlossen, dass es nur einen Wahlgang geben wird. Zwar hätten es die Hilder-Befürworter aus der Sachsen-CDU wohl gerne gesehen, wenn so lange gewählt worden wäre, bis sie ihren Kandidaten durchgeboxt haben. Doch dem wirkte ein Rechtsgutachten entgegen, das im Landtag Sachsen-Anhalts erarbeitet und erst kurz vor der Wahl verschickt worden war. Auch der von manchem geplante Trick, den Tagesordnungspunkt „Intendantenwahl“ vor den Bericht des Verwaltungsratsvorsitzenden zu ziehen, kam nicht zur Anwendung. Und so konnte Gerd Schuchardt seine Kritik an dem Umständen, unter denen Hilders Nominierung Anfang September zustande gekommen war, noch einmal dezidiert vortragen. Er erzählte von den Sitzungspausen zwischen den Wahlgängen in seinem Gremium, und dass in der viertelstündigen Pause, die sie sich genommen hatten, einzelne Mitglieder den Raum verlassen hätten, um jene umzustimmen, die zunächst Hilders Mitbewerberin, die juristische MDR-Direktorin Karola Wille, gewählt hatten. Schuchardt habe die, die da Einfluss genommen haben, noch einmal richtig auflaufen lassen, berichtet ein Teilnehmer der gestrigen Sitzung.

Einen Monat Zeit

Wer nun stattdessen Intendant werden soll, ist allerdings unklar. Zahlreiche Namen kursieren. ARD-Chefredakteur Thomas Baumann wird ebenso genannt wie RBB-Intendantin Dagmar Reim und andere mehr. Nur bei Karola Wille, die bei der Nominierungsrunde Ende August Hilder unterlegen war, heißt es: Auf keinen Fall, dafür werde Karl Gerhold, der für die CDU Sachsen-Anhalt seit Gründung des Gremiums im MDR-Verwaltungsrat sitzt, schon sorgen. Wille gilt als kompetent, aber eben auch als Teil jenes MDR-Systems Noch am Nachmittag kam der siebenköpfige Verwaltungsrat zusammen, um über das weitere Verfahren zu beraten. Auf einer Sondersitzung am 9. Oktober will er einen neuen Kandidaten wählen. Damit könnte der Rundfunkrat noch vor dem dem Ausscheiden von Gründungsintendant Udo Reiter Ende Oktober im zweiten Anlauf einen Nachfolger wählen. Aus dem Kreis der Rundfunkräte heißt es, sie erwarten vom Verwaltungsrat binnen der kommenden zwei Wochen einen Vorschlag. Dann muss sich der oder die Neue ja auch erst einmal präsentieren.

Alle hoffen, dass der Verwaltungsrat nun einen kompetenteren Kandidaten nominiert als Hilder es war. Das Misstrauen zwischen Rundfunk- und Verwaltungsrat ist, so viel kann man sagen, jedenfalls groß. Mindestens so groß wie der Streit zwischen den Mitgliedern des Verwaltungsrats. Der Wahlausgang zeugt aber immerhin davon, dass sich die Gremienvertreter nicht alles von der CDU-Politik vorschreiben lassen.

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