"Perspective Daily", das sind Han Langeslag, Maren Urner und Bernhard Eickenberg (v.l.n.r.).
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"Perspective Daily", das sind Han Langeslag, Maren Urner und Bernhard Eickenberg (v.l.n.r.).

Perspective Daily

Online-Magazin will neuen Journalismus

Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, so lautet eine alte Journalisten-Weisheit. Dass die längst überholt ist, wissen auch drei Medienmacher aus Münster. Auf ihrer Online-Plattform wollen sie den konstruktiven Journalismus etablieren. Der soll Lösungen aufzeigen, statt den Finger in die Wunde zu legen.

Von Jenny Stern

Kriege, Krisen, Korruption: Wer die Nachrichten verfolgt, könnte manchmal meinen, die Welt sei grundlegend schlecht. Drei junge Medienmacher aus Münster wollen Journalismus neu denken und gründen Perspective Daily, ein Online-Magazin, das sich für konstruktiven Journalismus einsetzt.

„Ein großes Problem mit der jetzigen Berichterstattung ist, dass sie sehr negativ ist und die Leute dadurch hilflos und gestresst werden“, sagt Mitbegründerin Maren Urner in einem Video auf der Internetseite des Start-ups. Die 31-Jährige ist promovierte Neurowissenschaftlerin, ihre Kollegen: ein Physiochemiker und ein Wirtschaftswissenschaftler. In einer Redaktion hat bisher keiner von ihnen gearbeitet. Bei dem Projekt gehe es um mehr, als nur das Positive herauszustellen, sagt Urner. Die Initiatoren wollen auch fragen: Wie kann es weitergehen? Auf der Online-Plattform schreiben sie dazu: „Wir stehen für einen Journalismus, der nicht nur Probleme beschreibt, sondern auch Lösungen diskutiert.“

Nora Tschirner wirbt bei Böhmermann

Unterstützt werden Urner und ihre Kollegen auch von bekannten Gesichtern aus der Medienwelt, etwa von Moderator Klaas Heufer-Umlauf und Schauspielerin Nora Tschirner. „Das ist eine internationale Bewegung, die es schon länger gibt“, sagt Tschirner in der Sendung Schulz&Böhmermann. Der konstruktive Journalismus gehe davon aus, dass negative Berichterstattung den Zuschauer in eine Spirale von Depression und Lähmung führe. Dadurch gingen gute Lösungsansätze oft verloren, sagt Tschirner.

In Redaktionen in Skandinavien ist das Konzept des konstruktiven, lösungsorientierten Journalismus längst schon eingezogen. Und auch in Großbritannien und den Niederlanden finden sich mit „positiveNews“ oder „De Correspondent“ Nachahmer. In Deutschland allerdings muss die Idee noch finanziert und umgesetzt werden, Perspective Daily wirbt in ihrer Crowdfunding-Kampagne derzeit für Mitglieder. 12.000 sollen es insgesamt werden – bis diesen Sonntag. Bisher haben Urner und Co noch nicht einmal die Hälfte beisammen.

42 Euro im Jahr, einen Artikel am Tag. So die Idee. Statt einzelner Ereignisse will Perspective Daily die Themen in einen größeren Zusammenhang einbetten, gut recherchieren und Hintergrund liefern. Beispielartikel gibt es allerdings noch nicht. Die Redaktion könne erst nach erfolgreicher Finanzierung starten, sagt Urner.

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