+
Im ORF-Theater in Klagenfurt beginnen am Freitag 27. Juni 2008 vor Publikum die Lesungen zu den 32. Tagen der deutschsprachigen Literatur, die am Samstag mit der Vergabe des Ingeborg-Bachmann Preises enden. Im Bild links liest Alina Bronsky aus Frankfurt.

Bachmann-Wettbewerb

Osteuropa-Geschichte eröffnet Lesungen

Mit seinem Text "Livia" hat der Berliner Autor Thorsten Palzhoff den Vorlesereigen des Wettbewerbs um den 32. Ingeborg-Bachmann-Preis eröffnet.

Wien (dpa) - Mit seinem Text "Livia" hat der Berliner Autor Thorsten Palzhoff am Freitagmorgen den Vorlesereigen des Wettbewerbs um den 32. Ingeborg-Bachmann-Preis eröffnet. 14 Autoren stellen bis Samstag ihre bisher unveröffentlichten Texte der Jury vor. Am Abend soll dann der Gewinner der mit 25.000 Euro dotierten Auszeichnung feststehen, die als eine der wichtigsten in der deutschsprachigen Literaturszene gilt. Mit nur zwei Tagen Lesungen und Diskussionen wurde der Wettbewerb in diesem Jahr im Vergleich zu fünf Tagen im Vorjahr deutlich verkürzt.

Die Erzählung von Palzhoff über ein Reporterteam in Rumänien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde von der Jury unter anderem als "hochintellektuelle Konstruktion" gelobt, gleichzeitig als konventionell kritisiert. Auch die 1978 in Russland geborene und in Hessen aufgewachsene Schriftstellerin Alina Bronsky löste mit ihrem Auszug aus dem im Herbst erscheinenden Roman "Scherbenpark" eine Kontroverse in der Jury unter Vorsitz von Burkhard Spinnen aus. Sie lässt eine junge Russin in Deutschland selbstironisch und frech über die Einwanderergesellschaft und das Gewaltverbrechen an ihrer Mutter erzählen. Einige Jurymitglieder bezeichneten den Text als erfrischend mit schönen Detailbeobachtungen, andere fanden ihn unausgegoren und kritisierten, dass er Erwartungen und Klischees zu sehr erfülle.

Unter den 14 Teilnehmern des wohl bekanntesten "Vorlesewettbewerbs" der deutschsprachigen Literatur sind elf Deutsche, zwei Autoren kommen aus Österreich und einer aus der Schweiz. Sechs der Teilnehmer sind Frauen, damit ist der Anteil an weiblichen Autoren höher als in den Vorjahren. Erstmals sind alle in Klagenfurt vorgelesenen Texte direkt danach nicht nur in Deutsch, sondern in sechs weiteren Sprachen im Internet zu finden. Unter dem Motto "Bachmann-Preis goes Europe" werden dort auch die übersetzten Kommentare der Jury eingestellt.

Der Bachmann-Preis gilt seit seiner Gründung 1977 als einer der wichtigsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Er ist nach der in Klagenfurt geborenen Dichterin Ingeborg Bachmann (1923-1973) benannt. Der stets in der letzten Juniwoche in Klagenfurt laufende Wettbewerb wird gerne als "Betriebsausflug der deutschsprachigen Literatur" bezeichnet. Die teilnehmenden Autoren lesen vor Publikum aus unveröffentlichten Prosatexten, danach diskutiert die Jury über die Beiträge. Über die Preisvergabe stimmen die Juroren öffentlich ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion